21.03.2017, 20:21 Uhr

Suche nach vermisster Studentin Malinas Vater ist verzweifelt: 'Ich möchte mein Kind wieder in meinen Armen halten'

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Wo ist Malina? Das Fragen sich derzeit viele Menschen in Regensburg. Vor allem bei jungen Leuten, Studenten, macht der Vermisstenfall fassungslos.

REGENSBURG "Das hätte halt einfach jeder von uns sein können. Jeder geht irgendwann mal zu Fuß vom Weggehen heim, ohne Fahrrad. Also es ist auf jeden Fall ein bisschen gruselig. Ein bisschen mulmig ist mir da jetzt schon", erzählt uns eine Studentin. Ein anderer junger Mann berichtet: "Wenn ich dran denke, dass meine Freundin jetzt hier nachts alleine nach Hause geht, dann macht man sich natürlich schon so seine Sorgen." Die 20-jährige Studentin Malina Klaar ist am Sonntagnacht nach einer Feier am Regensburger Galgenberg verschwunden. Bis dato fehlt von ihr jede Spur.

Blick zurück in die Partynacht

Es ist Samstag, 18. März. Malina ist mit ihrer WG-Mitbewohnerin Sandra und einer Freundin in der Regensburger Innenstadt unterwegs. Sie besuchen eine Party in der Alten Mälzerei in der Galgenbergstraße. Die beiden jungen Frauen möchten Spaß haben, sie tanzen, trinken Alkohol. Doch plötzlich verliert Sandra ihre Freundin aus den Augen: "Das Problem begann schon auf der Party. Ich habe sie in dem Moment verloren, als ich meine Jacke abgegeben habe. Malina, eine Freundin und ich, wir waren zu dritt unterwegs, waren dann schon auf der Tanzfläche. Und diese Party war riesig. Und ich habe dann die beiden dort nicht wieder gefunden. Ich stand dann noch bei Freunden, die ich aus der Uni kenne."

Nach einiger Zeit meldet sich Malina bei ihrer Freundin ab und sagt zu ihr, sie komme gleich wieder. Wie Sandra B. (Name der Redaktion bekannt) weiter berichtet kam die 20-jährige dann aber nicht wieder zurück: "Ich habe dann nur meine andere Freundin alleine auf der Tanzfläche angetroffen und haben dann super oft versucht, die Mali anzurufen. Das sollte so zwischen drei und vier Uhr gewesen sein, aber genau kann ich das nicht sagen." Zu diesem Zeitpunkt geht Malinas Mitbewohnerin davon aus, dass sie sich noch auf der Party in der Alten Mälzerei befindet. In der Annahme, ihre Freundin sei schon nach Hause gegangen, machen sich die Mädchen auf den Weg in Richtung ihrer Wohnungen.

Auf dem Heimweg läutet plötzlich Sandras Handy: "Dann hat die Mali mich eben angerufen, sie ist am Ernst-Reuter-Platz. Das ist einfach von mir zu Hause zehn Minuten entfernt. Ich habe ihr dann gesagt, du musst halt immer nur geradeaus laufen. Dann klang sie so, ja ok mache ich. Also noch zurechnungsfähig." Zu diesem Zeitpunkt hat Malina nur noch drei Prozent Restakkulaufzeit auf ihrem Handy, wie sie ihrer Freundin Sandra in dem Telefonat mitteilt. Eine ähnliche Situation bei Sandra selbst. Auch ihr Akku ist fast am Ende. Nach rund einer halben Stunde meldet sich Malina erneut telefonisch bei Sandra: "Sie sieht jetzt noch Häuser und da habe ich mich schon gewundert. Und dann hat sie mir zwei Screenshots geschickt." Sandra blickt nur kurz auf ihr Smartphone, da sie nur noch rund ein Prozent Restakku übrig hat. Sie denkt, Malina sei immer noch am Ernst-Reuter-Platz, weil die gleiche Minutenzahl auf dem Display ihres Handys erscheint. In Wirklichkeit war die 20-jährige Studentin aber bereits im Stadtpark an der Prüfeninger Straße. Nach einem letzten Telefonat denkt Sandra, Malina schafft es, nach Hause zu finden. "Sie klang jetzt nicht so betrunken, dass sie jetzt nicht mehr laufen konnte oder so. Sonst hätten wir sie ja geholt. Und es war nun wirklich auch keine große Distanz", erzählt Sandra weiter.

Nach diesem letzten persönlichen Gespräch versagt Sandras Handyakku. Selbst als Malina nach Stunden immer noch nicht zu Hause angekommen ist, macht sich die Mitbewohnerin nicht wirklich Sorgen: "Es übernachtet ja andauernd irgendwer bei irgendwem, weil der näher wohnt, und wir haben uns halt überhaupt keine Sorgen gemacht. Ich laufe ja auch immer alleine nach Hause und mache mir da überhaupt keine Gedanken." Am Sonntagmorgen gegen 10 Uhr ist Malina immer noch nicht in der gemeinsamen Wohngemeinschaft eingetroffen. Sandra denkt, vielleicht schläft sie länger und ist deshalb noch nicht zurück. Erst als die 20-jährige Student am Nachmittag immer noch nicht da ist, machen sich ihre Freundin und auch ihre Eltern große Sorgen.

Großangelegte Suchaktion

Bei der zuständigen Polizeiinspektion Regensburg-Süd geben die Eltern dann eine Vermisstenanzeige auf. Eine großangelegte Suchaktion mit Spürhunden, Polizeihubschrauber und Hundertschaften läuft an. In den Nachmittag- und Abendstunden des Montag suchten die Kräfte die Parkanlage, sowie den Donaubereich ab. Die Maßnahmen verliefen aber ohne Erfolg. Eine Handyortung ist derzeit nicht möglich, da das Gerät abgeschaltet ist. Vermutlich wegen der nur noch geringen Akkulaufzeit. Die Polizei beschreibt Malina Klaar wie folgt: 1,67 Meter groß, schlank mit braune, schulterlange, lockige Haaren. Sie ist mit einer schwarzer Hose bekleidet, trägt schwarzen Schuhen, sowie eine braune Wolljacke. Auffällige Merkmale sind eine Halskette mit Lederband und einer silbernen Schnecke als Anhänger.

Suchaufruf bei Facebook

Malinas Freundin sowie ihrer Familienangehörige unterstützen aktiv die Suche der Polizei. Auf Facebook haben sie einen entsprechenden Aufruf gestartet. Zudem wurden Flugblätter im Bereich Galgenbergstraße Ecke Alte Mälzerei aufgehängt. Trotz der frühen Morgenstunden, gibt es bereits zahlreiche Hinweise, wie uns Malinas Vater, Joseph Sawatzki, erzählt: "Da muss viel gefiltert werden. Wild Spekulatives von dem getrennt werden, was möglich wäre. Und es gibt sehr sehr viele Menschen, die uns auf zahlreichen Plattformen unterstützen und dafür bin ich sehr sehr dankbar." Als Hinweise gab es beispielsweise einen Busfahrer, der gesagt hat, dass sie morgens um kurz nach sechs Uhr in seinen Bus eingestiegen ist; hier beim Stadtpark auf der anderen Seite. Andere sagen, sie hätten sie an einer Raststätte irgendwo gesehen. Ermittlungen in diese Richtungen wollte die Polizei aber zumindest am Dienstag noch nicht bestätigen.

Malinas Vater beschreibt seine Tochter als sehr zuverlässig. Sie sei keine Kandidatin dafür, das sie einfach mal für ein paar Tage abhaut. Zudem sei Malina aber auch erst seit einer Woche in Regensburg und der Abschied aus ihrer Heimat, dem Landkreis Fürstenfeldbruck, fiel ihr nicht leicht. "Der Abschied fiel ihr schwer. Es war aber auch ein lachendes Auge dabei. Das Studium und das sie sich endlich mal im Erwachsenendasein bewegen kann, da war sie einfach unglaublich glücklich darüber. Diese Ambivalenz und auch weil ihr Freund noch in Fürstenfeldbruck lebt, und sie ihn einfach unglaublich vermisst hat, war sie so ein bisschen innerlich zerrissen. Und in dem Zustand ist sie dann hier feiern gegangen. Das erste Mal so richtig. Sie war wohl betrunken, sie hat ihre Freundin leider aus den Augen verloren. Hat aber alleine weiter gefreiert. Es schien ihr also gut zu gehen. Bis sie dann morgens bei ihr (Sandra) anrief und orientierungslos schien, und nicht wusste, wie sie nach Hause kommt. An dem Punkt haben wir dann mit der Suche begonnen", berichtet Vater Joseph Sawatzki weiter.

Auch am Dienstagnachmittag ging die Vermisstensuche weiter. Mit einer Hunderschaft durchkämmte die Polizei den Park in der Nähe des Regensburger Hauptbahnhofs, beim "Schwammerl" wie Einheimische den Kiosk dort nennen. "Wir konnten dort einige Gegenstände sicherstellen. Diese müssen nun aber erst ausgewertet werden. Dann wissen wir, ob wir neue brauchbare Spuren haben oder nicht", so Armin Bock, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz gegenüber unserem Reporter.

"Ich möchte mein Kind wieder in meinen Armen halten und das möglichst gesund. Ob das, was wir hier tun, meinen Wunsch erfüllt, das weiß ich nicht. Aber ich kann mich nicht nur in die Ecke legen und nichts tun und hysterisch weinen. Das passiert aber auch mitunter ...", erzählt Joseph Sawatzki.

Polizei bittet um Hinweise

Die Polizei hofft auf Hinweise aus der Bevölkerung. Derzeit kann auch der noch so kleinste und unscheinbare Hinweis von großer Relevanz sein. Wer also etwas gesehen oder beobachtet hat, kann sich bei der Kriminalpolizei Regensburg unter der Telefonnummer 0941/ 506-2888 melden.


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