29.01.2014, 10:14 Uhr

Eller gegen Wiesmüller und die Frage, wie man in Landshut mit Schwarzbauten umgehen soll. "Die Mauer muss weg!"

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Der Streit um die überdimensionierte Gartenmauer in Achdorf eskaliert: Der Landshuter Unternehmer Johann Eller fordert die Abrissbirne.

LANDSHUT Wer sich mit dem Landshuter Unternehmer Johann Eller anlegt, der kann sich auf was gefasst machen. Das bekommt jetzt Architekt Josef Wiesmüller, Vorsitzender der Freunde der Altstadt, zu spüren. Wiesmüller und dessen Verein wollen verhindern, dass Eller das Moserbräu-Gebäude abreißen lässt. Der Baulöwe selbst sieht sich dabei zu Unrecht als jemand hingestellt, der historisch wertvolle Gebäude einfach platt macht. Eller will das nicht auf sich sitzen lassen, bläst seinerseits zur Attacke und wendet sich in einem Schreiben an den Bausenat der Stadt.

Eine überdimensionierte Gartenmauer, die der Architekt vor seinem denkmalgeschützten Haus in Achdorf schwarz gebaut hat (das Wochenblatt berichtete), soll der jetzt abreißen, fordert Eller. In dem Schreiben an die Stadträte der Stadt Landshut führt er – in seinen Augen – weitere Verfehlungen des Architekten auf. Unter anderem geht es um einen Balkon am denkmalgeschützten Haus des Architekten, der laut Eller ebenfalls erst gebaut und dann nachträglich genehmigt wurde.

Laut dem Schreiben an den Bausenat will Eller nun erfahren haben, dass Wiesmüllers Mauer ebenfalls nachträglich genehmigt werden soll. „Sollte das der Fall sein, ist diese Willkür für alle Bauwilligen und Bauherren eine Steilvorlage“, so Eller. Das bedeute für alle Bürger, sie könnten nach eigener Fantasie alles bauen. Er selber, so Eller, habe dagegen „eine kleine Dachgaube abreißen“ müssen, obwohl diese weder von der Burg noch von der Martinskirche einsehbar gewesen sei. Eller: „Wo ist da die Gerechtigkeit?“

Ungeachtet des emotionalen Hintergrundes der ganzen Angelegenheit stellt sich tatsächlich eine Frage, die für alle Bauherren in der Stadt von Bedeutung ist: Lohnt es sich tatsächlich, erst einmal zu bauen und dann nachträglich um eine Genehmigung zu bitten, sollte es Ärger geben? Baureferatsleiter Johannes Doll kennt natürlich diese bei manchen Bauherren beliebte Praxis. „Das gibt es in jeder Kommune“, sagt er. „Allerdings ist das ein riskantes Spiel“, gibt er zu bedenken. Zwar würden tatsächlich viele Schwarzbauten nachträglich genehmigt. Sind aber nachbarschaftliche Belange betroffen, würde man durchaus durchgreifen. Doll nennt ein Beispiel in Achdorf. „Da hat jemand seinen Balkon ohne Genehmigung größer als festgelegt gebaut. Ein Nachbar hat sich beschwert, weil man dadurch auf seine Terrasse einsehen konnte“, erzählt er. Die Folge: Dolls Behörde verdonnert den Bauherren dazu, den Balkon wegzureißen. „So etwas kann natürlich teuer werden.“ Ein weiteres Beispiel finde sich in der Nähe des Südbahnhofes. Dort wird ein Bauherr wohl eine schwarz gebaute Mauer zu einem Nachbargrundstück wieder wegreißen müssen. „Wenn Nachbarn betroffen sind, dann sind wir schnell in einer Situation, wo wir nicht mehr anders können.“ Und was bedeutet das jetzt für Wiesmüllers Mauer? In der Angelegenheit, so Doll, sei noch keine Entscheidung gefallen. „Die Sache liegt momentan beim Denkmalschutz“, so der Baureferatsleiter. Die Experten wollen beurteilen, wie das Bauwerk das benachbarte Einzeldenkmal „Margaretenkirche“ beeinflusst. Liegt diese Stellungnahme vor, werde sich der Bausenat mit der Frage befassen. Bis dahin darf die Mauer erstmal bleiben.


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