28.11.2013, 08:29 Uhr

Guter Zweck hin oder her ... Kommentar zur Aids-Tanzgala: Sex mit einer Kübelpflanze, Folie im Schritt – muss das sein?

Foto: Günter StaudingerFoto: Günter Staudinger

Guter Zweck hin oder her ...

REGENSBURG Keine Frage, die Aids-Tanzgala in Regensburg hat einen sehr guten Ruf. Diesem Ruf wurde die Gala auch am Samstag, 23. November, gerecht. Trotzdem stellte man sich bei so einigen Szenen die Frage, ob das nun wirklich sein muss. Stilisierter Sex mit einer Topfpflanze, ziemlich durchsichtige Klarsichtfolie im Tänzerinnen-Schritt. Muss das sein? Aber: Darf man das kritisieren, wo es doch um einen guten Zweck geht?

Eine junge Frau wälzt sich auf dem Boden. Sie verkörpert die Rolle, die eine Tänzerin für einen Choreografen spielt – meist eine, bei der sie schweigt und nichts zu sagen hat, nur die Anweisungen des Choreografen ausführt. Die junge Frau hat Klebeband über dem Mund, eingewickelt ist sie in Klarsichtfolie. Und die gibt tiefe Einblicke, wo man sie eigentlich nicht haben will. In Reihe acht, in der ich sitze, ist das – Gott sei Dank – nicht mehr zu erkennen, aber das Publikum in den ersten drei oder vier Reihen hat beste Aussicht auf den nur spärlich mit Folie verkleideten und ansonsten nackten Intimbereich der Tänzerin Olga Stetsyuk. Absicht? Ein Missgeschick, weil das bisschen Folie verrutscht ist? Unpassend war es auf jeden Fall!

Nicht minder seltsam war die Darbietung eines jungen Tänzers, der sich zunächst einmal bis auf den Slip auszog. Tänzerisch umwarb er dann eine Kübelpflanze (Foto oben). Da stockte so manchem der Atem, als Tänzer Robin Rohrmann sein erotisches Verhältnis zu einem Baum hemmungslos auslebte. Der Applaus war verhalten, kam nur zögerlich. Sex mit einer Kübelpflanze? Auf offener Bühne? Was will uns der Erfinder damit sagen?

Dass es auch anders geht, zeigen Fanny Barrouquère und Toby Fitzgibbons aus Schweden, genauer gesagt aus Härnösand (Foto unten).

Wer nun den Standpunkt vertritt, dass Kunst provozieren muss und soll, dem gebe ich recht! Aber Kunst sollte auch immer dem Anlass angemessen sein. Und Einblicke in eine nackte Vagina bei einer Aids-Tanzgala, tut mir leid, da fehlt mir nun jegliches Verständnis! Das ist gerade noch bei einem alternativen Kunst-Festival vertretbar, bei so einer Gala mit einem wirklich ernsten Hintergrund hat so etwas nichts verloren!


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