25.10.2017, 07:30 Uhr

Archäologische Sensation Unter der Halser Kirche älteste Bebauung des Ortes gefunden


Hochwassersanierungsarbeiten legen über 600 Jahre alte Gemäuer frei

PASSAU Eine kleine Sensation für Archäologen: Die Kirche St. Georg im Stadtteil Hals soll ein hochwassersicheres Fundament bekommen. Beim Ausgraben unter dem Fußboden kamen Bögen und alte Mauerreste zum Vorschein. Gefunden wurde wohl nicht, wie anfangs spekuliert wurde, eine noch ältere Kirche unter der nach dem Krieg erbauten. Es handelt sich wohl um das frühere Pfleggericht.

Dieses ist auf den Grundmauern von zwei Häusern errichtet, die wiederum aus der Zeit um 1400 stammen – und somit die älteste, sprich erste Bebauung des jetzigen Passauer Stadtteils Hals darstellen.

Momentan werden die Gemäuer archäologisch dokumentiert, wie Diözesanbaumeister Jochen Jarzombek auf PaWo-Anfrage erklärt. Das geschehe mit moderner Laservermessung, die Dokumentation wird in 3D-Technik visualisiert werden. Somit könne man die Räume virtuell/digital „begehen“.

Eigentlich sollte die Kirche St. Georg einen neuen Fußboden bekommen, da der Unterbau beim Hochwasser 2013 unter- und ausgespült worden und der Kirchenboden in der Folge stellenweise eingesunken war.

Zur Gründung eines hochwassersicheren Fundamentes sollte knapp einen Meter tief ausgegraben werden, dabei stieß man auf die alten Mauern.

Nach der archäologischen Dokumentation, die laut Dr. Alexander Niederfeilner von ArcTron in gut drei Wochen abgeschlossen sein soll, werden die Gemäuer so verfüllt, dass sie nicht zerstört werden. „Wenn in 100 Jahren dort jemand weitergraben will, dann kann man quasi den Deckel wieder aufmachen“, so Diözesanbaumeister Jarzombek, der die Baumaßnahme der Halser Pfarrkirchenstiftung beratend begleitet.

Liegt unter der Kirche der Halser Kreuzritter?

Eine andere Möglichkeit – etwa transparente Elemente in den Kirchenboden einzufügen – hält Jarzombek nicht für nötig. „Man sieht ja nichts Attraktives, solche alten Mauern findet man wahrscheinlich unter vielen Halser Häusern.“

Noch nicht entschieden sei, wer die Mehrkosten trage, da der staatliche Hochwasser-Fonds eigentlich nur die Sanierungskosten zu 100 Prozent übernehme. Bliebe es dabei, säße die Halser Pfarrei als Bauherr und Kostenträger auf 50000 bis 100000 Euro Mehrkosten!

Erste Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalschutz scheinen aber positiv zu verlaufen, eine Übernahme der Gesamtkosten über den Hochwasser-Fonds ist somit sehr wahrscheinlich.

Rätsel gibt noch ein Anbau unter dem jetzigen Altarraum auf. Das wohl nicht ergründet werden kann, da man nicht tiefer als einen Meter graben darf. Ist dort vielleicht die Grablege von Baldemar I. von Hals zu finden, der auf Kreuzzug im Heiligen Land war?

„Nur, wenn er später dorthin umgebettet worden wäre“, so Dr. Niederfeilner.


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