19.08.2016, 12:15 Uhr

Freizeit SV Sallern Jugend fährt elf Tage nach Neapel – ein Abenteuer mit vielen Überraschungen

Foto: SV Sallern RegensburgFoto: SV Sallern Regensburg

"Sehr freundliche und hilfsbereite Leute, leider viel Plastikmüll, Vulkanismus, über 2000 Jahre Geschichte und imposante Bauwerke!“ Dies sind nur ganz wenige Eindrücke, die 17 Jugendliche und Betreuer des SV Sallern bei der elftägigen Reise in den Süden Italiens gewinnen konnten.

NEAPEL Erstmals war Neapel das Ziel einer Jugendfahrt, heute eine der ärmsten Regionen mit 4,4 Miollionen Einwohnern in Stadt und Umland. Hin- und Rückfahrt wurde wegen der 1300 km langen Anreise mit einem Zwischenstopp in Modena durchgeführt. Und während des Aufenthalts wurden wegen der sehr gewöhnungsbedürftigen Fahrweise der Neapolitaner alle Strecken zu Fuß, mit Bus, Bahn oder Schiff zurückgelegt. Fast alle Autos hatten Dellen und an Kreuzungen galt die Regel „Hupe vor Ampelfarbe“. Gefördert wurde der Jugendaustausch vom „Forum Internationaler Jugendaustausch Regensburg“. Jugend- und Reiseleiter Detlef Staude dankte dem Geschäftsführer Michael Quast und Oberbürgermeister Joachim Wolbergs für die Unterstützung.

Partner des SV Sallern war in Neapel die Organisation Dedalus, mit der vieles gemeinsam durchgeführt wurde, beispielsweise Strandbesuche, ein Kickerturnier oder Ausflüge. In dieser Einrichtung werden knapp 100 junge Flüchtlinge im Alter bis 17 Jahren betreut. Hierzu finden Italienisch-Kurse und Sprachunterricht statt, aber auch ein Freizeitprogramme oder Einzel-Beratung. Die Stadt Neapel zahlt die Miete für das Haus mit Büroräumen, Besprechungs- und Schulungsräumen, einem Freizeitraum und einem schattigen Innenhof mit Spielgeräten. Den Kontakt zu Dedalus vermittelte Philipp Seitz, der Vorsitzende des Stadtjugendrings, der im Frühjahr mit dem bayerischen Jugendring Neapel besuchen durfte.

Fußball im Gefängnis

Abenteuerlicher Höhepunkt war aber das gemeinsame Fußballspiel, das Dedalus mit 19:16 gegen den SV Sallern gewann. Denn das Spiel fand auf einem Innenhof in einem ehemaligen Gefängnis statt. Die „Anreise“ zum Spiel erfolgte zu Fuß durch die Innenstadt. Vor dem Spiel gab es für alle Jugendlichen eine Führung von Thomas Straus, einem Deutschen, der schon lange in Neapel wohnt. Das riesige Haus war fast zehn Jahre abgesperrt und stand leer. Nach einer Hausbesetzung vor wenigen Jahren finden nun regelmäßig privat organisierte Kunst-, Musik- oder Sportveranstaltungen statt. Die heruntergekommenen Räume werden nun Schritt für Schritt von dem Verein „Ex OPG Occupato -Jeso Pazzo“ ehrenamtlich hergerichtet. In dem 9000-Quadratmeter großen Gebäude waren unter katastrophalen Bedingungen Gefangene untergebracht. Zurzeit ist man dabei, die mehr als fragwürdige Geschichte des Hauses aufzubereiten. Ein Zellentrakt soll dazu im Orginalzustand erhalten bleiben. Die Gefangenen waren dabei an das eigene Bett angebunden. Alle Räume, auch Toiletten konnten von außen über Fenster ständig eingesehen werden. „Und das bis vor wenigen Jahren“, stellten die jungen Leute entsetzt fest.

Aktiver Vulkan spuckt heiße Schwefeldämpfe 

In Erinnerung bleiben werden aber auch die Fahrt mit dem Schiff auf die Insel Capri, der Besuch in der versunkenen Stadt Pompeij, die halsbrecherische Fahrt mit einem Bus zum über 1200 Meter hohen Vulkan Vesuv oder dem Vulkan Solfatara. Hier gibt es heiße Quellen und an mehreren Stellen kommt bis zu 160 Grad heißer Schwefeldampf aus dem Boden. Einen aktiven Vulkan hatte bisher noch niemand erlebt, sodass der eigentlich kurz geplante Besuch am Ende auf fünf Stunden ausgeweitet wurde. Das hochgelegene Castell St. Elmo mit einer Kunstausstellung im Inneren bietet einen schönen Ausblick auf Neapel. Abwechslungsreich war auch die Küste mit Sandstand in Neapel bis zu einer Steilküste im südlich gelegenen Sorrento. Hier konnte man Baden, Schwimmen, Tauchen oder auch Felsenspringen.

Die Betreuer des SV Sallern Steffi Speckner, Bianca Walter, Christian Fenzl und Detlef Staude bedankten sich bei Dedalus mit Präsident Lassad, seinem Assistenten Glauko, vor allem aber bei Amadou und Yamadou, beides junge Flüchtlinge für die Hilfe. Im Oktober findet dann in Regensburg ein Gegenbesuch statt.

Flüchlinge erhalten schlechtes Essen

Untergebracht war die Gruppe in der sehr einfachen Jugendherberge Mergellina, die zudem Unterkunft für ca. 160 junge Flüchtlinge aus Afrika ist. Sehr schnell ergaben sich sogar Freundschaften über gemeinsamen Fußball oder Brettspiele im Haus. In Gesprächen kritisierten die jungen Flüchtlinge das eintönige und vitaminarme Essen. „Beispielsweise gab es jeden Tag nur ein kleines Stück trockenen Kuchen und einen kleinen Plastikbecher Saft oder Kaffee zum Frühstück“, so Reiseleiter Detlef Staude vom SV Sallern, der dieses Thema nun von Deutschland aus weiter verfolgen möchte.

„Neapel war auf jeden Fall eine Reise wert. Für die Jugendlichen gab es sehr viele neue und auch überraschende Eindrücke von Land und Leuten“, so das Fazit der Betreuer. „Wir freuen uns schon auf den Gegenbesuch im Herbst“.


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