08.02.2019, 10:52 Uhr

Kurioser Streit in der Papiererstraße Die Mauer muss weg – aber der Nachbar will einfach nicht!

Eigentlich sollte die Brandruine längst verschwunden sein. Doch es geht einfach nichts vorwärts. (Foto:  Alexander Schmid)Eigentlich sollte die Brandruine längst verschwunden sein. Doch es geht einfach nichts vorwärts. (Foto: Alexander Schmid)

Bauplätze in der Landshuter Innenstadt sind Mangelware. Deswegen ist „Nachverdichtung“ das Gebot der Stunde. Das Schlagwort hört man immer wieder im Bausenat des Stadtrates. Umso erstaunlicher ist, was sich in der Papiererstraße der stark wachsenden Bezirkshauptstadt abspielt. Oder besser: Was dort seit Jahren nicht passiert. Eine abbruchreife Brandruine gammelt vor sich hin und wird das aller Voraussicht nach weiterhin tun.

LANDSHUT Das liegt nicht am neuen Eigentümer, der würde gerne bauen. Es scheitert an einer Mauer, die zwar keiner braucht, die er aber auch nicht abreißen darf, weil das der Eigentümer des Nachbaranwesens nicht will. Das wiederum versteht nicht einmal die Bauaufsichtsbehörde der Stadt Landshut.

April 2016: In der Papiererstraße steigen dichte Rauchschwaden auf, wieder einmal. 2014 schon hatte es in dem Haus eines Landshuters gebrannt und schlimme Schäden angerichtet. Dieses Mal leistet das Feuer ganze Arbeit. Das kleine Häuschen wird so zerstört, dass man es nur noch abreißen kann. Genau das will der neue Eigentümer machen und beginnt damit noch im selben Jahr. Ein Wohnhaus mit Gewerbeeinheit im Erdgeschoss soll entstehen.

Der verkohlte Dachstuhl ist schnell weg, dann allerdings passiert nichts mehr. Nicht im Jahr 2016, nicht in den Jahren 2017 oder 2018 – und auch 2019 sieht es eher nicht danach aus, dass die hässliche Bruchbude mit vernagelten Fenstern endlich verschwindet. Die Nachbarn in den schmucken sanierten Häusern und Neubauten in der Nachbarschaft haben sich schon an den Anblick gewöhnt.

Immerhin: Von dem Gebäude geht durch herabfallende Trümmerteile keine Gefahr mehr aus. Der Bauzaun, der den Gehweg blockiert hatte, ist längst verschwunden. Darauf achtet die Stadt. „Mehr können wir aber auch nicht machen“, sagt Stefan Jahn, Amtsleiter der Bauaufsicht im Rathaus, zu dem kuriosen Fall. „Wir würden es natürlich auch gerne sehen, wenn dort etwas vorangehen würde“, erzählt er. Dazu müssten alle beteiligten Parteien nur ein bisschen nachgeben, aufeinander zugehen. Doch es bewegt sich nichts.

Alle Vermittlungsversuche sind bisher gescheitert. Das Unverständliche an der ganzen Angelegenheit: Es geht um eine Mauer, die keine Funktion mehr hat. Bei dem Gemäuer handelt es sich um eine „Kommunwand“. Das ist eine Wand, die sich zwei Gebäude teilen. Die Grenze der beiden betroffenen Grundstücke in der Papiererstraße verläuft genau durch diese Wand. Früher wurde oft so gebaut. Das Nachbargebäude, das vor Jahren neben der Brandruine anstelle der Vorbebauung neu hochgezogen wurde, hat allerdings eine eigene Hauswand bekommen. Trotzdem gehört eine Hälfte der Kommunwand noch zu dem Mehrfamilienhaus und damit dem Immobilienunternehmen.

Eigentlich könnte die Wand zusammen mit der Brandruine, endlich verschwinden. Das bestätigt so auch Stefan Jahn von der Bauaufsicht. Rein rechtlich ist es aber so, dass es für den Abriss die Zustimmung des Immobilienunternehmens braucht. Doch das stellt sich quer. „Die Gründe dafür kennen wir nicht“, sagt Jahn. Sicher sei nur eines: „Das Mehrfamilienhaus steht auch alleine.“

Der neue Besitzer der Brandruine, erklärt Jahn, könne die zwar abreißen, müsste aber die alte Wand stehen lassen bzw. so umplanen, dass die weiter bestehen bleibt. Während der Abrissarbeiten müsste er also besagte nutzlose Wand „aufwendig abstützen und abfangen“, wie Jahn erklärt. Das wäre natürlich teuer.

Der Ruinenbesitzer ist mittlerweile genervt von dem Thema und würde ein Zugeständnis machen, das eigentlich völlig sinnfrei ist: „Ich wäre bereit, die Mauer nach dem Abriss auf meine Kosten wieder aufzubauen“, erklärt er auf Anfrage. Eine Wand wohlgemerkt, die keine Funktion hat. Das klingt nicht nur verzweifelt, das ist es auch. Er wisse nicht, warum sein Nachbar auf den Erhalt der Mauer bestehe, sagt der Ruinenbesitzer. Sicher ist eines: „Wenn ich vorher gewusst hätte, dass es so einen Ärger gibt, hätte ich das Haus nicht gekauft.“


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