01.08.2017, 10:27 Uhr

Holm Putzke und der neue CSU-Stil

Foto: CSU Passau-Stadt (Foto:Schmid)Foto: CSU Passau-Stadt (Foto:Schmid)

Nach jahrelangem Dämmerschlaf ist die CSU Passau-Stadt endlich aufgewacht.

Da reibt sich aber die Passauer Polit-Landschaft kräftig die Augen: Hat da etwa wer das CSU-Dornröschen wach geküsst oder warum laufen die Schwarzen nach jahrelangem Dämmerdusel plötzlich zu kämpferischer Hochform auf? Man hat den Eindruck, als hätte ihr neuer „Coach“ Holm Putzke der CSU ein Dopingmittel verabreicht, gefühlt vergeht ja fast kein Tag mehr, an dem sie OB Jürgen Dupper nicht eine reinwürgen würden. Zuletzt bei der CSU-Kreisvorstandsschifferlfahrt – die Stadt tue nichts, um Passau „tagungs- und kongressfähig“ zu machen, würde beim Winterhafen ihre planerische Rolle verschlafen und das Peschl-Areal sei dem OB völlig aus dem Ruder gelaufen. Die Kritik, die zur Zeit wie aus einer Stalinorgel über OB Dupper hagelt, trägt dabei eine Handschrift, die völlig neu in Passau ist und vor allem bei der SPD eine wahre Schnappatmung ausgelöst hat, ja fast zu überfordern scheint: CSU-Chef Putzke macht wahr, was er angekündigt hat, nämlich dem OB auf die Füße zu steigen, wo er nur kann. Und da haut er in deutlichen Worten und einer unmissverständlich scharfen, aber eloquenten Tonlage sauber auf den Putz.

Angefangen hat alles ein paar Tage vor Putzkes Wahl zum CSU-Chef, als OB Dupper zusammen mit dem Bayernhafen-Boss die Passauer Winterhafen-Pläne präsentierte – und kein schwarzer MdL durfte mit auf dem Foto posieren, obwohl der Freistaat alleiniger Gesellschafter die Bayernhafen GmbH ist. Was für ein Verrat! Nun, der Stachel saß tief – und die Retourkutsche folgte ein paar Monate später: Die CSU-Granden präsentierten mit dem Ministerpräsidenten die Uni-Ausbaupläne samt neuem Konzertsaal am Löwenbrauerei-Berg – kein OB war da mit auf dem Foto. Und Putzkes Häme folgte auf dem Fuße: „Was für ein Paukenschlag! Der wird Jürgen Dupper noch lange in den Ohren dröhnen. Mal wieder haben ihn die Entwicklungen überholt und er ist ein Zuschauer, der überrumpelt abseits steht. Das war schon so beim Winterhafen Racklau.“ Das saß – seitdem geht‘s rund!

Denn es scheint, als hätte OB Dupper in Holm Putzke einen gefunden, der ihm rhetorisch das Wasser reichen kann. Dass sich das Stadtoberhaupt dazu nicht äußert, ist allzu verständlich. Dafür hat er seine Vasallen, die nun versuchen, die CSU-Kritik als „Palaver“ abzuqualifizieren. Entsprechende Erwiderungen folgen auf dem Fuße. Und der Bürger? Nun, der rätselt, ob er nicht seine Wahlbenachrichtigung verschlampt habe, weil angesichts dieser gegenseitigen Verbalattacken ja schon nächsten Sonntag Wahltag sein könnte.

Keine Sorge, der ist erst in drei Jahren. Aber die CSU ist dabei, sich zu positionieren. Über den neuen Stil kann man streiten, aber die CSU ist – endlich – aufgewacht und motiviert. Fragt sich nur, ob das auch anhält oder nur ein Strohfeuer ist, bei dem das Pulver zu früh verschossen wird.


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