30.12.2015, 11:23 Uhr

Kirche Nach Würstchendosen-Affäre im Vatikan: Lebt Kardinal Müller auf 300 Quadratmetern?

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Kardinal Gerhard Ludwig Müller hat die Würstchendosen-Affäre für beendet erklärt. Doch ein neues Buch wirft die Frage auf, ob der Geistliche auf 300 Quadratmetern in bester Lage in Rom logiert.

REGENSBURG_25ROM Die Würsteldose in der Glaubenskongregation hat heuer eine gewisse Berühmtheit erlangt. Laut einem Bericht der Bild-Zeitung fand man bei einer Razzia dort im Büro des Verwaltungsleiters hinter einer Würstchendose 20.000 Euro in bar. Der Bericht schlussfolgerte, dass es sich um Geld handelte, das die Diözesen weltweit zur Aufklärung und Prävention sexuellen Missbrauchs in der Kirche nach Rom schicken. Der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Kardinal Müller ist oberster Aufklärer – ein Umstand, der durchaus für Kritik sorgt, weil Müller selbst in seiner Zeit als Regensburger Bischof einen Priester, der bereits Kinder sexuell missbraucht hatte, in Riekofen im Landkreis Regensburg wieder eingesetzt hatte.

Doch was ist wirklich dran am „Würstchen-Gate“? Umgehend, als der Bericht über die Razzia erschien, dementierte Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi, dass Müller mit dem Geld in Zusammenhang steht. Wörtlich sagte er: „Die Oberen der Behörde, insbesondere Kardinal Müller, der fälschlicherweise in fraglichem Artikel angeführt wird, haben mit dieser Angelegenheit nichts zu tun.“ Den Geldfund dementierte Lombardi nicht, auch nicht die Razzia in der Glaubenskongregation.

Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller sich in einem Interview unter anderem zu Skandal-Berichten über die Vatikanfinanzen... Posted by katholisch.de on Dienstag, 29. Dezember 2015

Ob es Zufall ist, dass Müllers Behörde jetzt in den Fokus der Vatikan-Ermittler gerät? Müller gilt als Anführer des konservativen Kreises der Kardinäle, die gegen eine Lockerung und Öffnung der Kirche stehen. Er hat sich damit viele Feinde gemacht. Vatikan-Insider sagen, der deutsche Kardinal habe als ausgewiesener Dogmatik-Spezialist dem eher aus dem Bauch heraus agierenden und theologisch wenig sattelfesten Franziskus gegenüber eine relativ gute Position, solange Papst Benedikt noch lebt.

Doch die Skandale häufen sich. Erst kürzlich erschütterte das Outing des 43-jährigen Krzysztof Charamsa den Vatikan. Charamsa ist einer der 90 Mitarbeiter Müllers in der Glaubenskongregation. Er machte öffentlich, dass er seit vielen Jahren in einer homosexuellen Beziehung lebe – und das kurz vor der außerordentlichen Familiensynode. Daraufhin wurde er sofort suspendiert.

Müller indes sieht sich als Opfer einer Intrige – aus Deutschland. Dem Nachrichtenmagazin Focus sagte er, bei der angeblichen Razzia in seinem Büro habe es sich um eine normale „Prüfung im Rahmen der neuen Finanzkontrollen im Vatikan und der Umstellung auf ein Budget-System“ gehandelt. Dies sei „demagogisch zu einem Skandal-Geschrei aufgebauscht“ worden. Wer auch immer „diesen Nonsens nach Deutschland geflüstert hat, wollte wohl einen verleumderischen Eindruck erwecken“, so Müller. Jetzt hat er auch in der Wochenzeitung Die Zeit nachgelegt: "Die investigativen Fantastereien in der Yellow Press sind sachlich haltlos und dienen nur der Störung unseres eigentlichen Auftrags", so der Kardinal. "Bezeichnend ist, wie bereitwillig das Lächerliche statt des Ernsthaften geglaubt wird. Wir haben eine Freudenbotschaft für die Menschen guten Willens und nicht eine Schadensfreudenbotschaft für die Hämischen."

Schon lange gibt es zwei Fronten: Auf der einen Seite Müller, der Konservative, auf der anderen Seite der Münchner Kardinal Reinhard Marx, der Mitglied des Kardinalsgremiums ist, das die Finanzen des Vatikans neu orden soll. Hat er die Razzia durchgestochen? Müller jedenfalls glaubt, die Story kam nicht aus dem Vatikan. Und: Er beteuert, er lebe in Rom bescheiden, so wie seine Eltern, die aus Mainz-Finten stammen – bis auf die Bibliothek, die ein Uni-Professor eben habe. Wer allerdings die jüngste Veröffentlichung des Vatikan-Insiders Gianluigi Nuzzi liest, kann daran durchaus zweifeln. Demnach bewohnt Müller laut internen Dokumenten eine knapp 300 Quadratmeter große Wohnung im Zentrum Roms. Sie ist dem Leiter der Glaubenskongregation vorbehalten und gehört dem Vatikan. Für viele dieser Wohnungen ist keine oder geringe Miete fällig.  


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