18.07.2016, 14:51 Uhr

Prozess Mordprozess am Landgericht: Lebenslange Freiheitsstrafe für Ehemann

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Er hatte seine Ehefrau wohl aus Eifersucht in der Nacht erwürgt: Das Landgericht verurteilte am Montag, 18. Juli, den Angeklagten zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit Totschlag.

REGENSBURG Um das Urteil zu begründen, schilderte das Gericht unter Vorsitz von Werner Ebner zunächst die vorangegangenen Geschehnisse vor der Familientragödie anhand der Aussagen der verschiedenen Zeugen, des Angeklagten und der Kinder des Ehepaares. So war die arrangierte Ehe von Anfang an geprägt von gewalttätigen Übergriffen des 32-Jährigen an seiner jüngeren Frau. Regelmäßig kam es zu Schlägen und Beleidigungen gegenüber der Frau, die sie über sich ergehen ließ. Im Irak soll sie eine sexuelle Beziehung zu einem Nachbarn gehabt haben, der den Angeklagten mehrfach nach dem Leben getrachtet haben soll. Schließlich beschloss die Familie mit ihren drei Kindern 2014, über die Türkei und Griechenland nach Deutschland zu flüchten. Auf der Suche nach einem neuem Leben und voller Hoffnung erreichten sie schließlich im Februar 2015 Deutschland und fanden eine Unterkunft in einem Einfamilienhaus in Laaber. 

Während der Angeklagte versuchte, an eine Profikarriere als Fußballer wie in seiner Heimat anzuknüpfen, sollte sich die Frau um die Erziehung der Kinder kümmern und einen Deutschkurs belegen. Im Oktober des vergangenen Jahres stellte der Angeklagte dann zu seiner Enttäuschung fest, dass seine Ehefrau auch weiterhin Kontakt zu ihrer Affäre im Irak hatte. Aus Eifersucht kam es wohl schon da immer wieder zu Schlägen und dann auch erstmals zu Übergriffen, bei denen der Angeklagte die Frau im Schlaf würgte. „An die Schläge hatte ich mich gewöhnt aber das Würgen macht mir Angst“, gab die Frau bei der Polizei zu Protokoll, als sie Anzeige gegen ihren Ehemann stellte. Allerdings lehnte sie das Angebot der Polizeiinspektion Nittendorf, in ein Frauenhaus zu gehen, ab. Beide Eheleute versprachen sich gegenseitig, sich zu bessern und so konnte die Familie wieder in Haus zurückkehren. 

Anfang November kam es zu einem weiteren Zwischenfall, als die zuständige Sozialbetreuerin an einem Freitagvormittag die dreijährige Tochter alleine im Haus antraf. Dies sollte der Auslöser eines heftigen Streits sein, in dem der Angeklagte seiner Frau eine schlechte Erziehung vorwarf und das Opfer schließlich entschloss, sich von ihrem Mann zu trennen. Die Sozialbetreuerin überredete dann den Angeklagten über das Wochenende in einer Unterkunft in Beratzhausen zu bleiben, damit sich die angespannte Lage beruhigte. Tragischerweise spielte der älteste Sohn des Ehepaares eine ausschlaggebende Rolle, als er seinen Vater am Folgetag zufällig in Regensburg traf und ihm berichtete, dass seine Mutter wieder Kontakt zu einem Mann im Irak habe. Schließlich brachte das den Angeklagten ans Ende seiner Geduld, so dass dieser den Plan fasste, seine Frau zu töten, sollte sich die Anschuldigung bestätigen.

"Der Totschlag ist viel schlimmer, denn sie musste Todesangst ausstehen"

In der Nacht vom 15. November ging dieser dann in das Haus der Familie, um das Handy seiner Ehefrau ein weiteres Mal zu überprüfen. Als sich sein Verdacht bestätigte, fing er an seine schlafende Ehefrau im Bett neben ihren Kindern zu würgen und ihren Kopf gegen den Boden zu schlagen, bis diese aufwachte und schrie, so dass die Kinder ebenfalls wach wurden. Der Angeklagte ließ daraufhin von seiner Frau ab und schickte die Kinder aus dem Zimmer. Unter Androhung, sie umzubringen, zwang er sie das Verhältnis zu dem Fremden zu gestehen. Als sie ihm dann sagte, dass der Iraker nach Deutschland kommen und sie sich scheiden lassen wolle, um mit ihm zusammen zu leben, erwürgte er sie. Erst als sie sich nicht mehr rührte hörte auf die leblose Frau zu würgen, soll aber noch mehrmals überprüft haben, ob sie wirklich tot sei. Am nächsten Morgen brachte er seine beiden Söhne zu seiner Unterkunft nach Beratzhausen und stellte sich danach mit seiner Tochter im Schlepptau der Polizei. 

Der Vorsitzende Richter Ebner erklärte, dass es für eine Verurteilung wegen Mordes nicht reiche, da der Angeklagte zwar zu Beginn die wehrlose Situation der Ehefrau ausnutzte, er aber keine niederen Beweggründe eindeutig feststellen könne. Da der Angeklagte seine Frau nach dem ersten Versuch sie zu erwürgen nochmals zur Rede stellte, komme daher eine Verurteilung wegen Totschlags in Betracht. Denn in diesem zweiten Akt des Geschehens, so der Richter musste die Frau damit rechnen, dass nicht heile aus der Sache kommen würde. "Der Totschlag ist viel schlimmer, denn die Frau musste Todesangst ausstehen, statt im Schlaf arglos ermordet zu werden", erklärte der Richter. So war sie zwar immer noch wehrlos aber nicht mehr arglos, was juristisch eine Rolle spielt. Eine Milderung der Strafe sah er dennoch nicht, „da es nicht sein kann, das eine juristische Besonderheit zu Minderungen der Strafe führen darf.“ Sichtlich bedrückt hielt der Richter den Anwesenden nochmals vor Augen: "Opfer dieser Tat ist aber nicht nur eine junge Frau, die im Februar mit vielen Hoffnungen für sich und ihre Kinder nach Deutschland kam, sondern Opfer sind auch ihre drei kleinen Kinder, die nun ohne ihre und ihren Vater wie Vollwaisen mit diesem schlimmen Trauma aufwachsen werden." 


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