23.01.2015, 14:27 Uhr

Kirche Posten für Tebartz-van Elst in Rom – luxuriöse Wohnung in Regensburg will er behalten

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Der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst soll Sekretär im Rat für die Neuevangelisation in Rom werden. Das berichtet die Bild-Zeitung und beruft sich auf Kirchenkreise. Die Wohnung in Regensburg will er als Zweitwohnsitz offenbar behalten.

REGENSBURG Der frühere Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst soll eine neue Stelle im Vatikan bekommen. Tebartz’ Sprecherin Eva Demmerle gab zunächst keinen Kommentar ab. Kein Wunder, denn jede öffentliche Äußerung in Sachen Franz-Peter Tebartz-van Elst hat nach wie vor viel Nachrichtenwert. Der als Protz- und Blinkblink-Bischof verlachte, theologisch hoch geschätzte, aber sehr ungeschickte Geistliche hatte erst kürzlich einen öffentlichen Auftritt am Bodensee wieder abgesagt – das öffentliche Interesse war zu groß.

Und jetzt das: Tatsächlich hat Papst Franziskus den Theologen nicht vergessen. Er wird zum neuen Sekretär des Rates der Neuevangelisation ernannt, berichtet die Bild-Zeitung – und beruft sich auf Kirchenkreise. Angeblich will Tebartz die Wohnung, die seine Geschwister für ihn in Regensburg angemietet haben und die ganze 180 Quadratmeter im schönen Inneren Westen mit Domblick umfasst, weiter als Zweitwohnsitz nutzen.

Bislang hieß es immer, im Bistum Regensburg, das den gefallenen Bischof auf Einladung von Rudolf Voderholzer willkommen hieß, habe ihm keine neue Tätigkeit vor Ort übertragen. Dennoch konnte man Tebartz-van Elst fast täglich beobachten, wie er frühmorgens mit Aktenkoffer den Weg durch den Dom ins Ordinariat suchte. Feierte er dort Messen mit dem Bischof? Der Aktenkoffer lässt eine Vermutung zu, die die Bildzeitung nun formuliert: „Gegen den Willen von Teilen des Domkapitels spendiert das Bistum Tebartz seit November 2014 eine Sekretärin zu freien Verfügung.“ Auf Kosten des Regensburger Steuerzahlers? Oder ist damit das Bistum Limburg gemeint? Unklar.

Bistumssprecher: Regensburger Kirche übernahm Kosten für Sekretärin nicht

Doch Bistumssprecher Clemens Neck machte nun gegenüber dem Wochenblatt klar: "Meines Wissens steht emeritierten Bischöfen eine Schreibkaft mit einer geringen Stundenzahl zu. Die Kosten übernimmt die emeritierende Diözese. Ich gehe davon aus, dass dies auch im Falle des emeritierten Bischofs von Limburg gegeben ist", so Clemens Neck. Und weiter: "Die Kosten dieser Schreibkraft übernahm das Bistum Regensburg jedenfalls nicht."

Sicher ist, dass der Bischof seine guten Kontakte zu seinen Amtsbrüdern nutzte, um einen neuen Job zu ergattern. So feierte er zusammen mit Voderholzer, dem Passauer Bischof Stefan Oster und dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke eine Weihnachtsfeier im Bischofshof. Auch der Kontakt zu Georg Gänswein und damit zum emeritierten Papst Benedikt, der ihn ernannte, riss nie ab. Auch bei Gerhard Ludwig Müller, der ihm bis zum Papst-Machtwort die Stange hielt, hatte Tebartz nach wie vor beste Kontakte – bis heute. Gerade der mächtige Glaubenspräfekt wird bei Papst Franziskus sicher ein gutes Wort für Tebartz eingelegt haben.

Der Rat, eines der sogenannten Dekasterien der Kirche in Rom, die man auch mit Ministerien vergleicht, wurde erst 2010 gegründet und soll sich darum kümmern, dass in den Ländern, wo die Kirche immer mehr an Boden verliert, wieder Gläubige gewonnen werden können. Ob Tebartz-van Elst dafür der beste Botschafter ist, sei dahingestellt – allerdings treten die Sekretäre ohnehin kaum in Erscheinung, man kann sie durchaus vergleichen mit Staatssekretären in Bundesministerien, allerdings ist es stets der Präfekt oder – wie in diesem Fall der Präsident, der in der Öffentlichkeit erscheint. Das ist derzeit mit Rino Fisichella einen klassischen Kurienerzbischof, der Mitglied in wichtigen Kongregationen war und, wie Tebartz, ein Wissenschaftler ist: So fungierte er auch als Rektor der Bischofsschmiede der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Er wird wohl nun Tebartz-van Elsts neuer Chef.

Steigt Tebartz zum Erzbischof auf?

Bislang bekleidet die Stelle des Sekretärs im Rat für die Neuevangelisation ein Südamerikaner, Erzbischof José Octavio Ruiz Arenas. Würde Tebartz-van Elst dessen Posten übernehmen, würde er mit der Ernennung auch zum Erzbischof aufsteigen. Zudem pikant: Einer derjenigen, die im Gespräch mit Papst Franziskus auf dem Höhepunkt des Verschwendungsskandals in Limburg vehement für eine Abberufung Tebartz-van Elsts in Limburg warb, ist Mitglied des Rates: Erzbischof Robert Zollitsch, Vorgänger von Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Zollitsch, der eigentlich für seine ruhige und ausgleichende Art bekannt ist, hatte davor gewarnt, den Skandal von Limburg einfach aussitzen zu wollen.

Koi-Teich kostete 213.000 Euro Tebartz-van Elst war über eine schwierige Situation im sehr jungen Bistum Limburg einerseits, andererseits aber auch über Unaufrichtigkeiten im Zusammenhang mit explodierenden Baukosten für den neuen Bischofssitz am Domberg gestolpert. Mitglieder des Finanzgremiums, das dem Bischof beratend zur Seite stehen sollten, hatten offen ausgesprochen, dass sie der Bischof angelogen hatte, beispielsweise über neu angeschaffte Heiligenfiguren, Antiquitäten, von denen er versprach, sie aus dem vorhandenen Fundus zu beziehen. Auch ein Koi-Teich für 213.000 Euro war vielen Gläubigen deutlich übertrieben vorgekommen.


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