07.10.2014, 14:43 Uhr

Suche nach schadhaften Stellen Flugdrohne nimmt unseren Martinsturm ins Visier

Foto: BrunnerFoto: Brunner

Mit einer Flugdrohne wird jetzt das Wahrzeichen von Landshut, der Turm der Martinskirche, ins Visier genommen. Mit dem Fluggerät soll nach schadhaften Stellen am Turm gesucht werden.

LANDSHUT Schon mit bloßem Auge erkennt man von unten, dass es an der Fassade des Martinsturms schadhafte Stellen gibt: Bewuchs, Feuchtigkeit, Abplatzungen. Um die notwendigen Pflege- und Sanierungsmaßnahmen beurteilen und planen zu können, ist eine genaue Inspektion erforderlich.

Die Kirchenverwaltung von St. Martin hat sich nach Beratung mit Architekt Bernhard Fischer und mit dem Baureferat des Erzbischöflichen Ordinariats München dafür entschieden, die Münchener Firma Stellasolar Engeneering mit der Inspektion zu beauftragen, die dazu den Turm mittels „Multikoptern“ befliegen wird.

„Der Vorteil dieses Verfahrens besteht darin, dass man aus dem Bildmaterial maßstabsgerechte und entzerrte Ansichten der Turmseiten gewinnt, sogenannte Orthofotos, die als Grundlage für eine zentimetergenaue Planerstellung dienen“, heißt in einer Pressemitteilung von Stiftspropst Franz Joseph Baur.

Gleichwohl bedürfe es auch noch einer seilgestützten Untersuchung der einzelnen Schadstellen, bevor eine eventuell anstehende Fassadensanierung insgesamt geplant werden könne. Ein Kletterer wird die auffälligen Stellen direkt in Augenschein nehmen.

Für die Befliegung des Martinsturms ist ein Zeitfenster von zwei Wochen ab Montag vorgesehen. Wenn die Wetter-, Wind- und Lichtbedingungen stimmen, können die geplanten Aufnahmen innerhalb von ein bis zwei Tagen durchgeführt werden. Ausgeschlossen sind die Zeiten des morgendlichen Lieferverkehrs und des Wochenmarkts am Freitag.

„Schwierig dürfte es auch gegen Nachmittag werden, wenn erfahrungsgemäß der Wind zunimmt, und um den Turm herum Luftwirbel entstehen“, so Baur. Das Zeitfenster ist mit den Behörden abgesprochen, sodass kein Konflikt mit sonstigen Veranstaltungen in der Altstadt entsteht. „Auch die Naturschutzbehörden haben keinen Einwand. Denn das Wanderfalken-Pärchen, das oben auf dem Martinsturm nistet, ist außerhalb der Balz- oder Brutzeit tagsüber auf Nahrungssuche außerhalb der Stadt und wird den Eindringling in seinen Luftraum nicht bemerken“, so Baur.

Die eigentlichen Flüge sind eher unspektakulär. Der Multikopter ist ein kleines Gerät mit sechs oder acht Rotoren. Die Leistung des elektrischen Akkus reicht nur für kurze Flüge aus. Die Drohne wird also mehrmals aufsteigen, eine Seite des Turms abfotografieren und wieder landen. Spektakuläre Flugmanöver sind nicht erforderlich.

Ein großer Teil der Arbeit wird dann in der Auswertung und Aufbereitung der Daten am Computer im Büro bestehen. Doch auch der logistische Aufwand bei der Befliegung ist erheblich. Um den Turm herum wird eine Zone immer wieder vorübergehend für Fußgänger abgesperrt werden, um den Aufstiegs- und Landeplatz der Drohne frei zu halten.

Es wird dafür gesorgt, dass niemand erschrocken über seinem Kopf ein unbekanntes Flugobjekt bemerkt. Auch die Gäste in den Straßencafés müssen vorübergehend Platz machen, können dafür aber aus sicherem Abstand zuschauen, wie die Tauben auf den eigenartigen neuen Vogel in ihrem Revier am Martinsturm reagieren.


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