25.08.2010, 15:00 Uhr

Regensburger geprellt: Das Wunder um die Steuerschuld

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„Wie kann denn bitteschön eine solche Summe auflaufen?” Gänzlich ungläubig äußert sich ein Mitglied des Ferienausschusses im Regensburger Stadtrat zu dem, was bei der letzten Sitzung des Gremiums – aus dem Nichts – herauskam.

Seit 1996 hat ein angesehener Regensburger Gastronom 360.000 Euro Gewerbesteuer-Schulden bei der Stadt Regensburg angehäuft. Am Donnerstag wurde den Mitgliedern des Ferienausschusses ein Kuvert überreicht. Darin fanden sie die pikante Innenansicht einer der angesehensten Gastronomen-Familien der Stadt – mit besten Verbindungen in die Medien übrigens. Nach einer für manches Gremiums-Mitglied als „beklemmend” empfundenen Abstimmung über einen Vergleich – eingetrieben werden 108.000 Euro – wurden die Unterlagen wieder eingesammelt.

Seither sind einige Geschäftsleute in Regensburg nicht nur verwundert, sie fragen sich offen, ob in dieser Stadt noch alles mit rechten Dingen zugeht. „Ich habe einmal angefragt, ob ich 2.000 Euro Steuerschuld stunden lassen könnte”, sagt ein Einzelhändler aus der Regensburger Altstadt. „Keinen Cent durfte ich später zahlen, ich musste sofort blechen. Und die?”

Das Mitglied des Ferienausschusses im Stadtrat schildert freimütig, dass man gar nicht anders konnte, als sich auf einen Vergleich einzulassen:„Was hätten wir tun sollen? Die Stadt auffordern, auch die 29 Prozent an Quote nicht einzutreiben, die mit den Gläubigern vereinbart wurde?” Insgesamt, so hieß es in dem Gremium, sind die Schulden bei den Gläubigern auf über zwei Millionen Euro aufgelaufen. „Uns wurde mitgeteilt, dass die Frau aus altem Regensburger Geldadel stammt und die Schulden jetzt begleicht – deshalb haben wir dafür gestimmt”, so der Politiker.

Ein weiterer, angesehener Geschäftsmann ruft am Montag in der Redaktion an und ist stinksauer. Er selbst arbeitet eng mit der Kirche zusammen in seinem Geschäft. „Bitter ist doch gerade, dass diese Familie so eng mit der Kirche verknüpft ist – das ist doch unchristlich, sowas”, findet er.


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