21.04.2012, 11:28 Uhr

Parteien fordern nach Wochenblatt-Artikel Aufklärung - immer mehr Details Landrat immer stärker unter Druck

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In der Angelegenheit um die Vergabe von Unterkünften für Asylbewerber im Landkreis gerät Landrat Josef Eppeneder (im Bild vorne, CSU) unter Druck. Nachdem er zugegeben hat, dass seine Kinder eine vor kurzem erst erworbene Immobilie in Wörth an den Landkreis vermietet hat, fordern jetzt alle Parteien lückenlose Aufklärung. Welche Rolle spielte die Verwaltung?

LANDSHUT Die Fraktionssprecher praktisch aller Parteien, darunter auch Eppeneders Parteikollege Johann Bauer, fordern eine lückenlose Aufklärung. Und sie geben sich mit dem Statement des Landrates nicht zufrieden. Schon am Montag soll Eppeneder in der Kreisausschusssitzung Rede und Antwort stehen. Und das nicht nur zu dem alten Wirtshaus in Wörth, das laut Eppeneder zwei seiner Kinder im Januar gekauft haben, sondern zu allen Immobilien, in die Asylbewerber untergebracht werden. Wissen wollen nicht nur die Politiker, wer die Vertragspartner des Landkreises sind. Auch das Wochenblatt hatte bereits am Dienstag bei der Behörde nachgefragt und keine Details erhalten. Nicht einmal die Aufsichtsbehörde, die Regierung, weiß nach eigener Auskunft, wo überall die Asylbewerber untergebracht sind. Die Redaktion wurde wieder an das Landratsamt verwiesen.

Das Wochenblatt hat allerdings mittlerweile die fraglichen Immobilien recherchiert. Interessant in diesem Zusammenhang ist vor allem, ab wann und wo das Landratsamt überall Inserate geschaltet hat, mit denen nach Unterkünften gesucht wurden. Denn zwar hat der Gemeindetag bereits im letzten Jahr eine dezentrale Unterbringung gefordert, die Regierung hat die Verantwortung für die Unterbringung der Flüchtlinge aber erst im Januar abgebeben. In einer Pressemitteiliung der Regierung vom 18.01.2012 heißt es, dass die Regierung die Verantwortung für die Unterbringung erst "in den nächsten Wochen" an die Landkreise abgeben werde. Zur Erinnerung: Im Januar, so Eppeneders Anwalt in einer Landshuter Tageszeitung, hätten zwei Kinder des Landrats das Wirtshaus in Wörth gekauft. Laut Grundbuch läuft die Immobilie aber immer noch auf den alten Besitzer. Das wurde vom Amtsgericht dem Wochenblatt bestätigt.

Kurios ist in diesem Zusammenhang, dass offensichtlich lange leer stehende Immobilien im Landkreis ganz plötzlich interessant für Käufer wurden. So berichtet eine ehemalige Hausbesitzerin dem Wochenblatt, dass ihr Haus jahrelang leer gestanden habe, sich niemand dafür interessierte. Zum Schluss habe sie für das Anwesen nicht einmal mehr Inserate geschaltet. "Aus dem Nichts", sei dann vor einigen Wochen eine Dame aufgetaucht und habe ihr Haus gekauft. Irritiert zeigte sich die ehemalige Hausbesitzerinn als sie erfuhr, wieviel Geld man mit der Unterbringung von Asylbewerbern verdienen könne. Das habe sie nicht gewusst, so die Frau zum Wochenblatt. Sie hätte ihr Haus sonst wohl nicht verkauft sondern selbst vermietet.

Besagte Käuferin der Immobilie, die im Porsche mit Starnberger Kennzeichen vorgefahren war, hat nach Wochenblatt-Informationen noch ein anderes Objekt im Landkreis, das zwangsversteigert wurde, gekauft. Mittlerweile sind auch dort Asylbewerber eingezogen, nachdem es eilig mit gebrauchten Möbeln ausgestattet wurde. Dem Wochenblatt wollte die Porschefahrerin keine Auskunft geben. Auch nicht, wie sie denn auf die Immobilien aufmerksam wurde und wie sie von der Suche des Landkreises nach Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber erfahren habe.

Eine Nachfrage wert ist auf alle Fälle auch, warum Eppeneders Kinder das Wirtshaus in Wörth erst jetzt gekauft haben, obwohl das Wirtshaus, wie der Landrat selbst schreibt, seit 2009 zum Verkauf stand. Wahrscheinlich war es nur ein Zufall.


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