28.09.2015, 16:09 Uhr

Zeitweise Behinderungen in der Kachletstraße und dem Lenzenweg Wasserzuleitungen im Donaukraftwerk Kachlet werden erneuert

Foto: Reitmeier/ArchivFoto: Reitmeier/Archiv

Die E.ON Kraftwerke GmbH wird im Auftrag der Rhein-Main-Donau AG, der das Donaukraftwerk Kachlet gehört, im Oktober und November die rund 90 Jahre alte Wasserzuleitung zum Kraftwerk aus dem linken Uferhang der Donau (Ostseite) grundlegend erneuern.

PASSAU Ein erstes Teilstück der Wasserleitung zwischen Kraftwerk und der Staatsstraße ST 2125 beim Umspannwerk der Bayernwerk AG wurde bereits in den1980er Jahren erneuert. Jetzt wird der zweite Leitungsabschnitt in Angriff genommen. Er liegt zwischen dem Umspannwerk und dem unterirdischen, 3,5 Meter in die Erde reichenden Wassersammelbauwerk (sog. Hochbehälter mit 50.000 Liter Fassungsvermögen) im bewaldeten östlichen Uferhang am Ende des nördlichen Fingers des Lenzenwegs.

Die Rhein-Main-Donau AG und die E.ON Kraftwerke GmbH bitten alle Betroffenen vor Ort um Verständnis, dass während der Baumaßnahmen durch eine ortsansässige Baufirma im Lenzenweg und in der nördlichen Kachletstraße bis zur Höhe des Gastronomiebetriebs Halli Galli Zufahrtsbehinderungen für die dortigen Anlieger leider unvermeidlich sind. Auch wenn bereits bei der Planung darauf geachtet wurde, die Auswirkungen auf die Anwohner so gering wie möglich zu halten, sind wechselnde Baggerarbeiten auf der gesamten Breite der betroffenen Straßen- und Wegeabschnitte unumgänglich, da sich im Untergrund sehr viele Rohr- und Kabelleitungen für Energieversorgung, Kommunikation sowie Wasserver- und Abwasserentsorgung befinden. Teilweise wird nur mit Kleinbaggern gearbeitet werden können, um zwischen den verschiedenen Rohr- und Kabelleitungen die Erneuerung der Wasserzuleitung zum Kraftwerk Kachlet ordnungsgemäß ausführen zu können. Das erfordert von den Planern und den ausführenden Fachleuten auf der Baustelle besondere Umsicht. Die entsprechenden Abstimmungen mit den Stadtwerken Passau und den zuständigen Behörden sind bereits im Vorfeld umfassend erfolgt und werden während der Ausführungsphase fortgesetzt.

Die jeweils notwendigen Absperrungen werden im Verlauf der Baumaßnahme mit Schildern vor Ort kenntlich gemacht und auch auf mögliche Umgehungen hingewiesen. Soweit möglich werden die Zufahrten zu den Grundstücken mit Stahlplatten überbrückt. Bei Rückfragen zum Bauverlauf können sich die Anlieger gern an den E.ON Kraftwerke-Projektleiter der Maßnahme, Eckhard Meyer, Mobiltelefon: +49 160 58 55 767, Mail: eckhard.meyer@eon.com, wenden.

Derzeit finden auch noch Umbauarbeiten im rückwärtigen Bereich des Umspannwerks der Stadt Passau an der Kreuzung Lenzenweg - Kachletstraße statt, die bei der Koordination ebenfalls zu berücksichtigen sind.

Ab 1. Oktober. werden in Lenzenweg und Kachletstraße mit Markierungsfarbe die Kennzeichnungen über bestehende Sparten zusammen mit der Stadt Passau vorgenommen, so dass anschließend der künftige Trassenverlauf der zu erneuernden Wasserleitung für das Kraftwerk Kachlet festgelegt und mit den Baggerarbeiten begonnen werden kann. Auch die neue Leitung, die aus umweltverträglichem korrosionsfreien Kunststoff besteht und einen Außen-Durchmesser von 6,3 cm hat, verläuft unterirdisch vom Hochbehälter im Hangbereich über den Lenzenweg hinunter zur Kachletstraße, biegt dort rechts nach Norden ab bis etwa auf Höhe des Halli Galli in der Kachletstraße 16 bzw. des Umspannwerks der Bayernwerk AG, wo sie Richtung Staatsstraße ST 2125 abbiegt. Hier wird sie an das bereits erneuerte, rund 375 Meter lange Rohrstück zum Wasserkraftwerk Kachlet angeschlossen.

Es ist geplant, alle Arbeiten bis Ende November abzuschließen. Insgesamt wendet die Rhein-Main-Donau AG rund 150.000 Euro für die Erneuerung der rund 340 Meter langen Wasserzuleitung auf.

Hintergrund:

Laufwasserkraftwerk Kachlet an der Donau bei Passau

Seit 1927 liefert das Donaukraftwerk Kachlet bei Passau sauberen Grundlaststrom aus Wasserkraft. Es ist das erste Kraftwerk, das an der Donau errichtet wurde und gehört zu den Gründungskraftwerken der Rhein-Main-Donau-AG. Durch regelmäßige Investitionen in Instandhaltung und Wartung ist das Kraftwerk ein guter Beleg für die Nachhaltigkeit von Wasserkraftwerken und zeigt, dass Ökonomie und Ökologie einander nicht ausschließen. Die acht Kaplanturbinen haben eine Ausbauleistung von 53.700 Kilowatt. Die durchschnittlich Stromerzeugung aus dem Regelarbeitsvermögen von rund 319 Millionen Kilowattstunden pro Jahr reichen aus, über 97.400 Privathaushalte (3.275 kWh/a mit 2,06 Personen) umwelt- und klimafreundlich mit elektrischer Energie zu versorgen. Die knapp 49.500 Einwohner der Universitätsstadt Passau könnten mit einer Jahresproduktion rechnerisch rund vier Jahre ihren Haushaltsstrombedarf decken.

Im Zuge des Ausbaus des Donau zu einer europäischen Großschifffahrtsstraße war die Anlage Kachlet zwischen 1922 und 1927 mit acht stehenden Turbinen mit Schirmgeneratoren errichtet worden und 1927 in Betrieb gegangen. Anfang der 1960er Jahre wurden die starrflügeligen Propellerturbinen gegen moderne Kaplanturbinen ausgetauscht, die für die Stromerzeugung bei relativ wenig Fallhöhe und an Flüssen mit großer Wasserführung ideal sind. Durch die verstellbaren Leit- und Laufradschaufeln können Kaplanturbinen auf die jeweilige Wassermenge sehr gut angepasst werden und sind so bestens geeignet für den Einsatz an der Donau. Mit der Umrüstung stieg die Ausbauleistung um rund 28 Prozent auf 53,7 Megawatt.

Zur Stromerzeugung können die acht Turbinen des Kraftwerks an der Staustufe mit sechs Wehrfeldern eine Ausbaufallhöhe von 6,45 Meter nutzen. Bei einer Rotationszahl von 75 Umdrehungen pro Minute dürfen bis zu 1.050 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch das Kraftwerk fließen – das entspricht 7.000 Badewannenfüllungen pro Sekunde.

In den vergangenen 88 Jahren hat der regenerative Dauerläufer Kachlet unvorstellbare rund 28,1 Milliarden Kilowattstunden elektrische Edelenergie aus Wasserkraft geliefert. Damit hat das Kraftwerk Kachlet im Vergleich zum deutschen Energiemix (695 Gramm pro Kilowattstunde) das Klima insgesamt um gut 19,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) oder über 221.000 Tonnen pro Jahr entlastet.

Neben der CO2-Vermeidung leistet auch die 65 Tonnen schwere, vor 15 Jahren modernisierte Rechenreinigungsanlage von Kachlet einen wichtigen Umweltbeitrag zur Reinhaltung der Donau und damit zur Verkehrssicherheit auf der Wasserstraße. Die Rechenreinigungsanlage arbeitet vorwiegend vollautomatisch. In Hochwassersituationen oder aus betrieblichen Anlässen muss sie direkt vor Ort bedient werden; dann sitzt ein Mitarbeiter der E.ON Kraftwerke im Führerhaus. Pro Jahr filtern die die acht Turbinenschutzrechen, jeweils mit einer Breite von 12 Meter und einer Höhe bzw. Tiefe von knapp neun Meter, bis zu 7.000 Kubikmeter Schwemmgut, Wohlstandsmüll, Unrat und Schrott aus der bayerischen Lebensader. Seit der Erneuerung der Rechenreinigungsmaschine im Jahr 2000 gab es durch die Hochwassersituation im Jahr 2005 die höchste Rechengutmenge mit rund 8.800 Kubikmeter, die niedrigste im vergleichsweise Niedrigwasserjahr 2014 mit 3.500 Kubikmeter. Die Entsorgung dieses Materials übernimmt entsprechend den gesetzlichen Vorgaben ein zertifizierter Entsorgungsbetrieb. Das kostet die Rhein-Main-Donau AG bis zu 40.000 Euro pro Jahr.

Kachlet gehört zu einer Kette von 22 Donaukraftwerken zwischen Ulm und Passau, die alle ganz oder mehrheitlich der Rhein-Main-Donau AG gehören. Die 12 Donaukraftwerke zwischen Passau und der Lechmündung werden von E.ON betrieben. Die 10 Donaukraftwerke zwischen Oberelchingen bei Ulm und Donauwörth werden von der Bayerischen Elektrizitätswerke GmbH betrieben.

Die Überwachung und Steuerung des Donaukraftwerks Kachlet erfolgt wie das aller anderen von E.ON betriebsgeführten Donaukraftwerke von der rund um die Uhr besetzten Zentralwarte für die Wasserkraftwerke der E.ON in Landshut aus.


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