01.04.2015, 14:56 Uhr

Deal Stadt will Pürkelgut für 8,6 Millionen Euro kaufen - Wolbergs bestätigt Wochenblatt-Bericht

Fürstin Gloria hat den OB gemalt Foto: Christian EcklFürstin Gloria hat den OB gemalt Foto: Christian Eckl

Oberbürgermeister Joachim Wolbergs hat am Mittwoch gegenüber Medienvertretern einen Exklusiv-Bericht des Wochenblattes bestätigt.Er hat mit Gloria von Thurn und Taxis einen "Letter of Intent" unterschrieben.

REGENSBURG "Ich wurde zu dieser Pressekonferenz gezwungen, weil Details an die Öffentlichkeit getragen wurden", sagte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs am Mittwoch vor Medienvertretern. Auch wenn er das Wochenblatt nicht wörtlich nannte, meinte er damit offenbar einen Bericht in unserer Druckausgabe. 

Wolbergs bestätigte diese Punkte: "Es ist richtig, dass ich vergangene Woche einen Letter of Intent mit dem Fürstenhaus unterschrieben habe." Demnach dürfe das Fürstenhaus eine Parkgarage beim Schloss bauen, der Stadt wird ein Durchgangsweg für Parkende zugesichert über fürstliches Areal. 

Zweitens: Das Fürstenhaus muss ein Artenschutzgutachten vorlegen, in dem die Frage geklärt werden soll, welche Arten von der Öffnung des Schlossparkes beeinträchtigt werden könnten. "Wir setzen damit den Wunsch der Regensburger um, die wollen, dass der Schlosspark geöffnet wird", so Wolbergs.

Drittens wird der Stadt der sogenannte Burgunderring zwischen Universitätsstraße und Augsburgerstraße gesichert, der in weiter Ferne liegt, aber in den Planungen steht  - das Areal gehört der Fürstin. Dafür darf sie dort bauen: Wohnungen, bestätigte Wolbergs, und eine Kleingartenanlage wird errichtet, die die Stadt verwalten wird.

Der wohl wichtigste Teil des Deals: Die Stadt will zwei Drittel des Areals rund um das Pürkelgut sowie das Schloss und die Austragshäuser kaufen. Dort soll 2024 eine Landesgartenschau stattfinden. "Nachdem der Stadtrat den Willen für eine Landesgartenschau bekundet hat, und diese nur dort geht, war klar, dass ich handeln muss", sagte Wolbergs.

Alle diese Punkte sind allerdings an ein wichtiges Projekt gebunden: Nur wenn das Logistikzentrum von BMW im Landkreis Wirklichkeit wird, das 2000 Arbeitsplätze sichern soll, fühlt sich Wolbergs an den Letter of Intent gebunden. Platzt die Ansiedlung, kann man dennoch einzelne Teile verwirklichen, muss aber nicht.

Übrigens wollte sich Wolbergs nicht zu Zahlen äußern, hat diese aber auch nicht dementiert. 

Wir dokumentieren hier den Printartikel, der am 1. April veröffentlicht wurde:

Millionendeal mit dem Fürstenhaus

Gloria von Thurn und Taxis ist, geschäftlich gesehen, sicherlich ein Segen für das Fürstenhaus. Seit dem Tod ihres Mannes Johannes 1990 führt sie die Geschicke des Hauses, zunächst interimsweise für ihren Sohn Albert, bis heute allerdings auch in seinem Namen, denn der Fürst bringt sich bisher nur am Rande in die Geschäfte seines Hauses ein. Im Hintergrund indes hat Fürstin Gloria von Thurn und Taxis erneut bewiesen, dass sie sicherlich zu den besten Geschäftsleuten in Bayern und vielleicht sogar in Deutschland gehört.

Wie das Wochenblatt von Mitgliedern der Rathaus-Koalition erfuhr, gelang es Gloria, einen Deal mit der Stadt einzufädeln. Unzweifelhaft ist das Paket, das man dem Fürstenhaus anbot, Teil der Bestrebungen, die Verhandlungen zwischen Thurn und Taxis mit dem Saatzuchtbetrieb Bauer abzusichern. Beobachter sagen, man sei hier auf dem besten Weg, offenbar sieht das auch BMW so, denn man ist nun in der Detail-Absprache.

Gleichzeitig hat das Fürstenhaus aber auch bekundet, dass man sich nur ungern vom Wasserschloss Pürkelgut trennen möchte. Offenbar ist es Gloria gelungen, den Eindruck zu erwecken, als könne sie sich nur sehr ungern von dem verfallenen Kleinod trennen – seit vielen Jahren fristet es ein trostloses Dasein, sogar die Fenster sind zugemauert, um eines der bedeutendsten Wasserschlösser Süddeutschlands vor dem endgültigen Verfall zu bewahren.

Laut Insider-Informationen sollen die Flächen rund um das Schloss für 8,6 Millionen Euro den Besitzer wechseln – die Stadt Regensburg soll diese kaufen. Das Pürkelgut selbst soll für einen symbolischen Euro den Besitzer wechseln. Für die Sanierung rechnet man mit 20 bis 30 Millionen Euro, mancher spricht von 40 Millionen Euro. „Natürlich will man Zuschüsse, die man auch bekommen wird“, heißt es aus der Koalition. Gleichzeitig soll, das ist bekannt, auch auf Betreiben der Grünen ein Antrag auf Austragung der Landesgartenschau dort erfolgen.

Diese soll mit 15 Millionen Euro zu Buche schlagen. Diese soll im Jahr 2024 dort stattfinden. Zwei Drittel der Fläche gehen für besagte 8,6 Millionen Euro in den Besitz der Stadt über, ein weiteres Drittel verpachtet das Haus Thurn und Taxis nur.

15 Millionen Euro für die Landesgartenschau?

Der Millionendeal mit dem Fürstenhaus geht offenbar auch einher mit einer Reihe von Zugeständnissen. Wie es heißt, soll nun doch das einst umstrittene Parkhaus verwirklicht werden, das in der Margaretenstraße gebaut werden soll.

Das Schloss St. Emmeram wird zusehends vermietet, Notare und Anwaltskanzleien lassen sich hier nieder, die Büros gehören zu den schönsten der Stadt. Doch die Altstadt ist naturgemäß klamm an Parkmöglichkeiten – das will man nun offenbar ändern. Wie das Wochenblatt erfuhr, ist der Pürkelgut-Deal gekoppelt mit einer Genehmigung für das Parkhaus. Allerdings soll das Fürstenhaus dieses nur zur Hälfte für die eigenen Mieter nutzen dürfen, die andere Hälfte muss der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden. Das Fürstenhaus setzt, offenbar nach einer Wende in der Firmenpolitik durch den Anstieg von Immobilienpreisen und auch der wieder steigenden Bedeutung der Landwirtschaft, offenbar auf Grund und Boden. Deshalb will das Fürstenhaus offenbar ein Grundstück zwischen der Augsburger- und der Universitätsstraße in Regensburg-Kumpfmühl bebauen. Doch die Stadt machte hohe Auflagen: Nur 6.000 Quadratmeter dürfen für Wohnbebauung genutzt werden, 15.000 Quadratmeter muss das Fürstenhaus in Kleingartenanlagen umwandeln.

Außerdem gelang es Gloria, den Pürkelgut-Deal mit einer Zusage der besonderen Art zu verbinden: Die Öffnung des Schlossparks für jährlich insgesamt zehn Veranstaltungen soll kommen. Damit wäre etwas verwirklicht, was unter Oberbürgermeister Hans Schaidinger stets undenkbar war. Der hatte die Öffnung des Schlossparks, der als Denkmal-Ensemble mit dem Schloss geschützt ist, stets verhindert. Allerdings muss das Fürstenhaus ein Artenschutzgutachten vorlegen – die Hürden sind also hoch, aber zu bewältigen.

Wolbergs sauer, dass

der Deal publik wurde

Das Wochenblatt konfrontierte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs mit dem Deal, der über die Tatsache, dass die Information ans Wochenblatt gedrungen war, ziemlich ungehalten war. „Ich bestätige, dass es einen ,Letter of Intent‘ in der Sache gibt.

Die Erfüllung der Abmachung ist aber auch an das Gelingen der BMW-Ansiedlung im Landkreis Regensburg gekoppelt“, so Wolbergs abschließend. Der OB wollte sich aber weder zu Inhalt, nicht zu konkreten Zahlen in diesem „Letter of Intent“ äußern.


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