16.09.2014, 00:00 Uhr

Gewerbegebiete um jeden Preis?

Foto: Lisa FullerFoto: Lisa Fuller

Bund Naturschutz prangert Politik des Flächenverbrauchs und der Naturzerstörung im Landkreis Passau an.

PASSAU Der Landkreis Passau ist der FC Bayern in Sachen Gewerbegebiets-Ausweisung: Spitze in Niederbayern, Platz zwei im Freistaat. Und wie der FC Bayern auch wird der Landkreis Passau gerade deshalb mit mürrischem Argwohn betrachtet und mit Schimpf übersät – von den Naturschützern (siehe Bericht Seite 4). Herbe Kritik, die Landrat Franz Meyer aber wohl – wie FC Bayern-Boss Rummenigge auch – ziemlich gelassen hinnehmen wird. Im Gegenteil: Sie gereicht ihm zur Ehre. Denn viele Gewerbegebiete sind für Kommunalpolitiker stets ein Zeichen für Standortattraktivität und Wirtschaftskraft, sind wichtig, um Geld in die Region zu ziehen und die Menschen in der Region zu halten. Ultima Ratio also – und dafür können schon mal ein paar Bäume und Frösche dran glauben.

Können schon, wenn‘s – wie im Landkreis Passau – nicht von Jahr zu Jahr mehr und mehr werden würde. In den Gemeinden werden Gewerbegebiete auf gut bayerisch zum Saufüttern aus dem Boden gestampft. Und die wollen ja auch besiedelt sein – was schon mal wie im Fall Rathsmannsdorf kontra Vilshofen zu heftigem Konkurrenzkampf unter den Gemeinden innerhalb des Landkreises führt. Und auch dazu, dass so manches Gewebegebiet seit Jahren brachliegt. Oder – stets beliebt – mit Logistik-Centern gefüllt wird oder mit top-modernen Lager-Hallen: viel Platz für Laster und Teile, aber wenig Menschen, die darinnen arbeiten. Und da stellt sich schon die Frage: Braucht wirklich jedes Dorf sein eigenes, Flächen raubendes Gewerbegebiet, um den Preis der Naturzerstörung?

Logisch betrachtet eigentlich nicht. Aber solange die Planungshoheit bei den Gemeinden liegt, wird das so bleiben, weil jedem Bürgermeister im Wettbewerb um Investoren das eigene Hemd näher ist, als der Rock der Nachbargemeinde, auch weil sie bei den Kommunalfinanzen mit dem Rücken zur Wand stehen. Und deshalb kommt es soweit, dass man im Passauer Landratsamt (das ergab eine Anfrage der Grünen), gar nicht so wirklich weiß, wie viele Gewerbegebiete in den 38 Gemeinden im Landkreis eigentlich existieren. Ist das nicht irgendwie irrsinnig?

Die Planungshoheit der Gemeinden ist ein hohes demokratisches Gut und daher in allen Ehren. Aber nicht, wenn sie dazu missbraucht wird, scheinbar ganz legal die Landschaft zu verramschen oder gar zu zerstören. Besser wäre es doch, wenn die Gemeinden bei diesem sensiblen Thema Hand in Hand und ohne Konkurrenzdruck arbeiten würden – zum Wohle der ganzen Region. Es muss nicht sein, dass binnen einem Kilometer zwei riesige Gewebegebiete entstehen, nur weil’s zwei verschiedene Gemeinden sind. Das macht keinen Sinn. Hier müsste der Landrat steuernd eingreifen, damit nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht, sondern daraus eine gemeinsame starke Region wird. Dann klappt‘s auch mit der Natur.


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