11.06.2019, 14:42 Uhr

Diagnose „MS“ Sylvana hat sich ins Leben zurückgekämpft


Vor sechs Jahren bekam die 31-jährige Mühldorferin die niederschmetternde Diagnose.

MÜHLDORF/BURGHAUSEN Es sind zwei Geschichten, die darauf warten, erzählt zu werden: Einmal die Geschichte einer jungen Frau, die sich ihr Leben Stück für Stück zurückerobert hat. Und dann die Geschichte einer Liebe, die den schweren Schicksalsschlag überdauert hat. Eine Liebe, die das Versprechen „In guten wie in schlechten Tagen“ bis heute gehalten hat ...

Ich treffe Sylvana in einem Café. Die hübsche junge Frau mit dem magentafarbenen Schopf winkt mir schon von Weitem zu. Sie strahlt. Ihren Espresso nimmt sie mit zwei Päckchen Zucker. „Ich mag es süß“, lacht sie. Kein Zweifel, die 31-Jährige ist ein lebenslustiger und positiver Mensch. Das einzig irritierende an dem Bild ist der Rollstuhl, in dem sie sitzt ...

Anfang 2013 hatte die damals 25-Jährige ungewöhnliche Symptome. „Mein linker Fuß wurde erst taub und dann habe ich ihn überhaupt nicht mehr gespürt. Und plötzlich habe ich auch noch Doppelbilder gesehen.“ Viel zu spät, wie sie selbst einräumt, vertraute sie sich der Medizin an. „Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern, als der Arzt im Krankenhaus an mein Bett trat. Er müsse mir leider mitteilen, dass ich an Multipler Sklerose leide, sagte er.“ Sylvana fühlte anfangs eher so etwas wie Erleichterung darüber, endlich Gewissheit zu haben. Und dann kamen die heftigen Krankheitsschübe, die sie teilweise ans Bett fesselten. „Manchmal konnte ich keinen Muskel in meinem Körper mehr bewegen.“

Mit ihrem damaligen Freund Chris war Sylvana erst ein knappes Jahr zusammen, als sie die Diagnose erhielt. „Ich habe zu ihm gesagt, geh´ und leb´ Dein Leben. Er sagte, nein, ich bleibe.“ Innerlich habe sie damit gerechnet, dass er sich einige Monate später trotzdem verabschieden würde, verrät sie. „Wer kettet sich in diesem Alter an einen so schwerkranken Menschen? Ich hätte es verstanden.“ Doch Chris Kempf ist geblieben und am 10. Oktober 2015 hat er sie zur Ehefrau genommen.

Wenn Sylvana von ihrem Mann spricht, bekommen ihre Augen einen besonderen Glanz. „Er sagt immer, dass er mit keiner Anderen so viel Lachen könnte.“ Und sie fügt leise hinzu: „Er ist mein Ein und Alles.“

Die „schlechten Tage“ kamen. Schon 2014 konnte Sylvana beide Beine nicht mehr fühlen, Ende 2016 war der Rollstuhl unausweichlich. „Ich habe ihn farblich passend zu meiner Haarfarbe genommen“, deutet sie nach unten auf das Gefährt und lacht.

Es gab Tage, an denen Chris seine Sylvana aus dem Bett heben und sie anziehen musste. Es gab Momente, da war sie nicht die lebenslustige Frau, sondern niedergeschlagen und mutlos. Doch sie hat den Kampf gegen ihre Krankheit niemals aufgegeben.

Regelmäßig geht sie ins Fitnessstudio, um ihre Arme und Beine zu trainieren. Und das obwohl sie Sport eigentlich hasst. „Es ist schon seltsam, deinen Beinen beim Training zuzusehen und sie nicht zu spüren.“ Ihren Rollstuhl kann Sylvana inzwischen alleine aus dem Auto heben und wieder verstauen. Darauf ist sie stolz. Daheim in den eigenen vier Wänden bewegt sie sich ohne Rollstuhl vorwärts. „Das geht aber nur, wenn ich mich ständig irgendwo festhalte.“

Sylvana lässt sich von der MS keine Ketten anlegen. Ihre Hochzeitsreise 2017 in die Türkei hat sie mit dem „Rolli“ gemacht. „Ich hatte zuerst Angst, aber es war die schönste Urlaubsreise meines Lebens. Es wird dir überall geholfen.“ Sie liebt es auszugehen und findet immer einen Weg, dorthin zu gelangen, wo sie gerne sein möchte. „Geht nicht, gibt´s nicht“, das ist das Lebensmotto der 31-Jährigen. Den nötigen Rückhalt bekommt sie von ihrer Familie und ihren Freunden.

Eine Sache gibt es dann doch, die nicht geht: „Mein großer Traum wäre es, mit meinem Mann einen Tanzkurs zu machen.“ Die Hoffnung hat sie noch nicht aufgegeben ...


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