11.10.2018, 16:16 Uhr

10 Jahre Stroke Unit am Klinikum „Eine Erfolgsgeschichte für die Patienten“

Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Stephan Holmer (v.li.), Oberarzt Dr. Miklos Banati, Prof. Dr. Josef G. Heckmann sowie die Referenten Prof. Dr. Bernd Tomandl und Prof. Dr. René Handschu. (Foto:  Klinikum Landshut)Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Stephan Holmer (v.li.), Oberarzt Dr. Miklos Banati, Prof. Dr. Josef G. Heckmann sowie die Referenten Prof. Dr. Bernd Tomandl und Prof. Dr. René Handschu. (Foto: Klinikum Landshut)

Das Reden fällt schwer, Doppelbilder erscheinen vor dem Auge, ein Mundwinkel hängt herunter: All das sind Anzeichen für einen Schlaganfall. Der Patient muss dann so schnell wie möglich ins Krankenhaus gebracht werden – am besten in eine Stroke Unit, eine Schlaganfall-Spezialeinheit. Am Klinikum Landshut gibt es diese seit genau zehn Jahren – jetzt war dies der Anlass, die vergangenen zehn Jahre Revue passieren zu lassen und einen Blick auf aktuelle Themen der Schlaganfalltherapie zu werfen.

LANDSHUT Die guten Nachrichten vorweg: Patienten und Angehörige erkennen einen Schlaganfall heute viel schneller als früher. Sie kommen mit dem Rettungsdienst rascher in die Klinik, wo die Ärzte sie sofort aufnehmen. Und die Schlaganfall-Behandlung hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert. Diese positiven Entwicklungen zählte Prof. Dr. Josef G. Heckmann, Chefarzt der Neurologie am Klinikum Landshut, auf. Bei der Jubiläumsveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Stroke Unit am Klinikum betonte Prof. Heckmann, wie wichtig das Zusammenspiel der verschiedenen Berufsgruppen ist. Ärzte, Pflegekräfte, Therapeuten und viele andere kümmern sich am Klinikum Hand in Hand um die circa 800 Patienten pro Jahr.

Sie führen Diagnostik, Monitoring zur Abwendung von Komplikationen sowie frühe Therapie und Reha-Maßnahmen miteinander verwoben durch. Ziel ist es, die Schäden so gering wie möglich zu halten und den Patienten wieder in die Selbstständigkeit zu entlassen. Wichtig sei auch die Arbeit des Schlaganfallbüros am Klinikum sowie die Selbsthilfegruppe, „denn viele fallen nach der Reha in ein schwarzes Loch“, so Heckmann.

Zunächst mit sechs Behandlungsplätzen wurde die Stroke Unit 2008 am Klinikum etabliert. Heute hat die Schlaganfall-Spezialeinheit, die in die Klinik für Neurologie eingebettet ist, acht Plätze. „2011 sind wir erstmals zertifiziert worden – als erste Stroke Unit in ganz Niederbayern“, so André Naumann, Geschäftsführer ad interim. Rezertifizierungen erfolgten 2014 und 2017. „Nun sind wir im zehnten Jahr dieser Erfolgsgeschichte für die Patienten angelangt“, sagte Naumann. Er dankte allen Mitarbeitern, die sich rund um die Uhr um die Schlaganfall-Patienten kümmern: „Dank Ihnen erhalten unsere Patienten eine vorzügliche Versorgung.“

Wie wichtig ein interdisziplinäres Team und eine engmaschige Versorgung sind, betonte auch der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Stephan Holmer. Ein großer Vorteil am Klinikum seien außerdem die kurzen Wege und die hochmodernen Räumlichkeiten – erst 2016 wurde die neue Stroke Unit eröffnet. Zusammen mit der internistischen Intensivstation und der Chest Pain Unit bildet sie eine räumliche Einheit. „Noch vor einigen Jahren konnte man bei einem Schlaganfall nicht viel machen. Die Stroke Unit hat diese Therapie revolutioniert“, so Prof. Holmer.

„Die Zertifizierung als Stroke Unit lohnt sich“, war das Fazit des Vortrags von Prof. Dr. René Handschu, MBA, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Neumarkt i.d.OPf. Die Gründe sind „die Verpflichtung gegenüber unseren Patienten und vor allem die Eigenverpflichtung zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung“, so der Referent. Auf die Schlaganfall-Diagnostik im Computertomographen (CT) sowie deren Grenzen und Möglichkeiten ging Prof. Dr. Bernd Tomandl, Chefarzt der Klinik für Radiologie und Neuroradiologie am Klinikum Christophsbad, ein. Dabei erklärte er auch, welche unterschiedlichen Verfahren angewendet werden, wenn die Gefäße im Gehirn verstopft sind. So kommt beispielsweise die Thrombektomie zum Einsatz, wenn große Verstopfungen vorliegen. Dabei wird das Gefäß mit einem Katheter wieder geöffnet.

Ein Update zur Verbeugung des Schlaganfalls gab im letzten Vortrag von Dr. Miklos Banati, Oberarzt der Neurologie am Klinikum Landshut. Neun von zehn Schlaganfällen könnten verhindert werden, so Dr. Banati. Alter, Geschlecht und Genetik könne man zwar nicht beeinflussen, aber bei Bluthochdruck, Bewegungsmangel oder ungesunder Ernährung könne jeder ansetzen. Auch Rauchen und Alkohol begünstigen einen Schlaganfall. Zur Vorbeugung empfahl der Oberarzt die mediterrane Küche mit Olivenöl statt Butter, Kräuter statt Salz und viel Obst und Gemüse. Auch dunkle Schokolade, Nüsse aller Art und Sauna-Gänge schützen vor einem Schlaganfall.


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