03.04.2017, 00:00 Uhr

Jugendsozialarbeit Landkreis ist Vorreiter in Bayern

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Eine flächendeckende Jugendsozialarbeit an den Schulen im Landkreis ist Realität geworden.

ROTTAL-INN Eine flächendeckende Jugendsozialarbeit (JaS) an Schulen im Landkreis Rottal-Inn – diese Vision ist nun Realität geworden. Mit seiner umfassenden Abdeckung an „JaS“-Stellen nimmt der Landkreis eine Vorreiterrolle in ganz Bayern ein. Er setzt damit auch ein deutliches Signal für Schutz und Chancengleichheit von Kindern an Schulen. JaS bietet ein leicht zugängliches Angebot für Schüler und Eltern, sich bei unterschiedlichsten Problemen beraten und unterstützen zu lassen.

Die flächendeckende Jugendsozialarbeit an allen staatlichen Schulen im Landkreis war Landrat Michael Fahmüller ein besonderes Anliegen. „Gerade in Zeiten von Cyber-Mobbing und vielen anderen Problemen an Schulen, die es früher einfach nicht gab, sind die „JaSler“ einfach eine unglaublich wichtige und sinnvolle Einrichtung.“ Deshalb ist er in diesem Themenbereich sehr engagiert und hat seitens des Landkreises Stellen geschaffen, die weit über das hinausgehen, was der für die Schulen zuständige Staat fördert. Gerade auch die Möglichkeit, Kindesmissbrauch frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, ist ihm dabei ein besonderes Anliegen: „Jeder Fall von Kindesmissbrauch, egal in welcher Form, ist einer zu viel: Denn Kinder können nie etwas dafür, sie sind nur immer die Leittragenden“, so der Landrat bei einem Treffen mit allen Mitarbeitern der JaS. „Sie haben an den Schulen den Kontakt zu den Kindern, sie können das notwendige Vertrauen aufbauen und frühzeitig geeignete Hilfen anbieten“, sagte Fahmüller. Er dankte den Mitarbeitern für die „sicher nicht leichte Aufgabe“, die sie täglich bewältigen.

Der Freistaat fördert die JaS, konzentriert sich dabei aber insbesondere auf große Schulen. Insgesamt sind 28 Mitarbeiter auf JaS-Stellen über das Jugendamt beim Landkreis angestellt. Nur ein Teil davon wird gefördert, mit einem Betrag, der umgerechnet etwa 4 Stellen abdeckt (entspricht 2 Vollzeitstellen). Um eine flächendeckende JaS zu gewährleisten, bezahlt der Landkreis daher die restlichen Stellen selbst. Hinzu kommen zwei weitere Stellen in Trägerschaft des St. Johannis-Verein Eggenfelden, deren Inhaberinnen organisatorisch eng in das Gesamtkonzept eingebunden sind und auch an den regelmäßigen Teambesprechungen teilnehmen.

JaS-Gruppenleiterin Bianka Menath-Nirschl erklärt wie Jugendsozialarbeit an Schulen arbeitet: „Wir verstehen uns als Bindeglied zwischen SchülerInnen, Elternhaus und Schule. Wir sind ein eigenständiges Angebot der Jugendhilfe direkt an der Schule. Unsere Beratung ist kostenlos, freiwillig und unterliegt der Schweigepflicht.“ In Anspruch nehmen können JaS Kinder und Jugendliche die nach Lösungen für ihre Probleme suchen wie z.B. mit Mitschülern, in der Familie, mit sich selbst, auf dem Weg zwischen Schule und Beruf oder SchülerInnen die einfach nur jemanden zum Reden brauchen, jemand der ihnen zuhört. „Das Angebot wird von den Schülern gut genutzt, da wir bekannte Ansprechpartner sind, die unkompliziert im schulischen Alltag aufgesucht werden können.“

Auch Jugendamtsleiter Manfred Weindl teilt diese Ansicht: „Obgleich unsere JaSler dem Jugendamt angehören, werden sie als „Ansprechpartner und Vertrauensperson vor Ort empfunden, und das ist eine gewaltige Chance.“ Menath-Nirschl: „Wir fragen nicht in erster Linie nach ‚Schuldigen‘ an einem Konflikt, sondern suchen nach gemeinsamen Lösungswegen. Zum Beispiel gehen wir in einzelnen Klassen, die Schwierigkeiten haben und können die Probleme am tatsächlichen Entstehungsort lösen, durch zielgruppengerechte Projektarbeit.

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist auch die Einzelfallberatung, bei der wir uns mit regionalen Beratungsdiensten vernetzen.“ Eltern und Erziehungsberechtigte können die JaS ebenso in Anspruch nehmen, wenn sie Beratung und Unterstützung in ihren Erziehungsfragen oder besonderen Lebenslagen wünschen, ebenso Lehrkräfte die zur Lösung klasseninterner Schwierigkeiten oder einzelner Schüler mit JaS kooperieren wollen.

In nächster Zeit, so Menath-Nirschl, komme es vor allem darauf an, die Vernetzung mit allen relevanten Stellen voranzutreiben und zu etablieren. Dazu gehöre beispielsweise, die Aufgabenbereiche zwischen JaS, Schulpsychologie, Beratungslehrkräften und anderen sozialen Diensten an der Schule klar zu definieren, sich hier aber nicht in Konkurrenz zu sehen, sondern eng zusammenzuarbeiten, um Schüler oder Eltern an den Netzwerkpartner weiterzuleiten, der sich am besten um die vorliegende Problematik kümmern kann.


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