22.03.2019, 13:34 Uhr

Schulversuch am Gymnasium Ergolding Das Handy soll sogar beim Mathe-Abitur helfen

Ein Schüler des Gymnasiums Ergolding verwendet GeoGebra auf seinem Smartphone. (Foto:  Landkreis Landshut)Ein Schüler des Gymnasiums Ergolding verwendet GeoGebra auf seinem Smartphone. (Foto: Landkreis Landshut)

Das Handy kann für viele Lehrkräfte ein enormer Störfaktor ihres Unterrichts sein. Dass es auch anders geht, zeigt das Gymnasium Ergolding: Neben den bereits etablierten Tablet-Klassen sollen in der Oberstufe nun auch zusätzlich Smartphones gewinnbringend in den Mathe-Unterricht und in Prüfungssituationen integriert werden. Sogar ein Einsatz während der Abitur-Prüfungen ist angedacht.

ERGOLDING Das Computer-Algebra-System „GeoGebra“, das in den Ergoldinger Tablet-Klassen bereits erfolgreich in einem Schulversuch erprobt wird, ist auch als App für iOS- oder Android-Systeme verfügbar, könnte aber auch auf dem PC genutzt werden. Das Programm ist ein Hilfsmittel für Berechnungen, zum Zeichnen von Funktionsgraphen oder zum elektronischen Konstruieren im Mathematik-Unterricht, aber auch während Schulaufgaben und Prüfungen. Der eigens programmierte Prüfungsmodus, der das Gerät während der Prüfung von allen äußeren Einflüssen wie WLAN oder Bluetooth abschottet, ist auch hier fester Bestandteil, sodass die Gefahr des „digitalen Spickens“ gebannt ist.

Seit dem Schulbeginn nach den Faschingsferien läuft nun dieser weitere Schulversuch am Gymnasium Ergolding an zwei zehnten Klassen. Mit der Möglichkeit, Smartphones einzusetzen, können noch mehr Schüler an diesem Projekt beteiligt werden, sie können alle unter den gleichen technischen Voraussetzungen lernen.

Das Gymnasium Ergolding kooperiert dabei mit der Johannes-Kepler-Universität in Linz. Dort wurde „GeoGebra“ entwickelt und weiter betreut. Der Smartphone-Einsatz im Unterricht wird auch wissenschaftlich begleitet – Prof. Mathias Brandl vom Lehrstuhl für Mathematik-Didaktik an der Universität Passau wird die Erfahrungen und Ergebnisse, die am Gymnasium Ergolding gesammelt werden, in seine Forschung integrieren.

„Die Schullandschaft hat sich verändert – im Gegensatz zu früher ist es jetzt eher die Ausnahme, wenn ein Schüler kein Smartphone besitzt. Weshalb sollte man es nicht nutzen, dass mittlerweile mit einem Smartphone ohnehin ein komplexer Taschenrechner in jeder Schultasche zu finden ist?“, fragt sich Dr. Ewald Bichler, stellvertretender Schulleiter am Gymnasium Ergolding, der den Schulversuch leitet und mit initiiert hat. Über kurz oder lang glaubt Bichler, dass sich Smartphone und Tablet immer mehr im Unterricht durchsetzen werden – Mathe könnte hier als Türöffner für andere Fächer dienen. Denn auch den Duden oder Wörterbücher gibt es mittlerweile als App.

Dabei hängt die Digitalisierung des Unterrichts und der Schule in erster Linie nicht von der Anschaffung von Endgeräten ab. Viele Schüler besitzen bereits Smartphones oder Tablets. Die Gelder müssten daher vor allem in die technische Infrastruktur fließen: Für einen Klassenraum, in dem durchschnittlich 30 Schülerinnen und Schüler auf digitaler Basis arbeiten sollen, reicht eine herkömmliche Internet-Verbindung einfach nicht aus, erklärt Bichler. Es brauche in seinen Augen leistungsstarke Accesspoints, die aber auch eingerichtet und gewartet werden müssen. Auch wenn das Gymnasium Ergolding in diesem Bereich, gerade dank der Unterstützung durch den Landkreis Landshut als Sachaufwandsträger, bereits recht gut aufgestellt ist: Es bedeutet noch einiges an Arbeit, Schulen fit für die Digitalisierung zu machen.


0 Kommentare