21.02.2014, 16:03 Uhr

Wiesmüller-Schwarzbau: Verwaltung wollte Auge zudrücken, der Bausenat nicht Das Mauer-Monstrum muss weg – jedenfalls teilweise

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Die Verwaltung wollte Gnade vor Recht ergehen lassen und die schwarz gebaute Mauer des Vorsitzenden der Freunde der Altstadt, Architekt Josef Wiesmüller, nachträglich genehmigen. Der Bausenat blieb allerdings hart und fasste am Freitag einen anderen Entschluss. Der hat Signalwirkung.

LANDSHUT Das Gremium beschloss, dass das "Monstrum" im Stadtteil Achdorf, wie es der Stadtheimatpfleger in seiner Stellungnahme bezeichnete, auf zwei Meter zurückgebaut wird. Diese Höhe ist aus juristischer Sicht unbedenklich, weil Bauherren erst jenseits der zwei Meter eine Genehmigung für Gartenmauern einholen müssen. Für Wiesmüller, der vor allem als Vorsitzender der Freunde der Altstadt in den letzten Wochen für Schlagzeilen sorgte, ist das ein herber Schlag.

Anders als die Verwaltung sahen es die Bausenatsmitglieder nicht als "unverhältnismäßig" an, dass die Mauer zurückgebaut wird. Vor allem, nachdem sich auch das Landesamt für Denkmalpflege zu dem einer Burgmauer ähnlichen Objekt eindeutig äußerte. Zitat: "Art und Ausführung der Mauer ist sehr phantasievoll, jedoch stilistisch überzogen. Deshalb wirkt sich dieses Bauwerk nachteilig auf das äußere Erscheinungsbild des benachbarten Baudenkmals (die Kirche St. Margaret, Anmerkung der Redaktion) aus. Bereits die unmaßstäbliche Ausführung des Balkons lässt ein Feingefühl für die Belange der Denkmalpflege vermissen." Die Verwaltung hatte in ihrer Beschlussvorlage ursprünglich nur verlangt, dass die "farbigen Applikationen", die blau-weißen Dachziegel also, entfernt werden.

Besonders pikant ist die Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege, da sich Wiesmüller in seiner Funktion als Vereinsvorsitzender der Altstadtfreunde massiv für Denkmalschutz in der Innenstadt einsetzt und vermeintliche Missstände dort heftig öffentlich kritisiert. Aus dem Mund von CSU-Stadträtin Dagmar Kaindl hört sich das so an: "Er überwacht die Stadt in Sachen Denkmalschutz."

Aber auch die anderen Bausenatsmitglieder der verschiedenen Parteien hatten kein Verständnis für den Schwarzbau und wollten ihn nachträglich nicht genehmigen. Tenor: So öffne man Tür und Tor für Nachahmer. Auch kam zur Sprache, dass die Stadt in anderen baurechtlichen Sachen rigoros handle. CSU-Stadtrat Rudi Schnur: "Die Stadt geht bisweilen mit äußerster Brutalität gegen Kleinigkeiten vor." Einen so eklatanten Verstoß könne man deshalb unmöglich dulden. Erst recht nicht, da Wiesmüller ein Architekt sei und die Vorschriften kennen müsse. Genauso oder ähnlich sahen es Erwin Schneck (Freie Wähler) und Bernd Friedrich von den Bürgern für Landshut ("Das ist nicht genehmigungsfähig").

Selbst von den Grünen kam keine Rückendeckung. Susanne Fischer forderte den Rückbau auf eine Höhe von zwei Metern und sogar ein Bußgeld, um ein Zeichen zu setzen. Bürgermeister Gerd Steinberger (SPD) brachte sogar noch einen – in seinen Augen – weiteren Verstoß des Architekten bei der Sanierung des ehemaligen Schulhauses ins Spiel, der in der Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege angesprochen wurde: "Mich interessiert vor allem auch der Balkon." Der erscheine überdimensioniert. In einem vergleichbaren Fall habe der auf Drängen der Verwaltung – der Fall liegt aber schon Jahre zurück – weggerissen werden müssen. "Mir geht es um Gerechtigkeit", so Steinberger.

Vorwürfe musste sich auch der Leiter des Baureferates, Johannes Doll gefallen lassen. Der hatte in seinem Beschlussvorschlag ein Auge zudrücken wollte. Er rechtfertigte sich aber damit, dass die Nachbarn dem Mauerbau nachträglich zugestimmt hatten. Die Tatsache, dass Abstandsflächen nicht eingehalten worden sind, spielte für sein Baureferat deshalb keine Rolle mehr.

Für Bauherren in Landshut hat dieser Beschluss des Bausenats eine eindeutige Signalwirkung: Das Baureferat wird in Zukunft wohl ganz rigide gegen Schwarzbauten vorgehen.

Das Wochenblatt hatte als erstes Medium den Fall aufgegriffen. Mehr Informationen gibt es hier.


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