29.11.2016, 13:38 Uhr

Interview Metzgermeister Eschenwecker: 'Das lokale Denken wird immer weiter hintangestellt!'

Anton Eschenwecker, Metzgermeister in dritter Generation im Wochenblattinterview Anton Eschenwecker, Metzgermeister in dritter Generation im WochenblattinterviewAnton Eschenwecker, Metzgermeister in dritter Generation im Wochenblattinterview Anton Eschenwecker, Metzgermeister in dritter Generation im Wochenblattinterview

Der Metzgermeister Anton Eschenwecker erzählt im Wochenblattinterview, mit welchen bürokratischen Hürden und Hygieneauflagen traditionelle Metzger zu kämpfen haben. Auch beschreibt er seine persönliche Sichtweise auf das Tier als Lebewesen.

REGENSBURG Gibt es in Regensburg noch Metzger, die ihre Tiere selber schlachten?

Mir sind keine bekannt. Draußen auf dem Land wird vielleicht noch geschlachtet, aber die vielen Metzger in der Stadt selber haben schon nach dem Krieg alles im Alten Schlachthof schlachten lassen. Das Problem der heutigen Zeit ist, dass das lokale Denken immer weiter hintangestellt wird. Kurze Transportwege, um den Tieren Stress zu ersparen, sind nicht mehr so wichtig, was man ja auch an der Schließung des Regensburger Schlachthofes gesehen hat. Jetzt müssen die Metzger nach Alternativen außerhalb suchen. Hinzu kommen irrsinnige Auflagen eines regelrechten Hygienewahns, was hauseigene Schlachtungen immens und untragbar teuer macht. Dabei bestimmen die Kunden die Nachfrage und somit reinigt sich der Markt von ganz alleine – auch ohne zehn Behörden im Nacken!

Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Sie als Metzger den Bezug zum Tier als Lebewesen verloren haben?

Nein, ganz im Gegenteil. Ich gehe selbst auf die Jagd und finde es toll, zu beobachten, wie sich Jungtiere entwickeln und mit der Natur im Einklang leben. Ich esse sehr gerne Fleisch, am liebsten Steak, weiß aber immer, wo das Tier herkommt und wie es gelebt hat. Jedes Tier ist ein Individuum, das merkt man beispielsweise auch beim Transport: Die einen Rinder spazieren nach einer Stunde Fahrt aus dem Anhänger als wäre nichts gewesen, die anderen sind total gestresst und nassgeschwitzt.

Wie haben sich die Nachfragen ihrer Kunden in den letzten Jahren verändert?

Vor etwa zehn Jahren war den Leuten eines wichtig: Hauptsache billig. Seit etwa fünf Jahren merkt man, dass viele Kunden gezielt nach der Herkunft fragen, gezielter kaufen und bewusster essen. Gerade als Metzger merkt man anhand der Fleischqualität sehr genau, ob die Tiere großem Stress ausgesetzt waren. Mir persönlich ist der lokale Bezug wichtiger als ein Bio-Siegel. Meiner Erfahrung nach kann man mit zu langen Transportwegen und zu großem Stress in allein einer halben Stunde mehr kaputt machen, als man durch eineinhalb Jahre besonderer Haltung der Tiere gut gemacht hat. Hier kann letztendlich besonders der Käufer als Endkonsument eingreifen und durch sein Kaufverhalten die Zukunft der verfügbaren Fleischqualität mitbestimmen.


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