18.02.2016, 12:31 Uhr

Prozess um Unterbringung "Der Staat hat mich vergewaltigt" – 29-Jähriger wollte noch mehr Polizisten verletzten

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In dem Prozess um eine Unterbringung eines 29-Jährigen, der im vergangenen Jahr in Kallmünz einen Arzt geschlagen und fast zu Tode gewürgt und einen darauffolgenden SEK-Einsatz ausgelöst hatte, kamen am Donnerstag, 18. Februar, noch mehr Details ans Licht, die kein gutes Licht auf den Geisteszustand des Beschuldigten werfen.

KALLMÜNZ Vor Gericht sagte zunächst eine Ärztin aus, die den Beschuldigten nach seiner Tat im Bezirkskrankenhaus untersuchte. Sie berichtete, dass der Beschuldigte die Untersuchung seiner Mutter durch den Arzt, den er fast zu Tode würgte, verkannt hatte und dachte es ginge um seine Einweisung in eine Psychiatrie. Denn schon zu Studienzeiten des 29-Jährigen in Graz sei er psychiatrisch aufgefallen. Im Raum stand auch, dass der Beschuldigte seiner Mutter zuvor eine Ohrfeige verpasst hatte und dachte, er hätte damit einen Schlaganfall ausgelöst. "Er hatte Angst vor einer psychiatrischen Einweisung, weil er dann nicht mehr als Arzt arbeiten kann", berichtete die Ärztin. Zudem habe der 29-Jährige ihr gegenüber seinen Ärger auf den Arzt mitgeteilt, der seine Mutter behandelte. Die Behandlung sei ihm scheinheilig vorgekommen, weil dieser Arzt ihm vorher nicht geholfen habe. 

Taten seien "kriminell aber nicht geisteskrank"

Wie es um den Beschuldigten wirklich steht, ging auch aus Briefen hervor, die er an die Polizei und seine Eltern verschickte. Der Polizei warf er vor, einen "Überfall auf seine Familie" verübt zu haben und ein der Psychiatrie gefoltert worden zu sein. Er warf der Polizei vor, ihn als Einzelperson zu terrorisieren und drohte mit Konsequenzen, wenn sie sich ihm noch einmal nähern sollten. Auch ein Brief an seine Eltern, den er ihnen nach der Tat aus der Psychiatrie schickte, warf kein besseres Licht auf den Angeklagten. Darin kommt zum Ausdruck, dass er sowohl den Säureanschlag auf die Polizisten, als auch den Einsatz des Flammenwerfers "angemessen"fand, weil die Polizei viel schwere Waffen zur Verfügung gehabt habe. "Ich finde meine Taten deshalb zwar kriminell, aber nicht geisteskrank", schrieb er weiter in dem Brief. "Es gibt nichts Schlimmeres als eine Unterbringung in der Psychiatrie", schloss er den Brief. 

Unermesslicher Hass auf Polizisten

Tief blicken ließ auch die Aussage einer Polizistin, die den Beschuldigten nach der Tat im Krankenhaus bewachten. Gegenüber der Beamtin soll er geäußert haben, er habe versagt, weil er nicht mehr Polizisten verletzt habe. Wieder und wieder äußerte er gefesselt an das Krankenbett seinen unermesslichen Hass auf den Staat und seine Staatsdiener, weil ihm seine Approbation entzogen worden sei und er somit nicht mehr als Arzt arbeiten konnte. Er äußerte, der Staat habe ihn vergewaltigt und ihm die Approbation entzogen. "Wenn ich wieder draußen bin, werde ich es euch Staatsdienern zeigen", soll er gedroht haben. Dass die Polizistin ihm entgegnete, dass hinter den Polizeiuniformen Menschen stecken würden, habe ihn nicht interessiert.

Der Prozess um eine Unterbringung wird fortgesetzt.  


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