15.08.2019, 21:08 Uhr

Das hatte Folgen für den Fahrer Das DHL-Päckchen am Leichenhaus abgelegt

Christiane Fiebig zeigt die Stelle, an der sie ihr Päckchen gefunden hat. (Foto: Schmid)Christiane Fiebig zeigt die Stelle, an der sie ihr Päckchen gefunden hat. (Foto: Schmid)

Das Gebäude war zwar „belegt“ – ein Päckchen entgegennehmen konnte aber niemand. Trotzdem landete eine dringend erwartete Sendung per DHL Express in Oberroning, das ist ein kleiner Ortsteil von Rottenburg im Landkreis Landshut, vor dem Leichenhaus auf dem Friedhof. Genauer, auf einer Gießkanne, die vor der Aussegnungshalle stand, in der ein Verstorbener aufgebahrt war.

OBERRONING Das hört sich ulkig an, komisch findet das die Empfängerin des Päckchens, Christiane Fiebig, die unweit des Friedhofs wohnt, allerdings nicht. „Ich bin stocksauer und überlege mir, Anzeige zu erstatten.“ Doch erst der Reihe nach.

„Ich habe meinem Nachbarn versprochen, während seiner Abwesenheit auf sein Haus aufzupassen“, erzählt Fiebig. Dabei passiert ihr ein Missgeschick. Sie verlässt das Haus, die Tür fällt zu, der Schlüssel liegt drin. Einen Schlüsseldienst will sie nicht rufen, weil das viel zu teuer ist. Sie kontaktiert den Hausherren, der schickt ihr per DHL Express einen zweiten Schlüssel.

„Ich habe die Sendung auf meinem Handy verfolgt“, erzählt die berufstätige Frau. Am Dienstag, 6. August, um 13.19 Uhr, ist das Päckchen geliefert worden. So heißt es jedenfalls in der Sendungsverfolgung. „Unterzeichnet von: Fieberg“, steht da zu lesen. Das wundert Christiane Fiebig. Denn zu diesem Zeitpunkt ist sie noch in der Arbeit. In der Nachbarschaft gibt es aber keine Familie mit dem Namen Fieberg. Niemand heißt hier so.

Zu Hause angekommen macht sich die 50-Jährige auf die Suche nach dem Päckchen mit dem Zweitschlüssel, das eigentlich an ihre Wohnadresse in der Direktor-Wolf-Straße geschickt wurde. Doch nirgendwo hat ein Paketbote etwas abgegeben. Ein Anwohner, bei dem sie nachfragt, war kurz zuvor allerdings auf dem nahen Friedhof, der Luftlinie etwa 300 Meter entfernt liegt.

Dem ist dort etwas Seltsames aufgefallen. Auf einer Gießkanne vor der Aussegnungshalle lag ein Päckchen, das an Christiane Fiebig adressiert war. Als sie dort nachsieht, findet sie tatsächlich die Express-Sendung mit dem Schlüssel zum Nachbarhaus auf der Gießkanne. „Wenn das weg gewesen wäre, ich wäre in Teufels Küche gekommen“, sagt Fiebig.

Bei DHL hat sie sich deshalb beschwert. „Auf alle Fälle muss doch sichergestellt sein, dass mein Päckchen nicht einfach auf dem Friedhof landet, wo es jeder mitnehmen kann“, sagt sie. Vor allem aber will sie wissen, wer dieser „Fieberg“ sein soll, den es in Oberroning, wo jeder jeden kennt, gar nicht gibt. Ihr Verdacht: Der Bote hat den Empfang einfach selbst quittiert und das Päckchen dann auf dem Friedhof abgelegt. Bei DHL hat man ihr Aufklärung versprochen.

Auf Anfrage des Wochenblattes bestätigte DHL die Vorwürfe der 50-Jährigen. „Es stimmt, was Frau Fiebig sagt. Es hat die Konsequenz, dass dieser Mann nicht mehr für uns arbeitet“, so DHL-Sprecher Erwin Nier. Dass ein Fahrer selbst den Empfang bestätigt und es dann auf dem Friedhof ablege, „das geht jedenfalls gar nicht“. Er könne auch nicht nachvollziehen, warum der Bote so gehandelt habe. „Wir möchten uns deshalb in aller Form entschuldigen.“

Sollte ein Ausfahrer trotz Navi und Nachfragen die richtige Zustelladresse nicht finden, „dann muss er das Päckchen wieder mitnehmen“. Das Verteilzentrum habe Möglichkeiten, mit der Frau Kontakt aufzunehmen.


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