27.08.2015, 14:39 Uhr

Internet Freies Internet für alle - das Projekt Freifunk soll das in Regensburg möglich machen

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Freifunk baut seit März 2015 ein Netzwerk für die Allgemeinheit auf, um einen flächendeckenden und kostenlosen Zugang zum Internet zu ermöglichen.

REGENSBURG Andere Länder haben es schon lange: Freies Internet auf öffentlichen Plätzen, wie etwa auf dem Trafalgar Square in London, wird schon lange in Deutschland gefordert. Seit März 2015 kümmert sich Sven Seeberg mit bis zu neun anderen aktiven Beteiligten um das Projekt Freifunk in Regensburg.

„Freifunk soll ein Datennetzwerk mit Internetzugang für alle sein“, sagt Sven Seeberg, der eines der aktivsten Team-Mitglieder ist und sich vor allem um den politischen Bereich des Projekts kümmert. Sein Ziel ist dabei ganz klar: Er will ein flächendeckendes Netzwerk schaffen, auf das alle kostenlos zugreifen und entweder Daten übermitteln oder das Internet benutzen können. Er sieht vor allem Möglichkeiten für den Tourismus in diesem Netzwerk. So könnten Besucher aus der ganzen Welt beispielsweise multimediale Beiträge von den Regensburger Museen zu Gebäuden und Plätzen direkt auf ihrem Mobilgerät ansehen, ohne Roaming-Gebühren für die Internet-Nutzung im Ausland zahlen zu müssen.

Der Erfolg lässt sich sehen, denn seit März hat Freifunk inzwischen 150 aktive Knotenpunkte errichten können. Mehr noch: In Kooperation mit Galeria Kaufhof konnte das Team des Projekts eine Richtantenne für die Internet-Verbindung auf dem Neupfarrplatz in Regensburg mit Hilfe von Spenden errichten. „Die Teilnehmer am Projekt wachsen organisch über Mund-zu-Mund-Propaganda, weil wir bisher noch keine aktive Werbung betreiben. Allerdings haben andere deutsche Städte in längerer Zeit lediglich 100 Knotenpunkte errichten können“, berichtet Seeberg stolz.

Flüchtlinge können das Internet für Sprachenkurse nutzen und sich so besser integrieren

Sven Seeberg engagiert sich nicht nur im Projekt Freifunk, sondern auch bei Campus Asyl in Regensburg. Nun will er beide Projekte miteinander verbinden. „Viele geduldete Flüchtlinge bekommen im Gegensatz zu den anerkannten Flüchtlingen über Jahre keine Sprachförderung. Und bisher können Flüchtlinge sich keinen Internetanschluss kaufen“, erklärt Seeberg den Anlass für sein neues Ziel. Das Projekt Freifunk will in Zukunft Flüchtlingsunterkünfte an das Netzwerk anbieten und den Menschen dort die Chance bieten, auf das Internet zuzugreifen. Seeberg sagte gegenüber dem Wochenblatt, dass viele Menschen, die dort leben, gerne Deutsch lernen wollen. Sie könnten das Internet auch dazu nutzen, um in Verbindung zu bleiben mit ihren Angehörigen oder sich auch über die aktuelle Lage in ihrem Heimatland informieren. „Die Möglichkeit, Deutsch zu lernen, ist ein gesellschaftlicher Aspekt der Integration, der auch viel wichtiger ist als der persönliche“, so Seeberg.

„Dass die Flüchtlinge oft Smartphones haben, löst bei den Menschen hier in Deutschland oft Unverständnis aus. Dabei gab es in Syrien vor dem Krieg auch Internet  und ein Smartphone ist das beste Mittel, um während ihrer Flucht in Kontakt zu bleiben“, erklärt der junge Student. Deshalb bringen viele Flüchtlinge bereits ein Gerät mit, mit dem sie auf das kostenlose Netzwerk von Freifunk zugreifen könnten. Dabei betont er, dass Freifunk für alle da ist, es aber für die Integration der Flüchtlinge eine große Hilfe sein könnte. „Auch wir haben wegen dieser Idee Anfeindungen bekommen“, räumt er traurig ein.

Die Technik, die das Projekt nutzt, könnte auch für die Politik eine zunehmende Rolle spielen. Das Bundeskabinett beschloss 2014 das flächendeckend schnelle Internet für ganz Deutschland. Statt teurer Projekte, glaubt Seeberg daran, dass die Technik von Freifunk eine konkurrenzfähige Alternative sein könnte, um dieses Ziel zu erreichen. Alles, was es braucht, viele Teilnehmer, die sich in ihrem privaten Haushalt mit Internetanschluss einen Router kaufen, der sich mit der eigens entwickelten und einfachen Programmierung von Freifunk ausrüsten lässt. Damit kann jeder für einen sehr geringen Geldbetrag zum Knotenpunkt werden. Durch die vielen Knotenpunkte entsteht dann ein Netzwerk, auf das alle internetfähigen Geräte in der  Nähe zugreifen können.

Die Technik ist alt, aber dafür günstig und sicher

Wer jetzt Angst um seine Datensicherheit hat, kann aufatmen. Denn das Programm für die Router schleust das öffentliche Netzwerk vorbei am privaten und schützt so den Besitzer des Knotenpunktes. Für den Nutzer des freien Internets gelten dahingegen die allgemeinen Schutzkriterien, wie bisher auch. Eine Verschlüsselung einer Internetseite mit „https“ gewährleistet die Sicherheit der Daten. „Noch werden wir nicht von der Stadt gefördert, aber im September entscheidet der Ausschuss des Stadtrates über die Nutzung von öffentlichen Gebäuden als Richtantennen Standorte für öffentliche Plätze, wie zum Beispiel in Weimar“, stellte Seeberg zum Abschluss in Aussicht.


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