08.01.2013, 00:00 Uhr

Dran, drauf, drüber übers Römererbe

In der Passauer Innstadt zerstörten Bagger wissentlich das kulturelle Erbe der Stadt.

PASSAU Es ist eine Schande – und es macht deutlich, dass Profit nun mal über allem steht. Beim Bau der Studentenwohnanlage in der Passauer Innstadt war von vornherein klar, dass man schon beim Spatenstich auf die ersten Römerfunde würde stoßen können. Entsprechend waren die Auflagen der Stadt für den Bauherrn (siehe Bericht). Klar war aber auch, dass schon die ersten Tonscherben im Inn landen könnten, nach dem Motto „Hoffentlich hat’s keiner gesehen”.

Denn nichts ist wohl schlimmer für einen Bauherren eines Projekts in dieser Größenordnung, als dass sein Bau monatelang ruhen muss, weil die Archäologen mit ihren Pinseln anrücken und jeden Stein zweimal umdrehen. Denn Zeit ist Geld – und Geld ist nunmal für manche weit wichtiger als so was wie das kulturelle Erbe einer Stadt. Und deshalb: dran, drauf, drüber übers Passauer Römererbe – auf ein paar Tonscherben mehr oder weniger kommt’s eh nicht drauf an. 

Die Stadt hätte dies eigentlich ahnen und durchaus eine Baustellen-Kontrolle durchführen lassen können. Hat sie aber offenbar nicht. Sie vertraute auf ihre Auflagen, dass man sich schon melden würde, wenn ein Römerkrug im Erdreich auftauchen würde. Trau schau wem, heißt aber das Sprichwort! Jetzt ist das kulturelle Erbe verloren – für immer.

Die Vorgehensweise des Bauherrn ist nicht nur rotzfrech, sondern schlicht skrupellos. Gesetzliche Auflagen einfach bewusst zu ignorieren und dafür ein Bußgeld, das man sehr wahrscheinlich aus der Portokasse bezahlt, in Kauf zu nehmen, zeugt von einer ganz bestimmten Grundeinstellung. Aber hier geht es nicht bloß um die Grenzbebauung eines Gartenhäuschens oder eine Erhöhung des Kniestocks (wobei in solchen Fällen ja schon mal der Abriss angeordnet wurde). Hier geht es um höchstes Interesse der Stadt, um allgemeines kulturelles Gut – und unterm Strich schlicht auch ums Prinzip. Denn es darf nicht sein, dass man sich durch ein fünfstelliges Bußgeld von solch handfesten Verstößen einfach „freikaufen” kann. 

Man wird nie mehr erfahren, welch archäologisch bedeutende Schätze eventuell unter dem Beton der Studentenwohnanlage auf ewig begraben liegen. Und irgendwann, wenn der Zorn des Stadtarchäologen verraucht ist, wird sich auch keiner mehr so wirklich dafür interessieren. So ist das nun mal mit kulturellem Erbe. Was dann aber am Ende bleibt, ist, dass sich die Stadt von einem Profitgeier hat eine lange Nase zeigen lassen. 


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