22.01.2014, 10:14 Uhr

Anwalt macht Landshuter Unternehmen nach zweiter Pleite schwere Vorwürfe LFoundry: Die Insolvenz als Geschäftsmodell?

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Nach dem Werk in Landshut ist jetzt auch die LFoundry-Fabrik in Rousset in Frankreich in die Insolvenz gerutscht. Ein französischer Anwalt macht der in Landshut ansässigen Gesellschaft schwere Vorwürfe. Das Unternehmen, das im letzten Jahr ein Werk in Italien gekauft hat, weist die zurück.

LANDSHUT "Es spielt sich hier genau das Gleiche ab wie in Niederbayern“, sagt Fiodor Rilov. Der Rechtsanwalt aus Paris ist in Frankreich bekannt dafür, dass er für Arbeitnehmerrechte geradezu verbissen kämpft. Seine bisherigen Gegner aus der Industrie haben klangvolle Namen: Sony, Goodyear, Continental und Samsonite gehören dazu. Seit Kurzem hat Rilov zwei neue „Feinde“ im Visier. Einer stammt aus den USA, der andere kommt aus Landshut und heißt LFoundry.

Der Halbleiterproduzent hatte hier im Jahr 2011 Insolvenz anmelden müssen. Jetzt legte das Werk in Rousset in Frankreich eine wirtschaftliche Bauchlandung hin. Der Gesellschaft, die in der Herrngasse laut ihrer Homepage ihr „Corporate Headquarter“ hat, macht Rilov schwere Vorwürfe: Die deutschen sollen das Werk in Frankreich für den amerikanischen Großkonzern Atmel kostengünstig „exekutiert“ haben, wie er sagt. In Landshut weist man solche Verdächtigungen weit von sich.

Parallelen zur Landshuter Pleite gibt es in Frankreich. LFoundry hatte das Werk in Rousset im Jahr 2010 für einen symbolischen Betrag gekauft. Das Gleiche war einst auch in Landshut passiert. Nur einen Euro wollte der Hitachi-Nachfolger Renesas für die Produktionsstätte damals haben. In Frankreich stehen die Beschäftigten von LFoundry, wenige Jahre nach der Übernahme, vor einer ähnlichen Situation wie in Deutschland. Ein französisches Gericht hat die Schließung des Werks aus wirtschaftlichen Gründen angeordnet.

Auf eine großzügige Abfindung warten die französischen Mitarbeiter wohl vergebens. Zwar gibt es, wie Rilov erklärt, Zahlungen von einer Art staatlichen Versicherung, die in Frankreich in solchen Fällen greift. Die ist aber vergleichsweise mickrig. Die Abfindung würde viel höher ausfallen, wenn das Groß-Unternehmen Atmel selbst das Werk geschlossen und abgewickelt hätte. Rilov ist sich deshalb sicher: Hinter den Abläufen in Frankreich steckt, vor allem nach dem, was in Landshut passiert ist, Methode.

Atmel, so Rilov, habe die in amerikanischen Unternehmen üblichen Abfindungen für die zuletzt 613 Beschäftigten nicht zahlen wollen. „Die wäre riesig gewesen“, sagt Rilov. Für 200 bis 300 Beschäftigte kämen da schon einmal schnell bis zu 150 Millionen Dollar zusammen, so der französische Anwalt.

Er plant jetzt juristische Schritte, um die Verantwortlichen doch noch zur Kasse zu bitten. Vor allem will man den Schauplatz der Auseinandersetzung dahin tragen, wo es für Unternehmen richtig teuer werden kann: in die USA. „Wir planen dort ein Verfahren“, so Rilov. Sein Ziel: Der Vertrag zwischen Atmel und LFoundry soll rückgängig gemacht bzw. für ungültig erklärt werden, weil er in seinen Augen rechtswidrig ist.

Lfoundry macht er schwere Vorwürfe: „Die haben das Werk in unseren Augen lediglich für Atmel exekutiert“, so Rilov. Dafür seien sie „gut bezahlt“ worden. Damit das nicht auffällt, habe der neue Eigentümer für eine bestimmte Zeit eine Auslastungsgarantie bekommen. „Die haben dem Werk aber nur so viel Sauerstoff gegeben, um eine gewisse Zeit zu überleben.“

Als die Amerikaner sich zurückzogen, fehlte aber laut dem französischen Anwalt plötzlich die Existenzgrundlage. Das Werk musste dichtmachen. Obwohl Rilov dem amerikanischen Großunternehmen auf den Pelz rücken will, hat er dennoch auch LFoundry im Auge. Juristische Schritte in Europa würden geprüft, so Rilov.

Vorwürfe gegen die Landshuter kommen aber auch aus der eigenen Heimatstadt, vom ehemaligen LFoundry-Insolvenzverwalter Alexander Saponjic. „Ich bin der Meinung, dass sich die Gesellschafter der LFoundry GmbH auf die Übernahme von unrentablen Halbleiterwerken spezialisiert haben. Sie haben das für sich wohl als lukratives Geschäftsmodell entdeckt und leider in den Betreibern dieser Halbleiterwerke (Renesas, Atmel, etc.) willige Vertragspartner gefunden, die ihnen diese Werke gerne verkaufen.“

Dabei sei von vornherein klar, dass das jeweilige Halbleiterwerk mittelfristig keine Zukunftsperspektive habe. „Dies wird aber von beiden Seiten wohl billigend in Kauf genommen.“

Der Grund ist in Saponjics Augen einfach. Auf diese Weise spart man sich ein „teure Liquidation des Werks“. Laut dem Juristen ist für so eine Liquidation inklusive Abfindungen und Rückbau des Standorts durch spezialisierte Fremdfirmen schnell ein dreistelliger Millionenbetrag fällig. Ein unrentables Werk für einen Euro praktisch herzuschenken und für eine gewisse Zeit mit Aufträgen zu versorgen, komme günstiger.

LFoundry hat jetzt nach Landshut und Rousset nur noch ein Halbleiterwerk. Das befindet sich in Avezzano in Italien und wurde im Jahr 2013 dem amerikanischen Halbleiterunternehmen Micron abgekauft. Dort läuft derzeit noch die Produktion.

"Das weisen wir zurück"

Ein Sprecher von LFoundry in Landshut weist die Vorwürfe des französischen Anwalts Fiodor Rilov entschieden zurück. „Das stimmt so nicht“, sagt Michael Hösl, Verantwortlicher Sales Manager bei LFoundry. Das Werk in Rousset hätte durchaus Überlebenschancen gehabt, wäre Atmel länger geblieben. Auch hätte es Alternativkunden zu Atmel gegeben. Er verweist auf eine Stellungnahme seines Unternehmens, die bereits in der Fachpresse veröffentlicht worden ist. Dort bedauerte LFoundry die Entwicklung in Rousset. Der komplette Rückzug von Atmel sei einer der Hauptgründe, dass das Management in Rousset seinen Businessplan nicht verwirklichen konnte, obwohl das Werk massiv durch die LFoundry GmbH unterstützt worden sei. Die Vorgänge in Rousset hätten auch keine direkten Auswirkungen auf das Werk in Avezzano (Italien).

LFoundry hat mittlerweile angekündigt, zu den Vorgängen in Rousset eine Pressemitteilung herausgeben zu wollen. Diese liegt noch nicht vor. Wir werden sie veröffentlichen, sobald sie vorliegt.


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