05.10.2011, 15:42 Uhr

„Alleinsein grenzt an Tierquälerei“ Die besondere Geschäftsidee: Rent a Meerschweinchen

Züchterin Eva-Maria Ganslmeier will mit Leih-Kuscheltieren einen artgerechten Lebensabend bieten.

LANDSHUT Eva-Maria Ganslmeier ist zu den Meerschweinchen gekommen wie soviele Mütter und Eltern: Die Kinder wollten unbedingt solche putzigen Tierchen haben. Aus der Schwärmerei der Kinder ist eine Passion ihrer Mutter geworden. Inzwischen züchtet die Hausfrau Meerschweinchen. Und bietet einen Service an, der auf den ersten Blick kurios ist: Leih-Meerschweinchen.

Nein, dabei handelt es sich nicht um kleine Nager, die ausgeliehen werden und kurz vor dem Exitus wieder zurückgegeben werden können, um Trennungschmerz und Trauer zu vermeiden. Die Leih-Meerschweinchen sind vielmehr ein Stück aktiver Tierliebe.

Dazu muss man wissen, dass Meerschweinchen überaus soziale Tiere sind, die in freier Wildbahn in Rudeln leben. „Für ein Meerschweinchen grenzt Alleinsein an Tierquälerei“, erklärt Eva-Maria Ganslmeier. Verantwortungsbewusste Tier- oder Zoohandlungen geben die Tierchen deswegen nur ab zwei aufwärts ab. Dennoch: Was tun, wenn einer der kleinen Lieblinge stirbt? Und ein einziges Meerschweinchen zurückbleibt?

Da kommt Eva-Maria Ganslmeier mit ihren Leih-Meerschweinchen ins Spiel: „So können wir Haltern, die eigentlich aussteigen wollen, einen Weg bieten, damit ihre hinterbliebenen Tiere einen artgerechten Lebensabend bekommen.“ Andernfalls müssten sie ihr Einzeltier abgeben oder ein neues Tier zukaufen.

Auf die Idee mit den Leih-Tieren ist die Züchterin aus Landshut gekommen, als sie sich mit der Änderung des Tierschutzgesetzes in der Schweiz beschäftigte. Bei den Eidgenossen darf man Meerschweinchen oder Kaninchen nicht mehr einzeln halten. Folge: Tierzüchter bieten Leih-Tiere an, um den Haustieren einen artwidrigen Lebensabend zu ersparen.

Soweit ist der Tierschutz in Deutschland noch nicht gediehen. Nach wie vor dürfen auch Einzeltiere gehalten werden. „Und nicht immer wieder einem beim Kauf gesagt, dass Meerschweinchen soziale Tiere sind.“ Was die tierliebe Züchterin als enorm fahrlässig erachtet: Einzeltiere können nach ihren Angaben apathisch werden, fressen schlecht und kommen nicht mehr aus ihrem Häuschen heraus. „Die Tiere werden richtig depressiv“, wettert Eva-Maria Ganslmeier. Was ihren Lieblingen nicht passieren kann.

27 so genannte Stammtiere und fünf Abgabetiere zum Verleih oder Verkauf hält sie derzeit. Ihre Ställe sind miteinander verbunden, damit sich Grisu und Amicelli, Bingo und Bongo oder wie die Tierchen sonst heißen, nach Herzenslust aneinander kuscheln können.

Wichtig ist der Züchterin, die ihre Zucht unter den Namen „Landshuter Moppelbande (Internet: www.meerschweinchen-landshut.de) betreibt, dass  ihre Leih-Meerschweinchen nicht zu Wanderpokalen verkommen: „Klassische Leih-Meerschweinchen sind Rentner- oder Kastraten-Tiere.“ Gleich mehrere Aspekte würden abgeklopft, bevor es zu einer Leihe kommt: Geschlecht, Vita, Alter, ob es sich um ein dominantes, lebhaftes oder ruhiges Tier handelt, das Gesellschaft braucht.

Denn das weiß die Züchterin aus dem Effeff: „Für die Leih-Meerschweinchen ist ein solcher Umzug definitiv Stress.“ Deswegen kommen Leih-Meerschweinchen auch nicht für Mehrfacheinsätze infrage. Sagt Eva-Maria Ganslmeier und herzt zwei ihrer Lieblinge: Grisu mit der schwarzen Schnauze, und Riesenbaby Amicelli, der bereits im zarten Alter von sechs Wochen jeden ausgewachsenen Goldhamster an Größe übertrifft.  


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