13.05.2012, 17:10 Uhr

Shakespeare mal anders: Mittendrin im Macbeth - statt nur dabei!

Foto: Joerg EschenfelderFoto: Joerg Eschenfelder

Ein außergewöhnlich intensives Erlebnis hatten die Premierengäste im Theater an der Rott: Sie saßen quasi mittendrin in der Macbeth-Inszenierung mit dem scheidenden Intendanten Mario Eick, dem Freund und Regisseur Florian von Hörmann einen starken Abgang ermöglicht!

EGGENFELDEN Mario Eick taumelt an mir vorbei, nackt bis auf eine Boxershort, eine fast leere Whiskey-Flasche an den Lippen, die Augen verdreht. Er taumelt zu „The End“ von den „Doors“, fällt vor meinen Füßen zu Boden, Hubschrauber-Lärm dröhnt aus den Lautsprechern. In einem ersten Reflex möchte ich ihm aufhelfen – doch es ist ja alles nur Theater!

Eick, der scheidende Intendant des Theaters an der Rott, spielt seine letzte Rolle als Macbeth in Shakespeares berühmtem Drama. – Und ich bin mittendrin, auf der Theaterbühne, die durch den geschlossenen „eisernen“ Vorhang etwas von einem Bunker hat.

Hier, auf einem schmalen Gang zwischen jeweils vier Zuschauerreihen mit insgesamt etwas über 80 Plätzen und dem Bühnenhintergrund, inszeniert Florian von Hörmann den „Macbeth“, der angestachelt von einer Prophezeiung und seiner herrschsüchtigen Frau vom Königstreuen zum Königsmörder und Tyrannen wird. Und in den Wahnsinn driftet.

Eine nicht erwartete Nähe zu den Darstellern, die es erst einmal zu verkraften gibt. Manche schaffen das nicht, nach der Pause bleibt ein gutes Dutzend Stühle leer.

Der Großteil des Publikums hält es aus – und wird Teil einer Aufführung, wie man sie in dieser Intensität selten erlebt.

Eick und von Hörmann sind seit ihrer Zeit bei der Athanor Akademie für Schauspiel und Regie in Burghausen befreundet. Regisseur von Hörmann fordert seinem Hauptdarsteller Eick alles ab: Nicht nur äußerlich lässt er die Hüllen fallen, Eick muss aus tiefster Seele Gefühle rauslassen: Todesangst, Hass, Arroganz, Mordlust … Wahnsinn.

Eick und seine Lady Macbeth – Mirkus Hahn – leben ihre Rollen überaus expressiv und sehr eindringlich aus. Bizarre wie beeindruckende Bilder entstehen. Gleich zu Beginn etwa, als Hahn, mit Haarnetz und bleichem Gesicht, im Türrahmen von grellem Scheinwerferlicht angeleuchtet auf Macbeth blickt, erinnert er an Gustaf Gründgens' Mephisto.

Ganz erschließt sich mir von Hörmanns Entscheidung nicht, die Lady Macbeth wie die Hexen von Männern spielen zu lassen. Das wirkt bisweilen wie eine Travestie-Show, erinnert an die Rocky Horror Picture Show, erschafft aber auch unheimliche, albtraumhafte Szenerien.

Bizarr auch der Stilmix von Cowboyhut über Katheter bis zum Brustharnisch. Es wird auch sehr exzessiv gespielt: Schüsse knallen, Schreie hallen, Puder liegt in der Luft, Theater-Blut und Anderes fließen reichlich, Geldscheine regnen von der Scheinwerfergalerie, wo auch gespielt wird.

Lobend erwähnt seien die weiteren Darsteller, die fast alle in Doppelrollen zu erleben sind, voran Erich Maier als Duncan und gedungener Mörder. Witziger Kontrapunkt zu den dramatischen Ereignissen: Boris Schumm und Sebastian Goller als Macduff und Rosse, die wie Schulze & Schultze aus Tim & Struppi für Slapstick sorgen.

Tatsächlich ein außergewöhnliches Theater-Erlebnis, das einem in Erinnerung bleibt! Und ein sehr starker Abgang von Intendant Mario Eick. Zumal ein symbolisch zu sehender, als der tödlich verwundete Macbeth den Vorhang öffnet und an den Bühnenrand tritt, in den leeren Saal spricht – und eine neue, blühende Zeit wünscht. Bevor er von der Bühne fällt und weg ist!

Vorhang zu! Bravissimo!

Weitere Infos:

Macbeth: Das Drama um Aufstieg und Fall des Schotten, der vom Königstreuen zum Königsmörder wird, verwebt wirkliche Geschichte, Mythos und Fiktion. In der Titelrolle: Intendant Mario Eick. Mit: Johannes Bauer, Mario Eick, Florian Federl, Sebastian Goller, Mirkus Hahn, Erich Maier und Boris Schumm. Regie: Florian von Hörmann | Regieassistenz: Rebecca Bienek | Kostüme: Simone Sommer | Maske: Katharina Brandstetter

Weitere Aufführungstermine: 25., 26., 27. Mai 2012 Karten beim Theater an der Rott unter Tel. 08721-1268980 oder via info@theater-an-der-rott.de.


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