06.02.2015, 14:09 Uhr

Dumme Sprüche gibt es immer wieder Die Jerabeks: Kinderreich und glücklich – so lebt eine große Familie in Deutschland

Foto: Ursula HildebrandFoto: Ursula Hildebrand

Bei den Jerabeks in Schierling ist immer was los! Drei Kinder haben Nadine und Yves, Lucille ist zehn, Philo, die eigentlich Philomena heißt, ist neun Jahre alt. Nesthäkchen Etienne ist sieben. Zur Familie gehört auch noch Hund Lucky, der darf nicht vergessen werden. Mit drei Kindern zählt Familie Jerabek zu den kinderreichen Familien in Deutschland. Und das ist manchmal gar nicht so einfach.

SCHIERLING Nadine und Yves haben sich Ende September 2003 kennengelernt und ineinander verliebt. Dass beide Kinder wollten, das war schnell klar, bewusst hat sich das Paar dafür entschieden, mehrere Kinder zu bekommen. Heute ist Nadine 31, Yves ist 45 – weiterer Nachwuchs ist nicht ausgeschlossen.

Beim ersten Kind, erzählt Nadine, war alles noch sehr aufregend, sie waren übervorsichtig, vor allem auch, weil Lucille ein Frühchen war. "Ich hatte Angst, ich könnte sie zerbrechen", erzählt Nadine. Dass sie mit 21 Jahren nun Mutter war, das hat sie nicht gestört, Partymachen war nie ihr Ding, also hat sie hier nichts vermisst, wenn andere am Wochenende weggingen und sie bei ihrer Tochter zu Hause geblieben ist. Beim zweiten Kind war alles dann schon weniger aufregend, Nadine und Yves hatten sich entscheiden, das zweite Kind kurz nach Lucille zu bekommen, "es hat alles gepasst". Nach einer kleinen Pause – auch die hat die Familie ganz bewusst so gewählt – kam dann Etienne auf die Welt. Von manchen Mitmenschen muss sich Familie Jerabek doch so einiges anhören – drei Kinder? Muss das sein?

Alexandra Gaßmann, Vorsitzende des Landesverbandes Bayern des Verbandes kinderreicher Familien, weiß, wovon Nadine spricht. Die 47-Jährige hat mit ihrem Mann neun Kinder. Sie kann ein Lied von den Problemen singen, die große Familien haben. Das geht schon beim Wohnraum los, gerade in den Städten sind die Vier- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen rar gesät, denn es werden meist Single-Wohnungen gebaut. Familie Jerabek lebt aktuell auf 70 Quadratmetern, die Option, einen Durchbruch in einen Hobbyraum zu machen, um die Wohnung zu vergrößern, besteht, doch dafür muss die Familie erst sparen. Und so gibt es auch keinen Urlaub, denn der ist der Familie zu teuer, das Geld sparen sie lieber für die Wohnung.

Manchmal, das musste auch Familie Jerabek erfahren, wird man schief angeschaut, wenn man mehrere Kinder hat, der ein oder andere beschwert sich, wenn es mal etwas lauter ist oder die Kinder im Garten toben. "Hätte es das auch noch gebraucht?" oder "Habt Ihr keinen Fernseher zu Hause?" – das sind die Fragen, die dann kommen. Dumme Sprüche und blöde Bemerkungen, damit werden kinderreiche Familien konfrontiert. Alexandra Gaßmann sieht hier auch eine Mitschuld in so mancher Fernsehsendung, denn dort herrscht bei großen Familien meist das totale Chaos. Und so ist es im richtigen Leben einfach nicht: "Wir sind eine normale Familie – wir haben einfach nur mehr Kinder!"

Formulierungen, wie sie jüngst Papst Franziskus verwendet hat – "Manche glauben, und entschuldigen Sie den Ausdruck, dass sie, um gute Katholiken zu sein, wie die Kaninchen sein müssen." – irritieren daher. Gaßmann sagt klar, dass sich weder Saat noch Kirche einmischen sollten, denn die Entscheidung Kinder in die Welt zu setzen, könnten nur die Paare treffen. Auch Nadine Jerabek findet diese Formulierung des Papstes "nicht so toll". Ihr Mann und sie hätten sich bewusst für die Kinder entschieden.

Nadine und Yves Jerabek wollen nicht klagen, sie finden die Höhe des Kindergeldes ganz in Ordnung, sie wünschen sich aber manchmal mehr Unterstützung im Alltag. Der Verband kinderreicher Familien sieht beim Kindergeld durchaus Handlungsbedarf, zum Beispiel könnte der Staat ab dem siebten Kind durchaus noch den ein oder anderen Euro drauflegen, so Gaßmann. Zudem wünsche man sich Familienkarten für Museen oder Ausstellungen. Gaßmann berichtet von einer Ausstellung, für die sie für jedes Kind acht Euro hätte zahlen müssen, bei neun Kindern ist das ein kleines Vermögen. "Da sind wir wieder umgedreht." Denn: "Bildung sollte allen Kindern offen stehen", sagt Gaßmann. Und so versucht der Verband, die Situation für Familien wie die Jerabeks in Deutschland ein wenig besser zu machen.

Wer mehr zum Thema kinderreiche Familien wissen will, findet im Internet unter www.bayern.kinderreichefamilien.de die entsprechenden Informationen. Die Mitgliedschaft im Verband ist übrigens kostenlos – und man kann auch mitmachen, wenn man keine oder „nur“ ein oder zwei Kinder hat!


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