25.04.2017, 00:00 Uhr

Putzke, der „homo sympathicus“

Foto: CSU Passau-StadtFoto: CSU Passau-Stadt

Ein „zuagroaster” Professor soll das Ruder der CSU Passau-Stadt übernehmen.

PASSAU Klappe, Schnitt, Kamera aus! Die Passauer CSU-Spitze hat entschieden: Professor Dr. Holm Putzke, den die PaWo schon bei Steiners Abtritts-Erklärung als heißen Favoriten handelte, soll neuer Vorsitzender der CSU Passau-Stadt werden. Ein Newcomer also soll endlich das Ruder herumreißen, an dem sich Georg Steiner vergeblich abmühte, weil seine Hintermannen bremsten. Der Jura-Professor hingegen – so wird nach außen der Eindruck erweckt – hat volle Rückendeckung. Und nicht nur nach außen: Putzke wäre gar nicht erst angetreten, wäre ihm ein Gegenkandidat in die Quere gekommen. Das hat er bereits im Vorfeld intern klar gemacht – geschickt und diplomatisch. Und ganz offenbar mit einer zündenden Vorstellung, die die CSU-Funktionäre überzeugte. Holm Putzke ist eben ein richtiger „homo sympathicus“, der mit Menschen umgehen kann. Aber: Er ist ein „Zuagroaster“. Das könnte bei den CSU-Mitgliedern bei der Vorstandswahl am 23. Mai doch Zweifel wecken nach dem Motto „Wer is’n des eigentlich?“

Holm Putzke ist alles andere als ein verstaubter Professor. Er trägt Jeans, Sneakers und T-Shirt und überraschte seine Studenten schon mal gewaltig, wenn er auf Partys als DJ den beinharten Sound von Skrillex auflegte. Und er ist ein verdammt kluger Kopf mit Durchblick, von dem schon die linke Berliner „taz“ schreibt, dass seine Worte „haargenau, druckreif – und scharf wie ein Skalpell“ sind. Das war, als Holm Putzke vor fünf Jahren durch seine Aufsätze zur Beschneidungspraxis bei Buben bundesweit für Aufsehen sorgte, die zu einem Urteil führten, dass die Beschneidung Körperverletzung sei. Damals wurde er durch die Polit-Talkshows gereicht.

Eine auffallend liberale Position bezieht der Jura-Professor im Umgang mit Betäubungsmittel: Cannabis-Konsum solle legalisiert bzw. entkriminalisiert werden. Na, wenn das die Bundesdrogenbeauftragte von der CSU hört, wird sie sich die Augen reiben. Aber keine Sorge: Putzke ist wahrlich kein Drogenverherrlicher, er will lediglich – wie er dem BR sagte – die exzessive Bestrafungspraxis stoppen und darauf hinweisen, dass das „Gefährdungspotenzial bei Cannabis weitaus geringer ist, als bei vielen anderen Sachen, die erlaubt sind.“

Was die beiden Beispiele nun zeigen: Holm Putzke ist in seinem Fach eine Koryphäe. Und er ist ein Repräsentant einer fortschrittlich denkenden jungen Generation, die der Politik wahrlich guttun würde. Vor allem der Passauer CSU, die doch noch stellenweise in überholten Traditionen schwimmt. Mit Holm Putzke könnte sie sich frei schwimmen und neuen Anlauf nehmen, ihr Passauer Dauertief zu überwinden. Denn auch wenn er erst seit sieben Jahren in Passau lebt, hat er Zusammenhänge und Entwicklungen schneller umrissen, als so manch anderer. Und sein Engagement zielt in nur eine Richtung: Passaus Zukunft fortschrittlich mitgestalten.


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