20.09.2011, 00:00 Uhr

Oscar oder Väter der Klamotte?

Die Tücken des Passauer Stadtrats im Umgang mit der Live-Sitzung via Internet.

PASSAU Wer weiß, wie viele Passauer es sich am Montag mit der Chipstüte vorm Laptop bequem gemacht haben, um die Internet-Live-Premiere aus dem Passauer Stadtrat zu verfolgen. Und wer weiß, wie gespannt die Polit-Voyeure vorm Bildschirm schon darauf warteten, ob sie den Armin beim Nasenpopeln oder den Peter beim Handyspielen ertappen, wie die Frisur von Hildegunde sitzt, ob der Urban an der Krawatte nestelt, Erika mit dem Nachbarn schwätzt, dem Sepp die Lider runterfallen oder die Silke in den Boden hinein meditiert. Aber leider, leider: Nix war zu sehen. Blackout zum Start, an dem die Bilder im Stadtrat hätte laufen lernen sollen. Na ja, immerhin blieben ja noch die Chips…

Die Premiere vom Stadtrat-TV wurde zum Headnut-TV. Kein Wunder, weil so richtig live in die Haushalte übertragen zu werden, wollen Passaus Bürgervertreter ja eh nicht wirklich – auch nicht der Oberbürgermeister, obwohl er’s nie offen zugeben wird. Weil wie gesagt, es könnte ja der Bürger seinem Stadtrat nun richtig auf die Finger schauen – bequem von daheim aus dem Sessel, statt erst mühsam vor Ort ins Rathaus zu tigern.

Und da gibt es halt den Politiker-Typ, der gerne in jede Kamera springt und zur rhetorischen Hochform zu welchem Thema auch immer aufläuft und dazu an- oder unangebracht seinen Senf abgibt, als ringe er um eine Oscar-Nominierung. Und dann gibt es die Kamera scheuen Typen, die Angst davor haben, in den Fettnapf zu treten, weil sie selber wissen, dass sie im Stadtrat nicht unbedingt eine glückliche Figur abgeben und so vorm Wählervolk womöglich als Väter der Klamotte dastehen könnten. Und denen kommt die Premierenpanne da mit Sicherheit sehr zupass, um das Pilot-Projekt Internet-Stadtrat vielleicht doch noch über die Donau zu kippen.

Stadtpolitik via Internet näher an den Bürger zu bringen ist eine gute Idee. Das funktioniert aber nur, wenn dies als echte Chance für mehr Transparenz gesehen wird, alle dabei mitmachen und das ganze mit vernünftigem Equipment durchgeführt wird. Bis dato ist das eben nicht so. Und eins ist dabei aber auch klar: Keiner im Stadtrat – Persönlichkeitsschutzausflüchte hin oder her – kann sich dann mehr vorm Bürger verstecken. Ob der dann vorm Laptop tatsächlich am politischen Geschehen interessiert ist oder einfach nur mal reinschauen will, ob die Uschi wieder ein neues Kleid hat, das ist eine andere Frage. Aber irgendwie doch auch wichtig, oder..?


0 Kommentare