11.03.2012, 11:14 Uhr

Münchner Konzertschrammeln Exquisite Salonmusik, singende Zither und böse Lieder

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Leidenschaftlich und voller Charme präsentierten die Münchner Konzertschrammeln ihr Frühlingsprogramm im Kulturhof Mettenheim

METTENHEIM Man stelle sich einen wunderschönen Abend in Wien vor, beim Heurigen etwa, oder in einem anderen gemütlichen „Beisl“ der Stadt, ausgestattet mit einem Achterl Wein und umgeben von schluchzenden Geigen, rührseligen Wiener Liedern und berühmt-berüchtigtem Wiener Schmäh. Dann mixe man dieses Bild mit bärbeißigem „Blitzschwabentum“ und japanischer Höflichkeit, schmecke es mit ungarischem Paprika und Münchner „Grant“ ab und übertrage das Ganze nach Oberbayern. Schon hat man das leidenschaftliche Musikergemisch vor Augen, das in der Lage war, in einmaliger Besetzung und mit unbändiger Spielfreude das Mettenheimer Publikum musikalisch um den Finger zu wickeln und zwei Stunden lang bestens zu unterhalten.

Viele waren gekommen, um sie zu hören – die „Münchner Konzertschrammeln“: Toyomi Suzuki an der Geige, Arpad György am Bass – beides Mitglieder des Münchner Rundfunkorchesters und wahre Koryphäen auf ihrem Gebiet – Martin Lamprecht an der Gitarre, Notengrafiker, Verleger und Allrounder in allen Musikbereichen und natürlich Lothar Lägel, „der singende Zitherkünstler“, der sich durch seine rege Konzerttätigkeit im In- und Ausland in vielen Genres zu Hause fühlt und an diesem Frühlingsabend auf ebenso interessante wie für ihn typisch schelmische beziehungsweise liebenswert trockene Augsburger Art den Conferencier gab.

Bereits die „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Johann Strauß Sohn zeigten dem Zuhörer, dass er es bei diesem Konzert mit ungewöhnlichen Neubearbeitungen zu tun haben wird. Es ist das einzige Orchesterwerk des Walzerkönigs, das die Zither solistisch verwendet und damit für ein Quartett musikalisch eigentlich gar nicht umzusetzen ist. Kein Problem jedoch für die „Münchner Konzertschrammeln“, für die derartige Schwierigkeiten eher eine willkommene Herausforderung bedeuten. In Anlehnung an die alte „Münchner“ Schrammelbesetzung setzen sie die Zither als zweites Melodieinstrument ein und sind es somit gewohnt, größere wie kleinere Orchesterparts auf vier Instrumente „herunterzuschrauben“, ohne dabei auf volles Klangvolumen zu verzichten.

Dieses Hörerlebnis gab es über Strauß und Lanner hinaus auch mit „Alt Wien“ von Leopold Godowsky, einem der genialsten Pianisten aller Zeiten, der sogar die Etüden seines Landsmannes Chopin bearbeitete, weil sie ihm zu leicht waren. Mit besonderer Hingabe widmeten sich die vier Vollblutmusiker jedoch dem „Johann Strauß der bayerischen Berge“, Georg Freundorfer, der als Münchner Zithervirtuose, Komponist und Kapellmeister, vor allem in den 1920er und 1930er Jahren seine Zuhörer mehr als begeisterte, beispielsweise mit so berühmten Stücken wie „Der Weg zum Herzen“ und „Die singende Zither“, welches diesem Programm wiederum seinen Namen gegeben hat.

Dass es sich nicht nur in der traditionellen Wiener Musik des 19. Jahrhunderts auskennt, sondern in der Salonmusik an sich beheimatet ist, in der jedes Stück ein künstlerisches Unikat darstellt, bewies das Quartett nach der Pause. Die Tangos „Jalousie“ von Jacob Gade und „Ole Guapa“ von Arie Maasland ließen nicht nur die Fußspitzen, sondern auch die Stimmbänder der Zuschauer vibrieren, während die melancholisch, klassische „Elegie“ von Arno Babadschanjan für angenehm träumerische Stimmung sorgte – Salonkultur vom Feinsten!

Absolute Höhepunkte aber setzten die „bösen Lieder“ des im letzten Jahr verstorbenen Wiener Kabarettisten, Komponisten, Pianisten, Sängers und Schriftstellers Georg Kreisler, der mit seinem unvergleichlichen schwarzen, tiefsinnigen und poetischen Humor das deutschsprachige Musikkabarett stark geprägt hat und dessen Markenzeichen es war, eingängige Wiener Melodien mit wunderbar „grausigen Inhalten“ zu verbinden. Auch in diesem Programm, passend bunt eingestreut und herrlich authentisch interpretiert von Lothar Lägel, führten diese Evergreens immer wieder zu Lacherfolgen. Mit „Tauben vergiften“, dem wohl bekanntestem „Frühlingslied“ des heiteren Misanthropen, aber auch mit dem „Guaten alten Franz“, „Mein Weib will mich verlassen“ oder „Am Totenbett“ ließ man die Kabarettlegende Kreisler noch einmal wiederauferstehen und brachte das Publikum dazu, das Ensemble fast nicht von der Bühne zu lassen, worauf das Programm noch um „ca.“ zwei, also drei(!) Zugaben komplettiert wurde.


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