25.01.2011, 12:32 Uhr

Passaus ödp-Bürgermeister spricht Klartext Sperrzeit-Zoff: Mangold glaubt an Sieg bei Bürgerbegehren!

Eine mögliche Sperrzeitverlängerung in der Passauer Gastroszene scheint eines der großen lokalen Themen des Jahres 2011 zu werden. Inzwischen hat sich gegen das Vorhaben im Internet eine Bürgerinitiative um den Wirt Andi Vilsmeier formiert, die mittlerweile über 2000 Online-Mitglieder verbuchen kann (www.pawo.de berichtete bereits am Montag). Passaus ödp-Bürgermeister Urban Mangold, der sich für eine Sperrzeitverlängerung ausgesprochen hat, sieht einem möglichen Bürgerbegehren äußerst gelassen entgegen.

PASSAU Alkoholmissbrauch, Vandalismus, Lärmbelästigung: Die Nachtschwärmer in Passau werden derzeit von der Lokalpolitik an den Pranger gestellt. Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Anwohnerbeschwerden in der Innenstadt aufgrund von Lärmbelästigung hat die Stadt nach Antrag der ödp einen Appell an die Staatsregierung geschickt, in der sogar eine bayernweite Sperrzeitverlängerung gefordert wird. Eine Umsetzung, die beispielsweise auch München betreffen würde, halten Experten für eher unwahrscheinlich.

Deshalb soll die Stadt Passau laut Antrag ab 1. Juni eine Neuregelung der Sperrzeit-Verlängerung ins Auge fassen. Die ganze Ironie der Geschichte: Das strengere Nichtraucherschutzgesetz, das auf ödp-Initiative zurückzuführen ist, hat dazu geführt, dass wesentlich mehr Kneipengänger vor der Tür stehen, ihre Zigarette rauchen und den nächtlichen Lärmpegel anheben. Jetzt lautet auf einmal die Rechnung: Je eher der Zapfenstreich, desto schneller kehrt Ruhe ein im nächtlichen Passau.

Passaus JU-Chef Armin Dickl bezeichnet den ödp-Vorstoß als „Papiertiger” und „Augenauswischerei-Antrag”. Er kritisiert, dass alle Nachtschwärmer über einen Kamm geschoren werden. Eine Sperrzeitverlängerung ist in seinen Augen „eine Verschiebung des Problems, aber keine Bekämpfung der Ursachen.” Sowohl Ordnungsamt als auch Polizei seien gefragt, um die bestehende Sperrzeit-Satzung durchzusetzen. Dickl: „Wenn die Kontrollen von Ordnungsamt und Polizei nicht ausreichen, muss man über neue Wege nachdenken!“

Inzwischen gehen die Passauer Wirte auf die Barrikaden, die nach dem Rauchverbot weitere Umsatzeinbußen befürchten. Eine neu gegründete Bürgerinitiative unter der Schirmherrschaft des Gastronomen Andi Vilsmeier (Funky Buddha Bar) hat in kurzer Zeit weit über 2000 Mitglieder sammeln können! „Bürgerinitiative gegen eine Sperrzeitverlängerung” nennt sich die Seite auf Facebook, auf der Vilsmeier innerhalb weniger Tage neben diversen Szene-Wirten zahlreiche Unterstützer gewinnen konnte.

Gegenüber der PaWo meinte Vilsmeier, dass er bis zu 10000 Symphatisanten zusammentrommeln wolle. „Sollte die Stadt im Sommer tatsächlich eine Sperrzeitverlängerung durchsetzen, werden wir dagegen ein Bürgerbegehren starten”, kündigt der Gastronom an. Passaus zweiter Bürgermeister Urban Mangold (ödp) kennt sich mit Bürgerbegehren bestens aus. Er sagt: „Junge Menschen sollen auch weiterhin die vielfältige Passauer Gastronomie erleben und genießen können. Wir brauchen aber einschränkende Maßnahmen, falls sich an den unhaltbaren Zuständen nichts ändert.”

Die Gastronomen hätten es nach Meinung von Mangold jetzt selbst in der Hand, wie sich das Problem entwickelt: „Nachts die Lokaltüre zu, an erkennbar Betrunkene keinen Alkohol mehr ausschenken und schon ist ein Teil des Problems gelöst. Bis zum 1. Juni wollen wir nun beobachten, ob seitens der Gastronomen wirklich etwas unternommen wird!” An seinem Ziel, den geplagten Anwohnern zu helfen, will Passaus zweiter Bürgermeister auf jeden Fall festhalten.

Zu Vilsmeiers Initiative gegen eine Sperrzeitverlängerung meint Mangold: „Falls dagegen ein Bürgerbegehren gestartet wird, hätte ich nichts dagegen. Denn ich glaube, dass die Mehrheit der Passauer auf der Seite der Menschen steht, die um ihre Nachtruhe kämpfen!” Fest steht: Der Sperrzeit-Zoff scheint sich zu Passaus neuem Dauerbrenner zu entwickeln.


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