17.05.2013, 10:04 Uhr

Gefahr für Mensch und Tier - Landratsamt schaltet Polizei ein Greifvogel-Hasser vergiftet Mäusebussarde

Foto: Landratsamt LandshutFoto: Landratsamt Landshut

Es ist eine Tierquälerei der übelsten Sorte – und noch dazu in einem Vogelschutzgebiet: Ein noch Unbekannter hat im Grießenbacher Moos einen vergifteten Fuchs-Kadaver als Köder ausgelegt, drei Greifvögel haben den Kadaverefressen und sind noch an Ort und Stelle unter furchtbaren Qualen verendet.

LANDSHUT Das dabei verwendete Gift ist so stark, dass oft selbst Aaskäfer, die an solchen Kadavern nagen, umgehend absterben. Die hochgiftige Substanz Carbofuran wirkt nach den Worten des Toxikologen Prof. Dr. Florian Eyer von der Technischen Universität (TU) München ähnlich wie die berüchtigten Nervenkampfstoffe und stellt natürlich auch eine Gefahr für Menschen und Haustiere dar. Spaziergänger sollten daher aufpassen, dass sie oder ihre Hunde nicht mit etwaigen Giftresten in Berührung kommen: Der Fuchs-Kadaver lag im Grießenbacher Moos rund 600 Meter nördlich der Autobahn-Raststätte Wörth, also auf der Nordseite der A 92, westlich der Verbindungsstraße zwischen Wörth und Postau.  

Es war ein aufmerksamer Spaziergänger, der den Fuchs-Kadaver und zwei tote Mäusebussarde entdeckte, die unmittelbar daneben lagen. Die schon etwas zerfledderten Bussarde zeigten eine völlig unnatürliche Haltung – sie hatten sich in den Qualen des Todeskampfes verkrampft und hielten noch Grasbüschel in ihren Klauen.

Der Spaziergänger hat das einzige Richtige getan und seine Entdeckung gemeldet: Er hat damit verhindert, dass noch größerer Schaden entstanden ist. Ein Mitarbeiter des Landratsamts barg zusammen mit zwei Beamten der Polizei-Inspektion Landshut die drei Kadaver.

Von einem weiteren Greifvogel, ebenfalls einem Mäusebussard, wurden in einer Hecke rund 50 Meter entfernt vom Auffindungsort des Fuchses nur noch geringe Überreste gefunden. Auch der dritte Bussard ist offenkundig Opfer der Giftattacke geworden und in der Hecke „entsorgt“ worden. Bei der Unteren Naturschutzbehörde geht man davon aus, dass der unbekannte Täter über einen längeren Zeitraum Vögel aufgesammelt hat, die von ihm ausgelegte Giftköder gefressen hatten, und er ihre Kadaver dann im Buschwerk in der näheren Umgebung versteckt hat.

Ein Mitarbeiter des Veterinäramts am Landratsamt brachte die Kadaver umgehend zur Untersuchung nach München. Experten des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität (TU) München erbrachten dann den Beweis – die Tiere sind mit dem hochgiftigen Carbofuran vergiftet worden.

Das Insektizid Carbofuran ist seit einigen Jahren aus guten Gründen EU-weit verboten, wird aber in diversen Ländern immer noch in der Landwirtschaft als Mittel zur Saat-Beize eingesetzt. Wie der Internist und Toxikologe Prof. Dr. Eyer vom Klinikum rechts Isar der TU München erläutert, ist Carbofuran ein hoch wirksames Nervengift: Es zählt zu einer Gruppe von Stoffen, die ähnlich wirken wie so bekannte Gifte wie E 605 oder und der Nervenkampfstoff Sarin.

Dieses Sarin hat in den 1980er Jahren traurige Berühmtheit erlangt, weil es von dem irakischen Diktator Saddam Hussein im Krieg gegen den Iran und bei Terrorangriffen auf Menschen im eigenen Land eingesetzt worden ist. Carbofuran wird von den Herstellern oft zur Warnung blau oder lila eingefärbt.

Die betrauten Fachleute im Landratsamt zeigen sich von diesem Akt der Tierquälerei erschüttert. „Es ist kein Kavaliersdelikt und auch keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine glatte Straftat“, stellt zum Beispiel Dr. Wolfgang Ullrich fest, der Leiter des Veterinäramts am Landratsamt Landshut.

Über ihren Anwalt, Dr. Ulrich Kaltenegger, hat die Kreisgruppe Landshut des Bundes Naturschutz (BN) Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet – und zwar nach Paragraph 329 Absatz 3 Nummer 6 Strafgesetzbuch (StGB), wie Paul Riederer mitgeteilt hat. Der Tatbestand lautet „Gefährdung schutzbedürftiger Gebiete durch Tötung besonders geschützter Arten“. Hinzu kämen eklatante Verstöße gegen Naturschutz- und Jagdrecht.  

„Der Vorgang spielte sich im ausgewiesenen Vogelschutzgebiet Grießenbacher Moos ab und der Bussard ist eine besonders geschützte Art im Sinne des Bundesnaturschutzgesetzes“, erläutert Rechtsanwalt Kaltenegger dazu. Selbstverständlich sei auch der Tatbestand der Tierquälerei erfüllt.     

Die Polizei-Inspektion Landshut appelliert an die Bevölkerung, Hinweise auf den oder die Täter zu geben – auch anonym übermittelte Informationen werden entgegengenommen unter Telefon 0871/9252-0 oder unter E-Mail pi.landshut@polizei.bayern.de. Selbstverständlich nimmt auch das Landratsamt Landshut Hinweise entgegen: Landratsamt Landshut, Veldener Straße 15, 84036 Landshut, Telefon 0871/408-0, Fax 0871/408-1001, E-Mail: poststelle@landkreis-landshut.de.


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