23.10.2017, 00:00 Uhr

Morgen die letzten Zeugenaussagen: Dominik R. räumte nach der Tat Lisas Konto leer!

Der wegen Mordes Angeklagte Dominik R. raucht noch schnell eine Zigarette bevor er ins Landgericht Passau gebracht wird. Foto: Fuller ElisabethDer wegen Mordes Angeklagte Dominik R. raucht noch schnell eine Zigarette bevor er ins Landgericht Passau gebracht wird. Foto: Fuller Elisabeth

Am siebten Prozesstag im Mord-Verfahren gegen den 23-jährigen Dominik R. aus Freyung sagten am Montag, 23. Oktober einige Kripo-Beamte vor der Großen Strafkammer im Passauer Landgericht aus.

PASSAU Die Ermittlungsergebnisse im Zuge des Mordfalls im Herbst 2016 in Freyung wurden tiefergehend verfiziert und nochmals erläutert. Im Großen und Ganzen kamen zwar keine neuen, gravierenden Erkenntnisse ans Licht, aber die Beweislage wurde bestätigt. Einige wichtige Details zur Fahndung, zur Spurensicherung und zur Flucht von Dominik R. wurden geschildert. 

Der erste Zeuge, ein Beamter der KriPo Passau, schilderte den Leichenfund als "gar nicht so einfach". Lisas regloser Körper war in blauen Plastiksäcken in einer Kaminnische unter Katzenstreu verscharrt. "Als wir einen Teil des blauen Sacks aufgerissen  und den schon fortgeschrittenen Verwesungsprozess der jungen Frau in Augenschein genommen hatten, verständigten wir sofort die Rechtsmedizin in München. Eine tiefe Wunde am Hals war sofort sichtbar. Als wir den Sack noch ein Stück weiter öffneten, war sofort eine Vielzahl von vermutlichen Schnittwunden, wahrscheinlich von einem Messer, zu sehen", so der Polizeibeamte. Dass das Schlafzimmer der wahrscheinliche Tatort war, stellten die Polizeibeamten der KriPo Passau nach dem Fund einiger Blutspuren an Matratze und am Boden fest.

Richter Wolfgang Hainzlmayr sorgte zwischen dem zweiten und dritten Zeugen im Großen Sitzungssaal für Aufmerksamkeit : "Nur um das festzuhalten, die Kammer geht zum jetzigen Zeitpunkt nicht fix davon aus, dass die Getötete beim Schlaf mit dem Messerangriff überrascht wurde."

Was natürlich heißt, dass die Bejahung des Mordmerkmals der Heimtücke sich nicht mehr einfach und ohne Revision begründen ließe, so Anwältin Petra Hödl. 

Klug verschleierte Dominik R. seine Flucht, da er in Facebook vorgab, mit der bereits toten Lisa H. und Sohn Luca im Urlaub in Paris zu sein. Ein Beamter, der speziell für die Fahndung zuständig war und die Facebook-Konten von Lisa H., Dominik R., Lisas bester Freundin und Lisas damaligem neuen Freund auf wichtige Anhaltspunkte durchsuchte, schilderte: "Mit Einverständnis von einigen Bekannten der Getöteten, die mir Zugriff auf die Profile gaben, konnten dank Hinweisen und Fotos auf Facebook einige Punkte seiner Flucht in Erfahrung gebracht werden." 

Besonders interessant wurde es, als ein Beamter in Ermittlungen der Finanzlage des Opfers und des Angeklagten berichtete. "Am 28. Oktober, also einen Tag nach dem mutmaßlichen Todestag von Lisa H., wurde das Konto der Getöteten leergeräumt. Insgesamt 1.280 Euro wurden am Freyunger Bankautomaten abgehoben. Und zwar vom Angeklagten Dominik R., der Sohn Luca im Kinderwagen dabei hatte. Dies belegen nachweislich Videoaufnahmen, die am Automaten gemacht wurden", so der Passauer Polizist. "Das ist eindeutig Herr R.", stellte der Richter Wolfgang Hainzlmayr fest.

Ebenso wurden "auffällige Zahlungen" von über 2.000 Euro von Lisas Paypal-Konto nach und nach auf Dominiks Paypal-Konto und danach auf dessen Tipico-Sportwetten-Konto überwiesen. "Von dem Tipico-Konto kann man auf ein beliebiges Konto das Geld abheben. Somit war es natürlich ein kluger Zug, da der Standort des Angeklagten somit lange nicht ermittelt werden konnte", so Anwalt Armin Dersch. Hellhörig machte auch ein kurzer Satz: "Um 3.42 Uhr am 27. Oktober, also der mutmaßlichen Tatnacht, bestellte der Angeklagte Goldbarren im Wert von über 400 Euro über einen Internetanbieter", so der Beamte. Ob Lisa H. zu diesem Zeitpunkt noch gelebt hat, ist fragwürdig. Über Amazon bestellte Dominik R. Babynahrung, Windeln, eine große Tasche und ein Sonnenverdeck fürs Auto - aller Wahrscheinlichkeit nach für seine geplante Flucht ins Ausland.

Insgesamt 38 Rücklastschriften gingen vom Konto der Getöteten zurück an die zig Händler, da der Angeklagte alle Bestellungen, die er online tätigte, in Lisas und auf Lisas Namen machte. 

"Die Schilderungen des Beamten zur Finanzermittlung deutet natürlich darauf hin, dass der Angeklagte unmittelbar nach der Tat versucht hat, so viel Geld wie nur möglich für seine Flucht zu generieren", so der Anwalt von Lisas Vater, Armin Dersch.

Interessant war letztlich auch, dass "irgendjemand wahrscheinlich Zugriff auf Lisa H.s Benutzerkonto in Facebook hatte", so der Ermittler in Sachen digitaler Beweislage im Freyunger Mordfall. Denn Lisas Profilbild wurde am 28. Oktober noch geändert und auch Anfang November kommentierte jemand im Namen des Profils von Lisa unter das bekannte "Eifelturm-Bild" des Angeklagten mit "Danke für den schönen Urlaub".  Eine Masse an Chat-Verläufen über Whatsapp zwischen Lisa H. und ihrem damaligen Freund Dominik R. wurden auf dem Tisch des Richters besprochen.  "Von tiefsinnigen Liebesbekundungen in der einen Sekunde zu massiven Vorwurfshaltungen im nächsten Moment", berichtete der Beamte, der die digitalen Beweismittel auswertete.

Richter Wolfgang Hainzlmayr gab am Ende des Verhandlungstages den Prozessplan bekannt: "Morgen werden die letzten Zeugenbefragungen stattfinden und am Freitag wird das psychologische Gutachten des Angeklagten verlesen. Demnach könnten, solange es keine weiteren Anträge seitens der Staatsanwaltschaft, der Nebenklage und der Verteidigung gibt, eigentlich am 6. November, also viel früher als geplant, die Schlussplädoyers gehalten werden."

"Wirklich festlegen kann man sich aber auf den Tag genau nicht", sagte Anwalt Ronny Raith, der den kleinen Luca in der Nebenklage vertritt. Denn Beweisanträge könnte man noch bis Freitag einreichen und das würde das Ganze wieder ein Stück weit hinauszögern. Läuft aber alles nach besagtem Plan, so würde man schon am 10. November mit einem Urteil der Großen Strafkammer rechnen.

Zur Anklage:

Dem 23-jährige Angeklagte Dominik R. wird vorgeworfen, seine 20-jährige Exfreundin Lisa H., die Mutter des gemeinsames Sohnes Luca, mit 16 Messerstichen erstochen zu haben. Der Freyunger soll die Leiche danach in Plastiksäcken in deren Wohnung in einer Ofennische versteckt haben. Um den Leichengeruch zu überdecken war Katzenstreu über den Plastiksäcken verstreut. Nach der grausamen Tat flüchtete Dominik R. mit Sohn Luca, damals eineinhalb, über Frankreich nach Spanien. Seinen Oberarm ziert seit dem Urlaub eine Tätowierung mit einem spanischen Schriftzug mit "Gracias por todos", zu deutsch "Danke für alles", und dem mutmaßlichen Sterbedatum von Lisa H. Mitte November konnte der Flüchtige in einem spanischen Hotel endlich gefasst werden. Seitdem sitzt der 23-jährige in der JVA Straubing in Untersuchungshaft.

Die Eltern der Getöteten kümmern sich seither liebevoll um den mittlerweile 2-jährigen Luca. Vor kurzem wurde in Freyung ein Spendenkonto für den kleinen Luca eingerichtet:

Zahlungsempfänger: Freyung hilft e.V. "Mordfall Freyung" IBAN: DE53 7405 1230 0060 2430 60 BIC: BYLADEM1FRG

Ein Foto des mutmaßlichen Mörders von der jungen Mutter Lisa H. mit deren beider Sohn Luca.


0 Kommentare