24.02.2015, 16:45 Uhr

Kirche Brutale Prügel bei den Domspatzen

Brutale Prügel in der Vorschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen und Pielenhofen. Unser Bild zeigt Angelika Glaß-Hofmann, Generalvikar Michael Fuchs und Rechtsanwalt Dr. Andreas Scheulen. Foto: EcklBrutale Prügel in der Vorschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen und Pielenhofen. Unser Bild zeigt Angelika Glaß-Hofmann, Generalvikar Michael Fuchs und Rechtsanwalt Dr. Andreas Scheulen. Foto: Eckl

Brutale Prügel in der Vorschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen und Pielenhofen: Ein Bericht spricht von 72 Opfern, die damals zehn oder elf Jahre alt waren.

REGENSBURG_25ETTERZHAUSEN Der Zwischenbericht ist bedrückend: 72 ehemalige Schüler der Domspatzen-Grundschule in Etterzhausen, später Pielenhofen, haben sich bei Ansprechpartnerin Angelika Glaß-Hofmann gemeldet. Erst am 25. Januar 2015 entschuldigte sich der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer im Regensburger Dom bei den Opfern sexuellen Missbrauchs, aber auch bei geprügelten und gezüchtigten früheren Domspatzen. Bis in die 80er Jahre galt in Deutschland das sogenannte „Züchtigungsrecht“. Doch Rechtsanwalt Andreas Scheulen, der die Vorwürfe für das Bistum juristisch prüfte, kam zu dem Ergebnis, „dass diese Prügel auch unter dem Züchtigungsrecht strafbar gewesen wären“, so Scheulen.

„Liebe Eltern, mir geht es gut, wie geht es Euch?“ Mit dieser Floskel mussten Schüler am Internat des weltberühmten Domspatzen-Chores in der Vorschule in Etterzhausen (Landkreis Regensburg) regelmäßig Briefe an ihre Eltern beginnen. Die Briefe wurden zensiert – von Priestern, die im Alltag der Dritt- und Viertklässlern prügelten, was das Zeug hielt.

Ins Zentrum der Vorwürfe rückt der Priester Johann Meier, der zwischen 1953 und 1992 das Internat der Domspatzen-Grundschule leitete. Die Gewalt ging also von einem Priester aus, aber auch von Mitarbeitern dort. Ein Mitarbeiter dort hatte einen Siegelring getragen, den er drehte, bevor er zuschlug – um die Schläge heftiger zu machen.

Briefzensur: „Liebe Eltern, mir geht es gut“ Wie verfahren die Situation zwischen Opfern und Kirche in Regensburg zwischenzeitlich ist, belegt auch dies: Es gab Morddrohungen gegen einen Rechtsanwalt, den das Bistum beauftragt hatte. Er erhielt Polizeischutz. „Es handelt sich dabei um Prügelstrafen, Schläge mit der Hand und mit den Fäusten ins Gesicht und auf den ganzen Körper, teilweise, bis die Kinder zu Boden gingen, und Schläge mit Gegenständen“, heißt es in dem Bericht. Zudem wurde nach Domspatzen-Grundschülern mit dem Schlüsselbund geworfen. Die Schüler seien „ohne und aus geringfügigen Anlässen“ bestraft worden, schilderte Angelika Glaß-Hofmann, die als Psychologin als Ansprechpartnerin für die Betroffenen vom Bistum eingesetzt wurde. Es seien auch keine bloßen „Backpfeifen“ gewesen, sondern „schmerzhafte Schläge mit einem großen oder kleinen Stock“, die zu „nachhaltigen Verletzungen“ geführt hätten. Wurden die Kinder in den Schlafsälen der Domspatzen in Etterzhausen dabei erwischt, wie sie trotz Nachtruhe noch miteinander redeten, dann mussten sie bis zu eine Stunde lag barfuß im Flur stehen und durften sich nicht rühren. Die meisten Schilderungen von Prügel in Etterzhausen beziehen sich auf den Priester Meier. Der ist 1992 gestorben, mit ihm begann eine neue Zeit in der Vorschule der Domspatzen. Glaß-Hofmann hatte auch mit den Erziehern gesprochen, die damals zugeschlagen hatten. Manche, so schildert sie, wiesen die Vorwürfe zurück, andere räumten sie ein. Bischof Rudolf Voderholzer machte bei seiner Predigt im Dom klar: Nach dem Tod werden sich die Täter von damals vor ihrem Schöpfer verantworten müssen.


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