27.09.2015, 13:54 Uhr

Familiensynode Die große Frage in Rom: Setzt sich Müllers Linie durch? Oder Marx' Kurs?

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Eine Woche vor Beginn der Familiensynode in Rom richten Reforminitiativen aus Europa, Nord- und Südamerika, Afrika und Australien einen Appell an die katholischen Kardinäle und Bischöfe und rufen zu Änderungen der Sexuallehre und Pastoral auf. Einer der größten Gegner ist der frühere Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller.

REGENSBURG_25ROM In Rom trifft sich ab 4. Oktober die Weltkirche zur außerordentlichen Familiensynode. Für die deutsche Kirche ist beispielsweise der Münchner Kardinal Reinhard Marx mit dabei, der ein Verfechter für eine Öffnung der Kirche in Fragen der strengen Moral ist. Bereits im letzten Jahr hatten sich die Synodenväter getroffen, damals kam es sogar zu einer Kampfabstimmung zwischen Konservativen und Liberalen. Jetzt heißt es im Vorfeld der Synode, die Konservativen hätten den Schock vom letzten Jahr verdaut, den man bekommen hatte, als plötzlich klar war, dass auch Lockerungen etwa im Umgang mit homosexuellen Paaren oder wiederverheirateten Geschiedenen mehrheitsfähig sein könnten.

Das Argument der Konservativen ist stets: Diese Lockerungen sind ohnehin nur Forderungen von Randgruppen innerhalb der Kirche. Insbesondere die Tatsache, dass beispielsweise die deutsche Kirche Öffnungen fordert, während der Glaube aber in der westlichen Welt immer weiter auf dem Rückzug ist, gibt den Konservativen Rückenwind. Der frühere Bischof von Regensburg und heutige Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Kardinal Müller indes steht klar für die konservative Linie. Während einer Veranstaltung in Regensburg rügte Müller gar die deutschen Glaubensbrüder, sie sollten ihre vermeintliche Vormachtstellung aufgeben.  Von Konservativen in der ganzen Welt wurde Müller für diese Haltung frenetisch gefeiert.

In Deutschland stehen hinter der Linie Müllers offenbar neben dem Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer auch der als neuer Shooting-Star der Konservativen geltende Passauer Bischof Stefan Oster. Gegenüber der Welt am Sonntag sagte Oster: ""Wahrheit ist nach unserem Verständnis nicht einfach durch Mehrheitsentscheidungen oder durch ein politisch verstandenes Sich-Durchsetzen zu gewinnen", sagt Bischof Oster. "In jedem Fall bin ich am meisten darauf gespannt, was der Papst am Ende der Synode sagen wird." Und auch die immer noch einflussreichen Deutschen im Vatikan unterstützen Müllers Kurs:

Der Beitrag von Paul Josef Kardinal Cordes aus der Neuerscheinung „11 Kardinäle zu Ehe und Familie“ - vorab auf kath.net... Posted by Kath Net on Mittwoch, 23. September 2015

Der Papst selbst hat bereits im Vorfeld der Synode Erleichterungen für die Auflösung ungültig geschlossener katholischer Ehen angekündigt. Was vielen Konservativen deutlich zu weit ging, sehen Liberale als alarmierendes Zeichen dafür, dass Franziskus mitnichten vorhat, die Linie der Kirche zu verändern.

Jetzt haben sich weltweit kritische Laien zusammen getan, um ein Zeichen zu setzen. Pikant: Nicht nur aus Deutschland und Österreich werden Stimmen laut, sondern auch etwa aus dem als konservativ geltenden Südamerika. „Wir sind in großer Sorge über die ständig wachsende Diskrepanz zwischen Glaube und Gewissen bei der großen Mehrheit der Mitglieder der katholischen Kirche einerseits und in der Doktrin und der pastoralen Praxis des kirchlichen Lehramts andererseits“, heißt es in dem internationalen „Appell an die Synodenbischöfe“. Die Zeit sei reif „für eine stärkere Rückbindung der kirchlichen Lehre an das Evangelium“. Dazu gehöre unter anderem „ein Überdenken des traditionellen Verständnisses der Unauflösbarkeit der Ehe“: „Paare, die zivilrechtlich geschieden und wiederverheiratet sind, sollten nach einer Zeit pastoraler Begleitung an allen Sakramenten teilnehmen und von der christlichen Gemeinschaft mit Freude aufgenommen werden.“

Ehemalige Priester, die geheiratet haben, sollten wieder Seelsorgeraufgaben in den Gemeinden übernehmen dürfen. Homosexuelle müssten die Möglichkeit haben, vollwertige Mitglieder der Kirche zu sein. „Jede Beschränkung oder diskriminierende Praxis gegen Homosexuelle in Kirche und Gesellschaft sollte angeprangert und bekämpft werden.“ Außerdem erwarten die Reformbewegungen von der Synode „eine angemessene Berücksichtigung der Situation von unterdrückten und missbrauchten Kindern und Frauen“. Die Kirche solle ihre Solidarität mit Opfern sexueller Gewalt in aller Welt zum Ausdruck bringen. „Gegenüber den Überlebenden sexuellen Missbrauchs durch Priester und Ordensleute sollte die Synode ein klares Zeichen der Reue setzen und sich verpflichten, ihnen und ihren Familien Gerechtigkeit, Mitgefühl und Fürsorge zukommen zu lassen.“ 


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