09.08.2013, 11:37 Uhr

Streit um Moserbräu-Abriss Der Bauträger, die Bruchbude und die "Selbstdarsteller"

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In der Öffentlichkeit trommelt der Verein Freunde der Altstadt massiv gegen den Abriss des Moserbräu-Gebäudes in Landshut. Jetzt meldet sich der Bauträger zu Wort und sagt: "Die haben ja keine Ahnung." Tatsächlich ist nicht alles richtig, was in den letzten Wochen behauptet wurde.

LANDSHUT Die Rollenverteilung ist auf den ersten Blick klar. Da gibt es auf der einen Seite den Bauträger, der ein charmantes, historisch wertvolles Häuschen in der Altstadt einfach mal wegreißt und durch einen Betonklotz ersetzen will, um einen Haufen Geld zu verdienen. Ihm entgegen stellt sich mutig ein neu gegründeter kleiner Verein, der sich das hehre Ziel gesteckt hat, die historische Altstadt vor solch gewissenlosen Spekulanten zu schützen. Das Haus, um das es sich dreht, ist das alte Moserbräu-Gebäude in der Altstadt in der Nähe des Dreifaltigkeitsplatzes. Dessen Abriss will der neu gegründete Verein „Freunde der Altstadt“ verhindern. Der Bauträger ist die Ellergruppe – und Hans Eller hat die Faxen jetzt dick. „Das ist eine Hetzkampagne, die da betrieben wird“, schimpft er. Tatsächlich ist in der Angelegenheit nicht alles so, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint.

Vorwerfen muss sich der Verein schon mal eines lassen: Er hat in Sachen Moserbräu offenbar nicht gewissenhaft recherchiert. Zum Beispiel stimmt die Geschichte, dass es im Moserbräu-Gebäude einmal einen „barocken Saal“ gegeben hat, dessen Ausstattung zum Teil im Fundus des Bayerischen Nationalmuseums archiviert wurde, nicht. Besagter „barocke Saal“ war in einem Nachbarhaus, links vom Moserbräu, untergebracht – und zählt auch nicht zum Barock, sondern zum Rokoko. Besagtes Nachbarhaus ist nicht einmal im Besitz der Ellergruppe und soll auch nicht abgerissen werden.

„Das kann man sogar auf der Homepage der Stadt Landshut nachlesen oder auch in der Häuserchronik von Landshut“, so Eller. Dort steht: „Das links anschließende Haus war bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts im Eigentum adeliger Familien und zählte deshalb zu den steuerbefreiten Häusern der Stadt...“ Und weiter: „ ... Aus diesem Haus stammt der Rokokosaal mit bayerischen Fürstenbildnissen und Landschaften und originalem Fußboden, der im Bayerischen Nationalmuseum München ... gezeigt wird.“ Was das Haus mit dem Moserbräu nebenan zu tun hat? Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gehörte es der Eigentümerfamilie des „Moserbräu“.

Es stellt sich natürlich trotzdem die Frage: Verschwindet im Fall eines Abrisses des Moserbräu-Gebäudes tatsächlich viel wertvolle historische Bausubstanz? Die Antwort ist ernüchternd und für Eller eindeutig: „Nein“. Laut Expertengutachten sind maximal nur noch rund 20 Prozent schützenswerter Substanz da, nicht genug also für einen Erhalt.

„Wir besitzen das Gebäude seit über 20 Jahren. Da sind etliche Gutachter durchgegangen“, erzählt Eller. „Wir haben uns auch lange und gut überlegt, was wir damit machen sollen. Schließlich reißen wir auch nicht einfach so ab und haben schon viele Gebäude, nicht nur in Landshut, ohne Unterstützung und mit viel finanziellem Aufwand nach denkmalpflegerischen Gesichtspunkten saniert“, so Eller weiter.

Das alte Landratsamt in der Altstadt 217 sei darunter, das Auer-Haus in der Altstadt 216, das Gewerbehaus am Regierungsplatz, ebenfalls Häuser am Dreifaltigkeitsplatz und in der Altstadt. Im Fall Moserbräu sei die Expertenmeinung allerdings eindeutig: Viel Erhaltenswertes gebe es da nicht mehr, sei bereits in ferner Vergangenheit vernichtet worden, bevor die Ellergruppe das Haus gekauft habe. So hatte das Gebäude einst zum Beispiel zwei Giebel, wie auch das Sandtner-Modell vom historischen Landshut zeigt. Nach einem Brand im 19. Jahrhundert wurde das jetzige Dach draufgesetzt. Historisch wertvoll ist das nicht. Auch durch viele Umbaumaßnahmen im Laufe der Jahrhunderte ist die ursprüngliche Bausubstanz verloren gegangen oder sie ist im Laufe der Zeit so marode geworden, dass nichts mehr zu retten ist. Unter anderem deshalb haben die Behörden wohl auch die Genehmigung zum Abriss erteilt. Schützenswert ist allenfalls noch ein Teil des alten Dachstuhls, sprich die Balken, im hinteren Teil des Gebäudes. Die, so Eller, könne man ja wieder in ein neues Gebäude integrieren. Ansonsten ist das Gebäude wohl eher ein Sicherheitsrisiko. Unschwer ist das sogar für fachliche Laien zu erkennen. So ist die Hausfassade nicht mit dem Mauerwerk verzahnt. Die Fassadenwand des Hauses wurde im ersten Obergeschoss zudem auf den Bodendielen aus Holz aufgesetzt, wie Untersuchungen gezeigt haben. Auch der Keller ist alles andere als ein gotisches Kleinod. In der Decke finden sich dort Stahlverstrebungen, die garantiert nichts mit alter Baukunst zu tun haben.

Deckenbalken sind praktisch im ganzen Haus durchgefault und vom Erdgeschoss aus hat man an einigen Stellen freien Blick ins Obergeschoss. Das Fundament des Hauses ist ebenfalls praktisch nicht mehr vorhanden, durch die Mauern ziehen sich Risse vom Dach bis zum Boden, die Außenwände bauchen sich abenteuerlich aus und neigen sich nach außen.

Ganz klar zu sehen ist auch, dass in der Vergangenheit von früheren Besitzern viel gepfuscht und geflickt wurde. Dass das Gebäude nicht einfach auseinanderfällt wie ein Kartenhaus, hat man wohl der Tatsache zu verdanken, dass es durch die Nachbarhäuser gehalten wird. Eller hätte auch kein Problem damit gehabt, das Haus dem zweiten Vorstand des Vereins, Andreas Gänsbacher, zu zeigen. Tatsächlich habe auch der ihn um eine Begehung gebeten. Doch der habe kurz vor einem möglichen Termin abgesagt, wie Eller berichtet. Auch andere Mitglieder des Vereins hätten, wie Eller erzählt, das Haus von innen noch gar nicht gesehen – was wohl so manche falsche Äußerung erklärt. Zum Beispiel die jüngste in der Tageszeitung, dass die Zufahrt zu einem schützenswerten Garten auf dem Nachbargrundstück über das Moserbräu-Gelände erfolgt. Tatsächlich kommt man durch die in einem Bericht erwähnte Einfahrt nur in den Hinterhof des Moserbräu-Hauses. Eine Zufahrt zum Garten ist da aber nicht.

Wie man sich in Szene setzt, weiß der Verein allerdings. Sogar LaBrassBanda-Sänger Stefan Dettl konnte man für seine Zwecke gewinnen. Vor seinem Konzert in der Altstadt postierte der sich mit Vertretern des Vereins vor dem Moserbräu und demonstrierte. Von der Vereinsspitze hat sich Eller nicht zuletzt deshalb ein klares Bild gemacht: „Wenn man sich in der Öffentlichkeit so präsentiert und nicht einmal weiß, dass das Rokoko-Zimmer nie im Moserbräu war, dann fragt man sich schon, ob dieser Verein überhaupt ernst genommen werden kann.“ Sein Fazit: „Das sind Selbstdarsteller, die von Denkmalschutz keine Ahnung haben.“


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