08.06.2016, 08:14 Uhr

Debatte 350.000 Euro Schaden im Flüchtlingsheim: Historische Fresken zerstört

Das Michlstift in Regensburg Foto: ceDas Michlstift in Regensburg Foto: ce

Die Nutzungsänderung des Michlstifts von einer Seniorenresidenz zu einer Flüchtlingsunterkunft kommt den Regensburger Steuerzahler teurer als gedacht. Grund sind von den Bewohnern verursachte Schäden, teils auch an der historischen Substanz.

REGENSBURG Das geht aus einer Vorlage der Katholischen Bruderhausstiftung hervor, die am Dienstag, 7. Juni, im Sozialausschuss behandelt wurde. Zwar gehört die Stiftung der Stadt, doch formal hat man einen Mietvertrag mit der Stiftung – und auch die Regierung der Oberpfalz sitzt mit im Boot, da sie die Flüchtlingsunterbringung verantwortet, für die die Stadt nur die Räume zahlt. Allerdings gilt das nur für erwachsene Flüchtlinge, die sogenannten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge müssen von der Stadt betreut werden. Derzeit leben 80 Kinder und Jugendliche in Obhut der Stadt im Michlstift, 200 Erwachsene sind untergebracht.

Dass das Michlstift vom Seniorenheim zur Flüchtlingsunterkunft wurde, hat auch finanzielle Gründe. Denn der notwendige Brandschutz wäre so teuer gekommen, dass es zur Belastung für die Senioren geworden wäre, argumentierte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, als er die durchaus umstrittene Entscheidung verkündete. Doch das Objekt ist im Prinzip optimal zur Unterbringung von Flüchtlingen: Obwohl es mitten in der Wohnbebauung der Altstadt und in unmittelbarer Nähe zur Schule am Judenstein steht, gab es offenbar noch keine größeren Probleme mit den Flüchtlingen. Innen sieht das offenbar, auch wegen der intensiven Nutzung, anders aus. Der Stadtrat soll insgesamt 350.000 Euro bewilligen, um Schäden in dem Gebäude zu beseitigen. Dabei wurden wohl offenbar auch historisch wertvolle „malerische Wandfassungen“, also Fresken, und historischer Putz zerstört.

Wandleuchten, Verschmutzung und Beschädigung von Wänden in Fluren, Aufenthaltsräumen und Zimmern sowie verschmutzte Terracottaböden und Treppenhäuser stehen ebenfalls auf der Liste. Begründet wird dies von Seiten der Verwaltung mit der Nutzung. Wörtlich heißt es: „Das Gebäudeensemble  St. Michael wurde für die Bedürfnisse eines Alten- und Pflegeheimes geplant und saniert. Bei Maximalbesetzung wurden etwa 80 Senioren/-innen im Heim betreut. Durch die Intensivbelegung mit bis zu 280 jugendlichen Flüchtlingen und Asylbewerbern wurde und wird die Gebäudesubstanz zwangsläufig extrem belastet. Teilweise wurden Zimmer mit bis zu fünf Personen belegt.“ Zusätzlich zu den 350.000 Euro zur Schadensbeseitigung kommen noch 438.000 Euro für die Umnutzung.


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