12.04.2011, 16:33 Uhr

Innenminister Friedrich: „Für Islamunterricht an deutschen Schulen"

Foto: Christian BeirowskiFoto: Christian Beirowski

Der noch ganz frische Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich war am Dienstag Gast beim „Zweiten Regensburger Gespräch". Der CSU-Politiker machte klar, dass auch Religionsfreiheit in einer Demokratie ihre Grenzen hat. Gleichzeitig kann sich der Minister die Einführung von Islamunterricht für die 700.000 Moslems an deutschen Schulen vorstellen.

REGENSBURG Zum zweiten Mal fand das Regensurger Gespräch unter dem Motto „Religiöse Verschiedenheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt“ im Alten Rathaus statt.

Oberbürgermeister Hans Schaidinger verwies in seiner Eröffnungsrede auf die Bedeutsamkeit des Veranstaltungsortes. Bereits vor 470 Jahren fand dort ebenfalls ein Religionsgespräch zwischen Katholiken und Protestanten statt. Namhafte Theologen wie Philipp Melanchthon auf evangelischer und Johannes Eck auf katholischer Seite nahmen daran teil.

Heute allerdings war kein bedeutender Theologe gekommen, sondern der Bundesinnenminster Hans-Peter Friedrich, der einen Vortrag über „Religion in der Gesellschaft“ hielt. Der verspätet eingetroffene Minister betonte in seiner Rede, dass die Religion in der Gesellschaft  nicht an Wert verloren habe, wie es so oft behauptet wird. Im Gegenteil, die Religion spiegelt sich in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft wieder.  Er verwies auf die Trennung von Kirche und Staat: „Deutschland ist ein weltanschaulich neutraler Staat.“ Gleichzeitig sicherte der Bundesinnenminster zu, dass „jeder seinen Glauben oder Nichtglauben bei uns leben darf“ und verwies in diesem Zusammenhang auf den Artikel 4 des Grundgesetzes: Der Grundlage der Religionsfreiheit in diesem Land. Es gebe in Deutschland viele verschiedene religiöse Gruppierungen, dies mache das Land attraktiv und lebendig. Er betonte, dass diese Vielfalt auch eine Herausforderung für den Staat darstelle. Damit ein gutes Zusammenspiel zwischen Staat und Religion gelinge, müssten beide Seiten dazu beitragen.  Ein gutes Beispiel stellt die Deutsche Islam Konferenz dar. Friedrich – dessen Schwägerin übrigens selbst Türkin und Muslimin ist – erklärte, dass diese Konferenz für langfristige Ziele angelegt wurde. Sie soll als Plattform für gesellschaftlichen Zusammnenhalt und zur Verhinderung von Extremismus dienen. Eines der großen Ziele sei die Einführung des Islamunterrichts an deutschen Schulen. Derzeit gibt es in Deutschland circa 700.000 muslimische Schüler. „Doch dafür müssten sich die muslimischen Verbände zu einer umfassenden Organisation zusammenschließen und Leitlinien für das religiöse Leben erarbeiten“, schrieb Friedrich den Muslimen ins Stammbuch. Zudem erwähnte der Minister islamische Studiengänge an deutschen Hochschulen. An Universitäten wie Tübingen, Münster, Frankfurt-Gießen und Nürnberg-Erlangen wurde der Fachbereich „islamische Studien“ eingeführt. Damit soll die Etablierung und der wisenschaftliche Grundstock in Deutschland gelegt werden. Abschließend plädierte er, die Religion mehr in den Fokus der Menschen zu rücken, damit das „21. Jahrhundert ein Religiöses wird – oder es wird bedeutungslos“, meinte der Minister.


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