26.12.2016, 15:24 Uhr

Landrat: Flut war die bislang größte Herausforderung

Foto: Holger BeckerFoto: Holger Becker

„Die Jahrtausendflut war für den Landkreis eine Herausforderung, die es in dieser Größenordnung zuvor noch nie gegeben hat“, konstatierte Landrat Michael Fahmüller im Jahresschlussgespräch.

ROTTAL-INN Der 1. Juni sei aber auch ein Tag gewesen, „an dem wir erfahren haben, wie die Menschen in äußerster Not zusammenrücken“, fügte er hinzu. Eine gute Nachricht hatte Fahmüller kurz vor Weihnachten für die Flutopfer: Der Freistaat Bayern habe sich dank des Einsatzes von MdL Reserl Sem dazu bereit erklärt, die Antragsfrist für finanzielle Hilfen bis zum 30. Juni 2017 zu verlängern.

Sein Dank galt zunächst allen Helfern, ob ehren- oder hauptamtlichen. „Allein in der Katastrophenzeit haben die Mitarbeiter des Landratsamtes 16.000 Arbeitsstunden zusätzlich geleistet“, nannte er eine beeindruckende Zahl. In den ersten Tagen sei es gelungen, 6 Millionen Euro Soforthilfen auszuzahlen. Inzwischen umfasst die Summe der Sofortgelder 13,1 Millionen Euro.

Zusammen mit Landtagsabgeordneter Reserl Sem sei es ihm gelungen, dass der Freistaat ein Förderprogramm zur Verfügung stelle, dass die gleiche Größenordnung habe wie beim Hochwasser 2013 in Deggendorf und dass nicht nur Simbach am Inn, sondern auch die anderen betroffenen Orte wie Triftern oder Anzenkirchen in die Kategorie Jahrtausendhochwasser mit aufgenommen wurden.

Die Bearbeitung der Anträge sei aufgrund unterschiedlicher Konstellationen aber nicht einfach. „Wir tun unser Möglichstes, aber wir sind an der Kapazitätsgrenze“, bat Fahmüller um Verständnis. Bisher seien 1.318 Anträge zu Hausrat und Gebäude eingegangen, die Antragsflut nehme nun wieder zu, da inzwischen die Gutachten endlich abgeschlossen werden konnten und die Handwerker mit den Aufträgen beginnen. 55 Prozent der Anträge seien inzwischen bewilligt, was eine Summe von 21 Millionen Euro ausmacht. 5,8 Millionen Euro davon seien schon ausbezahlt.

Die großen Summen erwartet Fahmüller, wenn die Sanierungen und Neubauten starten. „In der Regel werden die Gelder 14 Tage nach Rechnungseingang überwiesen“, so Abteilungsleiterin Stefanie Kronberger. 25 Prozent der Anträge sei noch in Bearbeitung, bei weiteren würden noch Unterlagen fehlen.

85 Anträge wurden bislang abgelehnt. Was Landrat Fahmüller und seinen Mitarbeitern Kritik einbrachte. „Es gab da einige unqualifizierte Äußerungen. Aber wenn man dem einzelnen Fall nachgeht und dann feststellt, dass gar kein Antrag vorlag oder Vermögen verschwiegen wurde oder aber der Schaden gar nicht zum 1. Juni passiert ist, dann kann man verstehen, dass wir den Antrag ablehnen müssen“, betont Fahmüller.

Er habe aber auch positive Stimmen erhalten, dass die Abwicklung der Anträge sehr zufriedenstellend erfolgt sei. „Die Menschen haben ihre persönlichen Sachen verloren und stehen neben der seelischen Belastung jetzt auch noch vor der Herausforderung, Anträge stellen zu müssen, Gutachter und Handwerker zu beauftragen. Man muss dafür Verständnis haben, dass dies vielen zu schaffen macht“, zeigte der Landrat auch Mitgefühl mit den Betroffenen.

Fahmüller erwartet, dass sich die Beseitigung der Schäden noch länger hinzieht: „Die Hochwasserhilfe wird sich noch über Jahre hinziehen. Aber wir müssen keine Angst haben, es sind genügend Gelder da. Wir müssen allerdings verantwortungsbewusst damit umgehen.“


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