15.05.2019, 09:42 Uhr

Von wegen barrierefrei Kaputter Aufzug nervt die Mieter schon seit 14 Wochen


Die Mieter waren im September vergangenen Jahres in das nagelneue Wohnobjekt in Ergolding gezogen, weil man hier barrierefrei leben kann. Theoretisch. In der Praxis war es allerdings so, dass der Aufzug bis jetzt die meiste Zeit stillgestanden war. Jetzt sind die Bewohner auf die Barrikaden gegangen.

ERGOLDING Am 1. September vergangenen Jahres wurde die neue Wohnanlage der „Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft für den Landkreis Landshut eG“ offiziell in Betrieb genommen. Ein moderner Bau, der 15 Wohnungen beheimatet – allesamt barrierefrei. So war das Projekt zumindest geplant. Vorstandsvorsitzender Hans Bauer zum Wochenblatt: „Der Aufzug wurde nicht rechtzeitig fertiggestellt, erst einige Zeit später. Dann hat er aber nur maximal zwei Wochen funktioniert, ist dann stillgestanden.“

Was für die Mieter freilich alles andere als angenehm war, sind sie doch aufgrund der Barrierefreiheit ins Objekt Am Anger 3a gezogen. Zwischenzeitlich habe der Aufzug – nach der ersten Reparatur – zwar einige Woche funktioniert. Doch am 5. Februar blieb der Lift zum zweiten Mal stecken, mit dem Hausmeister an Bord. Trotz seines Notrufes blieb ein Monteur der Aufzugsfirma aus. Anwohner Manfred Deller: „Nach dreieinhalb Stunden mussten wir die Feuerwehr rufen, die den Mann dann befreit hat.“ Allerdings mussten die Einsatzkräfte zu schwerem Gerät greifen, so dass der Aufzug – natürlich – nicht verschont blieb.

Deller: „Seit diesem Tag warten wir nun darauf, dass die Firma den Aufzug repariert.“ Seit dem 5. Februar mussten also alle Bewohner, die teilweise auf Gehhilfen angewiesen oder Kinderwagen nutzen, Treppensteigen. „Das ist für die meisten Bewohner kein Spaß! Man muss alles zu Fuß hoch- und runtertragen.“

Getragen werden muss auch Irem, die 13-jährige Tochter von Ahmet Kirazli. Das Mädchen leidet seit mehr als elf Jahren an einer schweren Krankheit und ist mittlerweile auf den Rollstuhl angewiesen. „Ohne den Aufzug müssen wir unsere Tochter aber jeden Tag tragen“, sagt Ahmet Kirazli. „Mein Kreuz und meine Bandscheiben sind aber eigentlich sowieso schon kaputt. Jeder Gang nach unten ist gut überlegt.“

Äußerst dankbar ist der Familienvater, dass die Busfahrerin, die Irem täglich zur Pestalozzischule und zurückbringt, die Tochter über das Treppenhaus nach unten und oben trägt.

Ahmet Kirazli: „Das ist wirklich toll, schließlich macht die Frau das freiwillig. Meine Frau und ich könnten das auf Dauer nicht mehr machen. Darum hatten wir ja auch lange nach einer barrierefreien Wohnung gesucht – die jetzt leider nicht barrierefrei ist.“

Auch bei Hans Bauer, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft und von 1978 bis 2008 erster Bürgermeister der Gemeinde Ergolding, ist der Geduldsfaden längst gerissen: „Wir haben mittlerweile den Rechtsanwalt eingeschaltet, schließlich geht es nicht nur um die Reparatur, sondern auch um den Wartungsvertrag, den wir mit der Firma abgeschlossen haben.“

Nun scheint allerdings Rettung in Sicht – kurioserweise, seitdem sich das Wochenblatt eingeschaltet hat. Vorige Woche wurden die Ersatzteile geliefert – und seit Dienstag sind Monteure der Aufzugsfirma vor Ort zu Gange, um den defekten Aufzug zu reparieren und neu zu justieren.


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