08.10.2014, 14:26 Uhr

Gedächtnisweltmeister Boris N. Konrad verrät seine Tricks am 23. Oktober Deutschlands "Superhirn" packt aus

Foto: Doris WildFoto: Doris Wild

Im Gedächtnissport gehört Boris Nikolai Konrad seit Jahren zur absoluten Weltspitze. Denn der Physiker und Autor ist nicht nur mehrfacher Gedächtnis-Weltmeister oder steht im Guinness Buch der Rekorde, sondern fasziniert auch immer wieder das Fernsehpublikum („Wetten dass...?“, „Deutschlands Superhirn“, „The Brain“ im chinesischen TV) mit seinen Fähigkeiten.

ERGOLDING Wie jeder einzelne von uns sein Gedächtnis auf Vordermann bringen kann, das zeigt der Hirnforscher in einem spannenden, unterhaltsamen Vortrag am 23. Oktober um 19.30 Uhr im Bürgersaal Ergolding. Dort tritt das „Superhirn“ nämlich im Rahmen der vom Wochenblatt präsentierten Benefizaktion „Ein denk-würdiger Abend“ zusammen mit weiteren Acts wie Comedian Chris Boettcher zugunsten von Sternstunden e.V. auf. Vorab ließ sich Konrad allerdings schon einmal im Wochenblatt-Interview ein wenig in die Karten blicken und verrät, wie das mit seinem phänomenalen Gedächtnis funktioniert.

Wochenblatt: Herr Konrad, Sie gelten als absoluter Spezialist im „Namen merken“ und sind in dieser Disziplin sogar Weltmeister. Verraten Sie uns doch mal, wie Sie es schaffen, sich in 15 Minuten 201 Namen zu den passenden Gesichtern zu merken?

Boris Nikolai Konrad: Das geht nur mit Gedächtnistechniken, die ich erlernt und trainiert habe. Konkret benutzen diese die Idee, in Bildern zu denken. Dadurch werden andere Gedächtnissysteme beim Lernen aktiviert, die deutlich besser funktionieren als etwa das Namensgedächtnis. Bei Namen würde ich also konkret ein Bild suchen, etwa ein Wort das ähnlich klingt oder eine bekannte Person gleichen Namens. Das muss ich mir dann vorstellen und zwar in Verbindung mit der realen Person, die ich gerade sehe, damit der Name auch mit dem Gesicht verknüpft ist.

WB. Mit welchen Bildern würden Sie sich zum Beispiel meinen Namen „Sabrina Walter“ merken?

Konrad: Sie gehen im Wald – für Walter – spazieren und sehen dort etwa vielleicht eine Pflanze oder einen Pilz, den sie nicht identifizieren können, weil er zu klein ist. Deshalb Sehen sie mit einer BRIlle NAch (Sabrina). Wenn sie das zum ersten Mal hören, denken sich viele, dass sei ja noch schwerer. Dann müsste man sich ja die ganze Geschichte merken und die Bilder noch zuordnen können. Letzteres stimmt zwar, aber das fällt unserem Gedächtnis leicht. Die Geschiche ist visuell, lustig und kreativ und daher für unser Gehirn viel leichter zu merken.

WB: 2011 und 2014 haben Sie zwei weitere Guinness-Weltrekorde in den Disziplinen „Geburtsdaten merken“ und „Hauptstädte wissen“ aufgestellt. Mit welchen ,Eselsbrücken‘ arbeiten Sie hier jeweils?

Konrad: Bei den Geburtsdaten verwende ich mein Zahlensystem, das im Gedächtnissport eine große Rolle spielt. Jeder zweistelligen Zahl habe ich ein Bild zugeordnet über das sogenannte Major-System. Aus einem Geburtsdatum werden so drei Bilder: Tag, Monat und Jahr. Bei den Hauptstädten verwende ich die Schlüsselwortmethode. Das ist im Prinzip ganz ähnlich zu den Namen. Für Madagascar nehme ich eine Made, da reicht schon. Für die Hauptstadt Antananarivo An, Ananas und riechen. Daraus muss ich dann nur wieder eine lustige Geschichte bauen.

WB: Wenn ich Sie jetzt nach der Hauptstadt von Honduras frage. Wie heißt Sie und wie leiten Sie sich diese her?

Konrad: Tegucigalpa. Auf der Honda fahre ich zu einem Tee-Laden, der den Tee in Gucci-Taschen verkauft. Habe ich Tee und Gucci, fällt mir auch gleich Tegucigalpa ein.

WB: Wann haben Sie bemerkt, dass Sie sich mehr merken können als andere Leute in Ihrer Umgebung?

Konrad: Das war damals im Physikstudium, als mich diese radioaktive Spinne gebissen hat. (grinst) Nein, das habe ich nie gemerkt. In der Schule war ich im Lernen nicht besser als andere. Zum Abitur hin habe ich Gedächtnistechniken entdeckt und angefangen zu üben und gesehen, dass ich mich dadurch beim Lernen und Merken enorm verbessere, so dass ich dann auch mal so eine Gedächtnismeisterschaft ausprobieren wollte. Die hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin.

WB: Welchen Rekord würden Sie in Zukunft noch gerne aufstellen?

Konrad: Ich würde gerne die Gesamtwertung aller zehn Disziplinen der Weltmeisterschaft gewinnen. Das ist mir noch nicht geglückt.

WB: Gibt es eigentlich irgendetwas, das Sie sich überhaupt nicht merken können oder wo es Ihnen zumindest schwerer fällt?

Konrad: Immer dann, wenn ich meine Methoden nicht anwenden kann. Etwa die Aussprache zu lernen bei Fremdsprachen. Ich habe heute einen riesigen Wortschatz im Englischen, mit dem ich sehr zufrieden bin. Aber am ersten Wort mit „th“ erkennt auch heute noch jeder Engländer, oder zumindest jeder Englischlehrer, dass ich aus Deutschland bin.

WB: Sie haben ja nicht nur im deutschen Fernsehen mehrfach Ihr Superhirn unter Beweis gestellt, sondern sind auch in der chinesischen Sendung „The Brain“ vor 100 Millionen Zuschauern aufgetreten. Wie kam es dazu?

Konrad: Die Sendung basiert auf dem Konzept der deutschen Show „Superhirn“. Die chinesische Redaktion hat sich aber überlegt, nicht nur den besten Chinesen zu suchen, sondern die besten aus ihrem Land gegen internationale Konkurrenz antreten zu lassen. Da ich 2012 die deutsche Ausgabe gewonnen habe, wurde ich eingeladen. Eine absolut unvergessliche Erfahrung, auch ganz ohne Gedächtnistraining!

WB: Kommen wir zu Ihrem Auftritt in Ergolding. Auf Ihrer Homepage versprechen Sie, dass Teilnehmer Ihrer Vorträge „Gedächtnisleistungen vollbringen, die sie selbst vorher für unmöglich gehalten hätten“. Können Sie hierfür ein konkretes Beispiel nennen?

Konrad: In einer Übung werden wir uns zum Beispiel 20 zufällige Begriffe in wenigen Minuten in der richtigen Reihenfolge merken und die Teilnehmer werden diese hinterher vorwärts und rückwärts problemlos aufsagen und auch jedes einzelne Element an der exakten Position anrufen können. Und dabei so viel Spaß haben, dass sie gar nicht mitkriegen, was sie sich „nebenbei“ noch gemerkt haben. Das verrate ich aber erst beim Auftritt!

WB: Sie sagen auch „Ein gutes Gedächtnis ist erlernbar!“. Gilt das wirklich für jeden und jedes Alter?

Konrad: Das gilt für jeden in jedem Alter, sofern wir über gesunde Menschen sprechen. Alter oder Talent sind nicht relevant für die Verbesserung. Natürlich kann nicht jeder Rekorde aufstellen, aber jeder kann seine eigene Leistung erheblich verbessern und damit jeden Untrainierten in kürzester Zeit hinter sich lassen. Einzige Ausnahme ist dann eine bereits eingetretene Demenzerkrankung wie Alzheimer, da ist mein Training dann doch zu kompliziert und nicht mehr das Richtige.

WB: Zum Schluss dürfen Sie noch einmal die Werbetrommel für die Veranstaltung „Ein denk-würdiger Abend“ rühren. Warum sollten sich unsere Leser diesen Abend mit Ihnen nicht entgehen lassen?

Konrad: Weil es ein absolut denk-würdiger und unvergesslicher Abend wird, bei dem es jede Menge zu Lachen und zu Staunen gibt. Und am Ende merken sie verblüfft, dass sie dabei ganz ohne Anstrengung mit viel Spaß tatsächlich eine ganze Menge gelernt haben – auch darüber, wie sie Ihr Gehirn besser nutzen und ihr Gedächtnis verbessern können. Und das Ganze noch für den guten Zweck zu Gunsten von Sternstunden e.V.

Karten für den „denk-würdigen Abend“ am 23. Oktober mit Boris Nikolai Konrad gibt es beim Wochenblatt-Ticketservice, Telefon (0871) 1419157, und beim Rathaus Ergolding.


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