10.10.2019, 14:40 Uhr

Schwerbehinderter sucht dringend Wohnung Ist jetzt kein Platz mehr für Georg, seine Frau und das Elektromobil?


Das Leben meint es schon länger nicht mehr gut mit Georg Weissenbacher. Der 70-Jährige ist nach mehreren Operationen auf Gehhilfen und den Rollstuhl angewiesen. Vor gut einem Jahr mussten der Rentner und seine Frau zudem aus der damaligen Wohnung ausziehen – „wegen Eigenbedarf des Vermieters“, sagt Weissenbacher. Seitdem ist das Ehepaar auf Wohnungssuche und lebt in einer Not-Unterkunft in Niederaichbach. „Wir haben hier ein Zimmer.“ Ansonsten teilt man sich Küche und Bad mit weiteren Bewohnern.

NIEDERAICHBACH „Privatsphäre gibt es hier quasi nicht“, gibt Michaela Weissenbacher zu. Deshalb sehnt sich das Ehepaar längst nach einer anderen Bleibe. Doch der Rollstuhl des Schwerbehinderten macht die Wohnungssuche zu einem fast aussichtslosen Unterfangen. Mehr als 30 Wohnungen habe man sich bereits angesehen. „Aber meistens sind die Unterkünfte nicht barrierefrei“, sagt der 70-Jährige. „Oder aber die Vermieter sehen meinen Rollstuhl – und das war‘s dann.“

Trotz der vielen – auch gesundheitlichen – Rückschläge geben die Weissenbachers die Hoffnung nicht auf. „Wir wollen hier raus und suchen weiter!“ Zumal die aktuelle Bleibe nicht mehr als eine Not-Unterkunft ist: Das Haus aus den 60er Jahren, das der Gemeinde gehört, ist heruntergekommen, war bis zum Einzug des Ehepaars im August 2018 längere Zeit leer gestanden. Georg Weissenbacher, der seit 23 Jahren in Niederaichbach lebt: „Wir verstehen ja, dass die Gemeinde hier nichts mehr investieren möchte. Vor einem Jahr waren wir froh, dass wir überhaupt ein Dach über dem Kopf gehabt haben. Aber lebenswert ist das hier nicht.“

Darum sei es für ihn nachvollziehbar, dass der Gemeinderat um Bürgermeister Josef Klaus plant, das mehrere tausend Quadratmeter große Areal neu zu überplanen und hier Wohnraum zu schaffen. „Für uns heißt das aber“, sagt Michaela Weissenbacher, „dass wir hier raus müssen, obwohl wir noch keine neue Wohnung gefunden haben.“ Ein genaues Zeitfenster kann der Bürgermeister nicht nennen. Josef Klaus zum Wochenblatt: „Für dieses Areal gibt es noch keinen Bebauungsplan. Darum wird hier so schnell nichts passieren. Feststeht aber auch, dass dieses Gebäude irgendwann entfernt wird.“ Darum sei eine neue Unterkunft für die Weissenbachers nötig. Er hoffe, dass das Ehepaar selbst fündig werde. Ansonsten müsste die Gemeinde abermals eine Not-Unterkunft zur Verfügung stellen, „wenn jemand von der Obdachlosigkeit bedroht ist“, so Klaus.

Was die Wohnungssuche nicht einfacher macht, ist die Tatsache, dass der 70-Jährige einen Unterstellplatz für sein Elektromobil benötigt. Weissenbacher zum Wochenblatt: „Wenn das Elektrogefährt nicht trocken untergestellt ist, nimmt mir die Krankenkasse das Fahrzeug wieder weg. Aber das ist doch meine einzige Möglichkeit, noch am normalen Leben teilzunehmen und unter die Leute zu kommen.“

Deshalb habe er auch große Sorge, dass er die Garage, die aktuell als Abstellplatz für das Elektromobil und einige Schränke dient, bald nicht mehr nutzen dürfe, wie die Gemeinde angedroht habe. Georg Weissenbacher: „Diese Garage haben meine Frau und ich voriges Jahr – als wir eingezogen sind – erstmal komplett entrümpelt. Sollen wir jetzt unsere Sachen auf die Straße stellen?“

Vielleicht wird ja der große Wunsch von Georg und Michaela Weissenbacher doch noch erhört: „Eine kleine Erdgeschoss-Wohnung mit einer Abstellmöglichkeit für mein Elektromobil. Mehr brauchen wir doch nicht...“


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