05.02.2016, 08:38 Uhr

Leserbriefe "Das ist Rufmord an den Domspatzen"

Gymnasium der Domspatzen n Regensburg. Foto: Eckl Foto: EcklGymnasium der Domspatzen n Regensburg. Foto: Eckl Foto: Eckl

Eine Reihe von Lesern hat sich mit unserer Berichterstattung zu den Domspatzen auseinander gesetzt - aber auch ein Bericht über die Strafen für eine junge Mutter in Hartz IV bewegte die Leser.

REGENSBURG „Rufmord an den Domspatzen“ Zu unserem Bericht „Domspatzen sind erneut die Opfer“ erreichte uns dieser Leserbrief: „Mein Enkel Timo singt seit einem Jahr bei den sog. Vorchorspätzchen – mit riesiger Begeisterung! Seine Eltern haben daher beschlossen, ihn bei den Domspatzen einzuschulen, der Tag der offenen Tür hat uns begeistert und überzeugt, dass dies die richtige Entscheidung ist. Ich warte jeden Mittwochnachmittag zusammen mit anderen Vätern und Müttern, die ihre Kinder auch schon zur Einschulung angemeldet haben, und alle erzählen sie das Gleiche: Wenn wir Verwandten, Freunden etc. erzählen, dass unser Kind zu den Domspatzen gehen soll, sehen wir uns Ablehnung und Entsetzen ausgesetzt (wie kann man sein Kind in so einer Hölle anmelden?), wir müssen uns für diese Entscheidung rechtfertigen und verteidigen; das, was da geschieht, ist absoluter Rufmord – warum wehrt sich die Schulleitung nicht dagegen? Missbrauch ist auch, wie aktuell von der Presse mit den derzeitigen Schülern umgegangen wird (man muss sich geradezu schämen, wenn man sich zu den Domspatzen bekennt)!“  Astrid Happ, per Mail

Auch dieser Leser sieht das so: „Ihr Artikel über die Regensburger Domspatzen im Wochenblatt vom 27. Januar 2016 hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich selbst war neun Jahre in Schule und Internat und kann selbstverständlich nur für mich sprechen: Ich bin niemals Opfer von sexueller oder anderer körperlicher oder seelischer Gewalt geworden. Im Gegenteil: Ich kann vielmehr sagen, dass ich den Regensburger Domspatzen sehr viel verdanke. Ich bedauere sehr, was den Opfern widerfahren ist und bin dafür, endlich (!) umfassend und vollständig aufzuklären. Das ist überfällig und muss ohne falsch verstandene Schonungen erfolgen. Aber die teilweise undifferenzierte Berichterstattung schädigt die Institution der Regensburger Domspatzen und hilft niemandem. Umso mehr habe ich mich über Ihren Artikel und Kommentar gefreut!“  Dr. Bernhard Lübbers,  Undorf

„Wer wegschaut, ist mitschuldig!“ Dieser Leser sieht das anders: „Georg Ratzinger will mit den bekannt gewordenen Exzessen nichts zu tun gehabt haben und keine Verantwortung übernehmen, obwohl er führend in den Stiftungsvorstand eingebunden war. Seine filtrierte Einlassung ist aber wenig glaubhaft und soll relativierend nur den Eindruck erwecken, die exzessive Verletzung von Rechten Schutzbefohlener seien ihm persönlich nicht anzulasten. Ein schuldhafter Verstoß gegen Aufsichtspflichten als Stiftungsvorstand lag aber auch dann vor, wenn der Erfolg (die systematische Misshandlung) nicht bewusst gewollt war, aber billigend in Kauf genommen wurde. Davon hat er sich aber bisher nicht exculpiert. Und deswegen gibt es für ihn heute keinen Grund zu behaupten, er werde zum Sündenbock gemacht. Am Verlust seines Leumunds ist er selbst schuld. Aber Ratzinger war nicht allein verantwortlich. Es muss im bischöflichen Ordinariat Jahrzehnte lang ein Kartell der Verschwiegenen und einen Stallgeruch gegeben haben, der das Gewissen der Beteiligten kanonisiert abgeschaltet hat. Amtierende Bischöfe und Generalvikare haben weggeschaut, weil sie das Unrecht nicht sehen wollten und einen Prestigeverlust fürchteten. Eine seinerzeit gängige Formel lautete: Erziehung bedürfe eben gewisser „Schwankungsbreiten“ und gelegentliche „Düpierungen von Schutzbefohlenen“ würden zum pädagogischen Regelwerk der schwarzen Erziehung gehören. Die Einstellung, die Abschaltung des eigenen Gewissens zur Tugend zu machen, war im Ordinariat noch 2012 meinungsbildend. Bischof G. L. Müller und sein Generalvikar Fuchs haben die unabhängige Aufarbeitung durch das Institut Prof. Pfeiffer abrupt unterbunden. Man wusste damals bereits aus eigenem Aktenstudium, was Sache war und verhinderte deswegen eine zielgenaue Untersuchung. Jetzt folgt die gerechte Strafe auf den Fuß. Und warum ist kein einziger der wissenden Lehrer und Erzieher gegen die subtile Gewaltpraxis aufgestanden? Wurde Missbrauch deswegen schleichend zum Leitfaden der Erziehung, weil niemand Kenntnis von den Exzessen haben wollte? Aktive Gewaltanwendung von Vorgesetzten und Wegschauen Dritter im Eigeninteresse stehen ja nicht zusammenhangslos nebeneinander, sie stützen und schützen sich gegenseitig. Die Tragik kulminiert doch gerade darin, dass die Leiden der machtlosen Schutzbefohlenen niemand interessiert haben. Wissend nichts gegen Gewalt zu tun, ist genau so verwerflich wie eigenhändig Hand anzulegen. Der derzeitige Domkapellmeister Roland Büchner hat seit seinem Amtsantritt 1994 den musikalischen Stilwechsel des Domchores sorgfältig eingeleitet. Stand im Vordergrund Ratzingers durchaus respektabler Musizierkunst die oratoriale Kantorei geistiger Musik hat sein Nachfolger den Chor längst zu einem orchestralen Klangkörper mit großem Gestaltungsfreiraum für die Sänger umgebaut, der auch vor neuer Musik nicht zurückscheut. Das neue Konzept ist authentisch und schlüssig, denn unter Büchner hat der Chor eine weltweite musikalische Bedeutung erlangt, die unter Ratzinger nie erreicht wurde. Die Domspatzen von heute sind nicht mehr die unter Georg Ratzinger und daher prädestiniert, das historische Erbe zu rehabilitieren und neu auszurichten. Dass sie für die Fehler der Vergangenheit trotzdem in Beschlag genommen werden, ist nicht ihre oder die Schuld der Publizistik, sondern liegt in der Verantwortung jener, die versucht haben, die Missstände verantwortungslos zu vertuschen. Mit jedem neuen Bremsversuch seit 2010 aus dem Ordinariat wurde das Image der Domspatzen und der Missbrauchten zusätzlich beschädigt.“

Alfred Gassner,  Regensburg

„Viele Gläubige sind Wachters Meinung“ Zu den Leserbriefen von Dekan Alexander Huber und Dr. Franz Stahl vom 27. Januar schreibt dieser Leser: „Dekan Alexander Huber schreibt im Namen der Dekanatskonferenz Regenstauf, dass das Interview des H.H. Prälat Heinrich Wachter als kirchenspalterisch bezeichnen werden muss. Außerdem wird Prälat Wachter aufgefordert, seine päpstlichen Titel zurückzugeben und sich bei Papst Franziskus und den verunsicherten Gläubigen zu entschuldigen. An dieser Stelle frage ich mich als römisch-katholischer Christ: Wie viel päpstliche Titel hat den Prälat Wachter? Meines Wissens ist er lediglich Prälat und dabei handelt es sich um einen päpstlichen Titel, nicht – wie geschrieben – mehrere. Außerdem sehe ich persönlich keinen Grund darin, dass sich Prälat Wachter bei Papst Franziskus entschuldigen müsste, denn er hat lediglich seine Meinung kundgetan und – wenn man sich beispielsweise die Meinung vieler Gläubiger anhört und abnehmende Zahl der Pilger, die sich auf den Weg nach Rom machen, betrachtet – so kann man sagen, dass diese Meinung nicht nur die des Stiftsdekans von St. Johann Regensburg ist, sondern auch vieler Menschen, die aber nicht öffentlich diese kundtun. Herr Dr. Franz Stahl (Regensburg) schreibt: ,Wäre es nicht geboten, Herrn Prälat Wachter wenigstens in ein Altenheim zu stecken und ihm zu verbieten zu predigen?‘ Hierzu ist anzumerken, dass es sich bei dieser Anschuldigung um einen sehr starken persönlichen Angriff handelt, der fast schon unmenschlich anmutet. Prälat Wachter ist – aufgrund seiner zahlreichen Aufgaben, die er als Priester der römisch-katholischen Kirche wahrnimmt – keineswegs in ein Altenheim abzuschieben, und auch nicht das Predigtverbot aufzuerlegen. Auch wenn manchen Zuhörern die Predigten von Prälat Wachter auf den Magen schlagen, so trifft er doch die kirchenpolitisch aktuellen Themen und hält der Realität den Spiegel des Glaubens der römisch-katholischen Kirche vor. Dies ist keineswegs schlecht und verwerflich. “

Andreas Breitkopf,  Regensburg

„Das ist doch Behördenwillkür“ Zum Bericht „Mutter ist verzweifelt: Jobcenter kürzte einer Mutter die Leistungen!“ erreichte uns diese Zuschrift: „Ich halte es immer noch für eine Behördenwillkür und Frechheit, seit ich diesen Bericht gelesen habe. Vor zwei Jahren ist es meiner Freundin genau so ergangen. Nur wegen einer blauen Zahnbürste und einem Herrenshampoo in ihrer Wohnung wurden ihr die Leistungen vom Jobcenter gestrichen. Ich hatte übrigens selber eine Wohnung. Bei diesen Fällen werden die Leistungen gekürzt, obwohl man als Deutscher in das deutsche System einbezahlt hat und weiterhin zahlt. Ich selber habe erst im Januar miterlebt, wie Asylbewerber an der Kasse 970 Euro für eine Familie mit zwei Kindern bekommen haben, obwohl sie noch nie in den deutschen Staat jemals einen Pfennig einbezahlt haben. Ich sage dazu nur – armes Deutschland.“ Gerhard Uhlemann Regensburg 


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