01.10.2015, 08:11 Uhr

Menschenleben Die Zahl der Drogentoten bleibt auch in Regensburg weiterhin hoch

Einwegspritze, gefunden auf einem Regensburger Bürgersteig Foto: Christian EcklEinwegspritze, gefunden auf einem Regensburger Bürgersteig Foto: Christian Eckl

Seit Jahren sterben in Großstädten des Freistaates viele Drogenkonsumenten. Auch in Regensburg entdeckt man auf Spielplätzen, in öffentlichen Toiletten und manchmal sogar auf offener Straße Spritzbestecke.

REGENSBURG Man mag es kaum glauben, aber Bayern ist das Bundesland mit den meisten Drogentoten. Das geht aus dem Bericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler, hervor. Woran das liegt, das kann auch die Bayerische Staatsregierung nicht sagen: „Für die derzeit vergleichsweise hohen Drogentodeszahlen in Bayern ist seitens der Staatsregierung keine eindeutige Ursache festzustellen“, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage im Landtag. Nach Ansicht der Staatsregierung unterliegen Drogentodesfälle gewissen Schwankungen. „Vorübergehende Spitzenwerte können einen Trend suggerieren, der nicht zwingend zutreffend sein muss“, so die Staatsregierung weiter. Dennoch überrascht die Spitzenreiter-Position für eines der reichsten Bundesländer in Deutschland: Warum steht nicht Berlin an erster Stelle, oder arme Länder wie Bremen?

Naturgemäß sind es die Großstädte, die innerhalb Bayerns die traurige Spitzenposition bei den Drogentoten einnehmen, an erster Stelle übrigens Nürnberg. Warum das so ist, das kann die Bayerische Staatsregierung auch nicht sagen.

Tageszentrum für Süchtige am Bahnhof „Es muss wohl von einem Zusammenwirken unterschiedlicher Ursachen ausgegangen werden – Zufall, schlechter gesundheitlicher Allgemeinzustand, Multimorbidität, Mischkonsum, Unwissenheit und Unerfahrenheit und andere“, heißt es. Und weiter: „Beispielsweise tragen ältere, multimorbide Drogenabhängige schon aufgrund ihrer gesamtgesundheitlichen Verfassung ein höheres Risiko für den Drogentod. Weitverbreiteter Mischkonsum erhöht das Risiko für eine Überdosierung erheblich. Neben Heroin werden auch andere illegale Substanzen konsumiert, zum Beispiel Crystal Meth.“ Regensburg ist offenbar für Menschen mit Suchtproblemen ein Anziehungspunkt. Das liegt wohl auch daran, dass es hier Ärzte gibt, die Methadon- und andere Drogenersatzprogramme anbieten (wir berichteten bereits darüber, dass die Stadt eine halbe Stelle einplanen musste, um die Drugstop-Geschäftsstelle abzusichern) – durch den Konsum von Crystal Speed etwa werden Abhängige aggressiver, greifen auch Beratungspersonal an.

In absehbarer Zeit will die Stadt allerdings auf Initiative von Oberbürgermeister Joachim Wolbergs in der Nähe des Hauptbahnhofes ein Tageszentrum für Suchtabhängige einrichten, um die Abhängigen einerseits zu versorgen, andererseits aber auch um eine Verelendung auf offener Straße zu verhindern.

Letztes Jahr gab es einen traurigen Sterbe-Rekord Die Zahl der Drogentoten ist in Regensburg in den vergangenen Jahren indes konstant hoch geblieben. Zwar haben naturgemäß die größeren Städte wie München und Augsburg, besonders aber auch Nürnberg eine hohe Zahl an Drogentoten zu beklagen. Doch auch in Regensburg steigen die Zahlen oder blieben über Jahre hinweg konstant: So erreichte die Zahl im letzten Jahr mit 17 Drogentoten einen traurigen Höhepunkt, wie aus Zahlen der Bayerischen Staatsregierung hervorgeht. Nur München (46), Nürnberg (27) und Augsburg (19 Tote) übertrafen diese Zahl noch. Heuer sind bereits 14 Drogentote in der Oberpfalz zu beklagen, 13 davon in Regensburg.


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