16.11.2010, 13:00 Uhr

Ein Reißzweck’n tät’s vorerst auch

Bayerischer Verdienstorden für Sebastian Frankenberger?

PASSAU Es wäre tatsächlich noch Platz auf der elitärsten aller bayerischen Listen. Rund 1800 haben ihn derzeit, exakt 2000 dürften ihn haben – den Bayerischen Verdienstorden, die höchste Auszeichnung im Freistaat. Und für diese Krönung aller Ehrenzeichen wurde jetzt Sebastian Frankenberger vorgeschlagen – der frisch gebackene Parteichef der ÖDP (siehe Bericht).

Wie, da läuft Ihnen jetzt ein Schauer über den Buckel? Was, Sie halten das ganze für einen Witz – und zwar einen schlechten? Mitnichten! Das ist total ernst gemeint, keines von den Frankenbergerschen Polit-Späßchen, mit denen er sonst das Volk aufwirbelt. Er wurde tatsächlich für diesen noblen Orden aller Orden von Bürgern vorgeschlagen, das Prüfungsverfahren läuft.

Jetzt muss man sich nur noch die Frage stellen: Für welche Verdienste eigentlich? Ah ja, wir erinnern uns: Er hat Bayern gastronomisch gespalten in Raucher und Nichtraucher, in solche, die drinnen sitzen dürfen, und die, die draußen vor der Tür bleiben müssen. Er hat in der Gastronomie Existenzen aufs Spiel gesetzt – und ganz konkret welche vernichtet. Jaja, das ist jetzt übertrieben, nicht er persönlich hat Shisha-Kneipen den Garaus und deren Wirte über Nacht zu Hartz IV-Empfängern gemacht. Das war dann schon das volksentscheidlich beschlossene Gesetz. Aber er ist das Gesicht, das dahintersteckt – und das hat ihn nicht nur bundesweit populär gemacht, sondern auf der Karriereleiter einen mächtigen Satz nach oben hüpfen lassen.

Naja, rund 70 Prozent hat er bei der Wahl zum Parteivorsitz erhalten. Das ließ ihn Winnetou-Geheule anstimmen. Anderen Parteichefs wäre dieses Ergebnis wirklich zum Heulen, denn 70 Prozent sind alles andere als ein handfester Vertrauensbeweis, da müsste schon mindestens die 80 stehen. Aber egal, es sind schon andere Bundeskanzler mit nur einer Stimme Mehrheit geworden – nämlich der eigenen.

Apropos: Wie viel Eigennutz und parteipolitischer Selbstzweck hinter den Volksentscheid-Agitationen wirklich steckt, kann nicht eruiert werden. Soweit kann man aber eins und eins zusammenzählen, dass über diesen Weg die ÖDP jetzt bundesweit punkten möchte – und mit ihr natürlich der neue Häuptling.

Clever ist er also, der Passauer Stadtrat – und seit dem Nichtraucher-Volksentscheid bekannt wie ein bunter Hund und eine feste Größe unter den Polit-Gesichtern. Mit Sicherheit kennen ihn mehr Leute als so manches blasse, bayerische Kabinettsmitglied. Aber reicht das wirklich für einen Orden? Ein ÖDP-Reißzweck’n als Anstecknadel tät’s da doch vorerst wohl auch…


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