09.12.2015, 08:35 Uhr

Kirche Schwarze Kassen in der Glaubenskongregation? Vatikan dementiert Verwicklung Müllers

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Razzia bei Kardinal Müller! Beim früheren Bischof von Regensburg soll es Unstimmigkeiten wegen schwarzer Kassen geben. Die Vatikan-Behörden ermitteln, berichtet die Bild-Zeitung. Jetzt dementierte der Vatikan-Sprecher, dass Müller selbst verwickelt sei.

REGENSBURG_25ROM Schwarze Kassen in der Glaubenskongregation? Wie die Bild-Zeitung am Mittwoch, 9. Dezember, berichtet, hat es in der Glaubenskongregation eine Razzia gegeben! Demnach war Gerhard Ludwig Kardinal Müller vom Generalbuchprüfer des Papstes aufgefordert worden, Papiere vorzulegen, die Müller schuldig geblieben sein soll. Pikant: Einer von Müllers Gegenspielern, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, ist in der Kurienreform-Kommission und hier für Finanzen zuständig. Dass er aber hinter den Ermittlungen steckt, dafür gibt es derzeit keine Hinweise. 

Daraufhin reagierte der Generalbuchprüfer des Papstes mit einer ungewöhnlich scharfen Reaktion: Er führte eine Razzia durch! Dabei sollen bei einem Verwaltungschef Müllers 20.000 Euro gefunden worden sein – hinter einer Würstchendose, wie die Bild berichtet!

Jetzt wird angeblich gegen Müller ermittelt, sein Verwaltungschef sei suspendiert, heißt es.  Es bestehe laut Bild-Zeitung der Verdacht, dass die Geldmittel privat verwendet wurden. Das Geld, das man in dem Wurstdöschen fand, soll angeblich aus Mitteln stammen, die der Vatikan von Bistümern bezieht, um Fälle sexuellen Missbrauchs aufzuklären oder Präventionsmaßnahmen durchzuführen. Gerhard Ludwig Müller ist als Chef der Glaubenskongregation zuständig für das Thema Missbrauch – eine Entscheidung, die bei vielen im und außerhalb des Vatikans auf Kopfschütteln stieß. Schließlich hatte Müller selbst mit dem Fall Riekofen 2007 einen Priester wieder eingesetzt, der bereits wegen einer Sexualstraftat an Minderjährigen verurteilt wurde.

Update 9.12.2015, 14 Uhr: Vatikan-Sprecher Federico Lombardi bestätigte zwischenzeitlich die Razzia, dementierte aber, dass gegen Müller ermittelt wird. Wörtlich hies es von Lombardi: "Die Oberen der Behörde, insbesondere Kardinal Müller, der fälschlicherweise in dem fraglichen Artikel angeführt wird, haben mit dieser Angelegenheit nichts zu tun."

Ob es Zufall ist, dass Müllers Behörde jetzt in den Fokus der Vatikan-Ermittler gerät? Müller gilt als Anführer des konservativen Kreises der Kardinäle, die gegen eine Lockerung und Öffnung der Kirche stehen. Er hat sich damit viele Feinde gemacht. Vatikan-Insider sagen, der deutsche Kardinal habe als ausgewiesener Dogmatik-Spezialist dem eher aus dem Bauch heraus agierenden und theologisch wenig sattelfesten Franziskus eine relativ gute Position, solange Papst Benedikt noch lebt.

Doch die Skandale häufen sich. Erst kürzlich erschütterte das Outing des 43-jährigen Krzysztof Charamsa den Vatikan. Charamsa ist einer der 90 Mitarbeiter Müllers in der Glaubenskongregation. Er machte öffentlich, dass er seit vielen Jahren in einer homosexuellen Beziehung lebe – und das kurz vor der außerordentlichen Familiensynode. Daraufhin wurde er sofort suspendiert – doch im Vatikan fragte man sich, ob Müller nichts von Charamsas Veranlagung mitbekam – schließlich ist Müllers engster Mitarbeiter, Slawomir Sledziewski, Pole. Die Nationalitäten spielen im Vatikan zwar kaum eine Rolle, doch meistens bilden die Landsleute lockere Kreise, wo sie ihre Freizeit miteinander verbringen.

Ob Müllers Position durch die Skandale der letzten Monate nachhaltig geschwächt ist, ist fraglich. Solange Benedikt lebt, dürfte Franziskus seinen Vorgänger nicht echauffieren wollen, denn der hatte Müller, den er für seinen theologischen Sachverstand sehr schätzt, in diese Position gebracht, die viele für die zweitmächtigste hinter der des Papstes halten. Sicher ist jedoch: Er muss aufpassen, denn er hat keinen Schuss mehr frei. Und die Position des Missbrauchs-Aufklärers ist für Müller, der Kritik an sich nur schwer erträgt, ein Schleudersitz.


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