28.01.2014, 11:54 Uhr

Experte Weidenfeld: Der „Erklärbär” brachte den Rottalern die große Politik näher

Foto: Holger BeckerFoto: Holger Becker

Die Festrede beim Neujahresempfang der Wirtschaft in der Stadthalle hielt Prof. Dr. Dr. h.c. Wrner Weidenfeld. Zudem wurden drei Unternehmer ausgezeichnet.

PFARRKIRCHEN Er hat fünf US-Präsidenten beraten, war bei den Vorbereitungen zu den Maastrichter Verträgen dabei und ist ein hoch dekorierter Politikwissenschaftler und beachteter Buchautor und Fernseh-Experte: Am Sonntag sprach Prof. Dr. Dr. h.c. Werner Weidenfeld beim Neujahrsempfang der Wirtschaft in der Pfarrkirchner Stadthalle. Die rund 200 Gäste bekamen dabei so manche Anekdote aus der großen Politik zu hören.

Flott moderiert wurde der Empfang von Kabarettist Wolfgang Berger alias „Der Fälscher”. Der bot Weidenfeld ungeniert das „Du” an, outete sich als Leser von dessen Büchern und brachte dem Publikum im Interview vor dem Vortrag auch etwas den Menschen Werner Weidenfeld näher. Der Politikwissenschaftler verriet dabei auch, warum viele Menschen kein Interesse an der Politik zeigen: Es werde schlicht und ergreifend zu wenig erklärt und gedeutet.

Er selber sei von Medien schon als „Unser liebster Erklärbär” betitel worden – und genauso präsentierte er sich auch in der Stadthalle: Mit sonorer Stimme erklärte er unter dem Titel „Die größten Herausforderungen der Politik in der Zukunft” anhand von seinen Wahrnehmungen und Erlebnissen die große Politik.

Den Bogen spannte er von Helmut Kohl, über Angela Merkel, Bill und Hillary Clinton bis hin zu Ronald Reagan. Sein Eindruck: Die Wahlkampfthemen im vergangenen Herbst seien allenfalls pekunäre Details gewesen, die den Menschen nicht unter die Haut gegangen seien. Der Koalitionsvertrag stecke voller Bandwurmsätze und „Begriffsungeheuer”, realisiert werde davon erfahrungsgemäß nur ein geringer Prozentsatz.

An der demografischen Entwicklung könne man nicht vorbeikommen. Die „Neuen Alten” seien so mobil und aktiv wie nie. Dementsprechend müsse man im Gesundheitsbereich in Deutschland noch vieles weiterentwickeln, wie die Telemedizin, oder auch im Pflegebereich. Als typisch deutsch bezeichnete Weidenfeld die Sehnsucht nach Sicherheit. Weitere Zukunftsthemen seien die Ungleichheit der Lebensverhältnisse, die Entgrenzung und Beschleunigung durch die technische Entwicklung, den Machttransfer auf europäischer Ebene, wo Legitimation, Transparenz und Führung noch nicht geklärt seien, sowie das Vertrauen der Menschen.

In den kommenden Jahren müsse alles dafür getan werden, damit Pfarrkirchen ein attraktiver Lebensstandort für alle Altersgruppen bleibe, so Bürgermeister Georg Riedl. Dabei rief er auch dazu auf, sich an eine alte Tugend zu erinnern: Disziplin. Kurz ging er auf den Pfarrkichner Wahlkampf ein: „Da werden jetzt Versäumnisse der letzten Jahre aufgezählt, die erstaunlicherweise in den letzten sechs Jahren aber nie angesprochen wurden.”

Wifo-Vorsitzender Klaus Maibaum schlug eine Lanze für den örtlichen Fachhandel: Nach dem Motto „Hier wohn ich, hier kauf ich” sollten sich die Kunden ins Gedächtnis rufen, dass Kauf und Service zusammen gehören. Den Kauf tätige man aber oft im Internet, den Service nutze man vor Ort. Dabei würden die Internetportale den Kindern sicher später mal keinen Arbeitsplatz anbieten.

Im Rahmen des Neujahrsempfangs erhielten drei Geschäftsinhaber die Ehrenplakette der Stadt: Manfred Bittner (Optik Pohl), Anna und Fritz Buchner (Bäckerei/Konditorei Steinhuber) sowie Max Kroneck (Firma Sextl). Sie seien seit Jahrzehnten in der Innenstadt erfolgreich tätig und hätten somit einen wichtigen Beitrag zur Urbanität Pfarrkirchens beigetragen, lobte Bürgermeister Riedl. Musikalisch umrahmt wurde der Empfang von der Gohd’s Vedan Jazz Band.

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